Video-Leak: Googles Führungskräfte reagieren geschockt auf Trump-Sieg

    13. September 2018, 12:03
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    Rechtskonservative Medien und Politiker sehen in dem von Breitbart geleakten Video einen weiteren Beweis für die liberale Voreingenommenheit des Silicon Valley

    Die rechts-populistische Website Breitbart News, ehemals geleitet von Stephen Bannon bis dieser 2016 als Berater in den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump einstieg, leakte am Mittwoch ein internes Video einer Versammlung aus dem Google-Hauptquartier, wenige Tage nach den Präsidentschaftswahlen. Es zeigt eine Vollversammlung der Mitarbeiter im Rahmen eines regelmäßigen Zusammentreffens unter dem Motto "TGIF" ("Thank God It's Friday). Im einstündigen Video legen eine Reihe von Führungskräften offen ihre Enttäuschung über den Ausgang der Wahl sowie Befürchtungen über die zukünftige Politik und Ausrichtung des Landes dar.

    Googles Mitgründer Sergey Brin etwa konstatiert: "Die meisten hier sind ziemlich verärgert und traurig." Er spricht von einer stressigen Zeit die allen bevorstehen würde und davon, dass die Wahl vielen Überzeugungen für die das Unternehmen steht, diametral entgegen wirkt. Es sei in solchen Momenten aber auch wichtig darüber zu reflektieren, dass viele Menschen nicht den Überzeugungen der Google-Mitarbeiter entsprechen. Er plädierte deshalb auch besonders einfühlsam und weltoffen im Umgang mit Andersdenkenden im Unternehmen zu sein. Google-CEO Sundar Pichai versuchte wie seine Kollegen die Mitarbeiter zu versichern, dass es keinen unmittelbaren Grund zur Sorge gäbe bei Themen wie Immigrationsstatus oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften von Mitarbeitern.

    Ruth Porat, selbst eine überzeugte Clinton-Wahlkämpferin und Google-Führungskraft, war den Tränen nahe, als sie von ihrer Familiengeschichte mit Migrationshintergrund sprach. Sie forderte die Mitarbeiter auf einander zu umarmen. Co-Gründer Sergey Brin hingegen scherzte eingangs darüber, dass mit der Wahl zumindest Marihuana in Kalifornien legalisiert worden sei, leider könne man aber nicht so schnell tröstende Joints bereitstellen.

    Linksliberale Voreingenommenheit

    Breitbart versuchte das Video so zu interpretieren als wäre es ein weiterer Beweis für jenen Verdacht, den rechtskonservative Medien, Trump-Unterstützer und der Präsident höchstpersönlich seit mehreren Wochen medial ausschlachten. Nämlich die liberale Voreingenommenheit großer Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley. Trumps Wahlkampfmanager für 2020, Brad Parscale, sagte auf Twitter Google müsse erklären warum die Inhalte des Videos keine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen sollen. Auch Donald Trump Jr. machte sich bemerkbar und bilanzierte: "Wenn das kein Monopol ist, dann weiß ich auch nicht mehr." Erst in der vergangenen Woche mussten sich Führungskräfte von Twitter und Facebook bei Anhörungen vor dem US-Senat mehrere Stunden lang ähnliche Vorwürfe von Republikanern gefallen lassen. Google erschien trotz Vorladung nicht.

    Tatsächlich war die einstündige Google-Versammlung aber weit differenzierter als es die Attacken rechtskonservativer Politiker und Medien vermuten ließ. Brin etwa konstatierte, dass Trump jene Menschen anzusprechen vermochte, "die man zurückgelassen hat". Ebenso, dass es für jene Wähler durchaus Sinn mache den Politikern in der Hauptstadt einen Tritt in den Hintern zu verpassen.

    Google reagierte auf das geleakte Video mit einer Presseaussendung. Dort erklärte das Unternehmen, dass lediglich Mitarbeiter ihre persönliche Meinung nach einer langen, harten und entzweienden Wahlkampfperiode wiedergegeben hätten. "Seit über 20 Jahren kann jeder bei Google bei diesen Events frei seine Meinungen äußern. Nichts das bei diesem oder anderen Events gesagt wurde, suggeriert irgendeinen politischen Einfluss auf die Art wie wir unsere Produkte bauen oder operieren. Ganz im Gegenteil, unsere Produkte sind für alle gemacht und wir bauen sie mit besonderer Sorgfalt, sodass sie für alle eine verlässliche Informationsquelle darstellen, ungeachtet der politischen Einstellung einer Person." (red, 13.9.2018)

    • Die Google-Gründer Larry Page (links) und Sergej Brin im Jahr 2000.
      foto: ap / randi lynn beach

      Die Google-Gründer Larry Page (links) und Sergej Brin im Jahr 2000.

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