IWF und Notenbank uneins über Zinssenkung in Russland

    13. September 2018, 10:41
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    Steigende Zinssätze in den USA machen Schwellenländer für Investoren weniger attraktiv. Der IWF sieht dennoch Spielraum für Zinssenkungen in Russland

    Moskau – Anders als die Notenbank sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) Spielraum für weitere Zinssenkungen in Russland. Einen Tag vor der Sitzung der russischen Zentralbank teilte der IWF am Donnerstag mit, eine weitere geldpolitische Lockerung könne angemessen sein, falls die Inflationsrate unter der Vier-Prozent-Schwelle bleibe. Die Zentralbank dürfte Experten zufolge das Zinsniveau jedoch am Freitag wohl nicht antasten und den Schlüsselsatz voraussichtlich bei 7,25 Prozent belassen. Notenbankchefin Elvira Nabiullina hält eine Senkung derzeit nicht für angebracht. Ihrer Meinung nach spricht eine Reihe von Gründen dafür, den Zinssatz konstant zu halten.

    US-Notenbank macht Schwellenländern zu schaffen

    Einige Argumente könnten der Notenbankchefin zufolge auch eine Erhöhung rechtfertigen. Sie spielte dabei auf die jüngsten Währungsturbulenzen an, die neben anderen Schwellenländern wie der Türkei auch Russland erfasst haben. Wegen immer höherer Zinsen in den USA werden Anlagen in aufstrebenden Volkswirtschaften weniger attraktiv. Die Folgen sind Kapitalfucht und fallende Devisenkurse. Mit höheren Zinsen würde die russische Landeswährung Rubel tendenziell gestützt.

    In der Türkei blickten Investoren mit Spannung auf die am Donnerstag anstehende Zinssitzung. Dem von einer Währungskrise erschütterten Land könnte eine kraftvolle Erhöhung des Schlüsselsatzes Experten zufolge Luft verschaffen. Bei einer Enttäuschung der Märkte dürfte sich die Talfahrt der Landeswährung Lira hingegen beschleunigen – mit weitreichenden Folgen auch für Russland und andere Schwellenländer. Manche Experten erwarten, dass sich die Türkei letztlich in die Arme des IWF flüchten wird, falls sich die wirtschaftliche Krise zuspitzt. (Reuters, 13.9.2018)

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