Tirol: Weitwandern auf dem Dreitörlweg

    14. September 2018, 15:00
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    Im Reich der Blätterteigberge: Unterwegs auf dem Dreitörlweg ins Herz der Lienzer Dolomiten

    Die Lienzer Dolomiten: steile Kalkwände, wilde Felstürme, scharfe Grate. Imposant und abschreckend zugleich. Nicht umsonst wurde diese kleine Gebirgsgruppe im Süden Österreichs früher "die Unholden" genannt – Unwetter sind über diesen Bergen ebenfalls keine Seltenheit.

    Heute ziehen die Lienzer Dolomiten Kletterer und Klettersteiggeher an, aber auch für Wanderer gibt’s dort einiges zu holen. Zum Beispiel am Dreitörlweg: Er beginnt in Kärnten beim Hochstadelhaus auf der Unholdenalm, am Ostrand der Lienzer Dolomiten. Endpunkt ist die Karlsbader Hütte in Osttirol, etwa sechs Gehstunden entfernt, mitten im felsigen Herz der Gebirgsgruppe. Dazwischen führt der Dreitörlweg über mehrere Scharten, vulgo "Törl". Überraschende Wendungen sind garantiert: Unterwegs beeindrucken monströse Gesteinstafeln, Schicht für Schicht lotrecht aufgestellt, wie Blätterteig für Titanen. Oder Felsschichten, V-förmig geknickt wie ein steinerner Bildband zur Gebirgsbildung.

    Genug Weg für drei Tage

    Auf dem Hochstadelhaus und der Karlsbader Hütte sollte man jeweils eine Nächtigung einplanen. Außer man steigt nach dem Dreitörlweg von letzterer noch eineinhalb Stunden ab zur Dolomitenhütte. Von dort kann man per Taxi oder Autostopp und Bahn gut zum Ausgangspunkt zurückkehren – der liegt direkt an der Bahnstation Nikolsdorf im Drautal. Von hier führt ein anspruchsvoller Zustieg zum Dreitörlweg: der Zabratsteig.

    Dieser Steig schummelt sich steil durch eine felsige Wald- und Latschenflanke hinauf zum Hochstadelhaus. Obwohl mit Holzstufen, Eisentritten und Drahtseilen ausgestattet, verzeiht er an manchen Stellen keinen Fehler. Zabratsteig wie Dreitörlweg verlangen somit Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Kondition. Auf beiden sind rund 1.200 Höhenmeter im Aufstieg zu bewältigen.

    Wer sich den Zabratsteig nicht zutraut, kann von Osten (Unterpirkach) zum Hochstadelhaus aufsteigen – oder mit dem Hüttentaxi fahren. Anderntags steht dem Schauen und Staunen am Dreitörlweg nichts mehr im Wege. (Uwe Grinzinger, 14.9.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

    Google Maps: Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

    Service

    karte: der standard

    Tag 1: Zabratsteig zum Hochstadelhaus

    Von der Bahnhaltestelle Nikolsdorf entlang der Drau stromaufwärts gehen, auf einer schmalen Asphaltstraße zwischen Gleisen und Bundesstraße. Nach ca. 100 Metern links abbiegen, zuerst die Drau überqueren (Holzbrücke), dann den Fahrweg, der entlang des Ufers verläuft. So stoßen wir auf den ersten gelben Wegweiser ("Hochstadel, Zabratsteig"). Nun auf einer Schotterstraße bergauf, kurz nach einer Rechtskehre dann links auf einen Steig. Auf ihm durch Wald bergauf, drei Forststraßenquerungen inklusive. Später durchwegs steil über felsige Wald- und Latschenhänge nach oben (mehrere Grabenquerungen, tw. Drahtseilsicherungen). Schließlich erreichen wir linkshaltend flacheres Waldgelände (Schild "Bärenkopf 1.300 m").

    Danach über die ungemein steile, bewaldete Felsflanke im Zickzack hinauf (tw. Metall-Trittbügel, Holzstufen und Drahtseile, auch ungesicherte Passagen, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig). Auf ca. 1.650 m nach links (Hochstadelhaus-Wegweiser), den Hochstadel bis auf seine Ostseite umrunden (mehrmals Drahtseile) und noch einmal rd. 100 Höhenmeter ansteigen. Bei einer Wegkreuzung verlassen wir den Wald und wandern links über Almwiesen zum Hochstadelhaus (1.780 m, rd. 4 Std. von der Bahnstation Nikolsdorf, Nächtigung).

    Tag 2: Entweder Dreitörlweg-Originalroute…

    Vom Hochstadelhaus nach Westen über die Unholdenalm. Hinter den letzten Almhäusern teilt sich der Weg (ca. 1.815 m). Wir halten uns links am Dreitörlweg (rechts zweigt die Hochstadel-Variante ab), überschreiten das Raineck und queren ins Badstüblkar. Über einen Rücken, das unscheinbare Leitentörl und quer durch die Schneeklammkopf-Südflanke gelangen wir bis zur Einmündung der Hochstadel-Variante.

    …oder Hochstadel-Variante

    Alternativroute ab Hochstadelhaus: Bei der Weggabelung auf der Unholdenalm (ca. 1.815 m) rechts, auf den breiten Ostrücken und über ihn zum Hochstadel-Gipfel (2.681 m). Dann steiler Felsflanken-Abstieg nach Südwesten (anspruchsvoller als Ostaufstieg, tw. Drahtseile), Querung in eine Scharte und über eine Felsflanke nach Süden hinunter (Drahtseile), bis zur Einmündung in den Dreitörlweg.

    Übergang zur Karlsbader Hütte

    Gemeinsamer Weiterweg: Von der Einmündung der Hochstadel-Variante am Dreitörlweg auf einen Kamm und über ihn ins Baumgartentörl (2.347 m). Dort scharf rechts und steil eine breite Geröllrinne hinunter. Wir queren ein Geröllfeld nach Westen und steigen ins Kühleitentörl (2.295 m) hinauf. Über einen Schottersteig zuerst westlich hinunter, dann am östlichen Karrand nach Norden absteigen, bis wir unter dem Schwärza-Nordostgrat nach Westen hinüberqueren können. Dort Einmündung des Steiges von der Lavanter Alm herauf. Nach Querung eines tief eingeschnittenen Bachbettes über eine kleine Schulter, über einen schönen Wiesenboden mit Bach und später über ein Geröllfeld ins Laserztörl (2.497 m). Jenseits über eine felsige Rinne, dann linkshaltend über Geröllhänge hinunter zum Laserzsee. Westlich um ihn herum und zur Karlsbader Hütte (2.261 m, rd. 6 Std. vom Hochstadelhaus, ev. Nächtigung).

    Tag 2 oder 3: Abstieg zur Dolomitenhütte

    Von der Karlsbader Hütte auf der Zufahrtsstraße hinunter – oder auf einem Steig, der die Straßenkehren abkürzt. Zuletzt in jedem Fall wieder auf der Schotterstraße, vorbei an der Insteinhütte (1.681 m, Kapelle), das Tal hinaus zur Dolomitenhütte (1.616 m, ca. 1,5 Std. von der Karlsbader Hütte). Dort rechts ca. 150 m bis zum großen Parkplatz am Ende der Mautstraße. Von hier zurück zum Ausgangspunkt.

    Ausgangspunkt: Für Zabrat-Steig: Bahnstation Nikolsdorf im Drautal (641 m).

    Alternativer Ausgangspunkt: Pirkach im Drautal (einfacher Aufstieg zum Hochstadelhaus).

    Anreise: Mit dem PKW: Von Lienz oder Oberdrauburg zur Haltestelle Nikolsdorf (neben der Drautalbundesstraße). Mit Öffis: Per Bahn von Lienz oder Spittal / Millstätter See (www.oebb.at).

    Hüttentaxi zum Hochstadelhaus: 04710 / 2778 (am Vortag reservieren!)

    Rückreise: Taxi von der Dolomitenhütte nach Lienz (z. B. www.taxixander.at, www.alpenland-reisen.at), dann Bahn nach Nikolsdorf.

    Anforderungen: Anspruchsvolle, lange Bergwanderung mit gesicherten Passagen, sowohl am Dreitörlweg als auch am Hüttenzustieg (Zabratsteig). Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gute Kondition nötig. Durchgehend markiert.

    Einkehr/Übernachtung: unterwegs Hochstadelhaus (www.hochstadel.at) und Karlsbader Hütte (www.karlsbaderhuette.at). Beide bis Ende Sept. durchgehend bewirtschaftet, Hochstadelhaus danach ev. noch an schönen Wochenenden. Am Endpunkt: Dolomitenhütte (dolomitenhuette.at). Die Kalserhütte neben dem Hochstadelhaus wird dzt. nicht bewirtschaftet!

    Karte: freytag & berndt-Wanderkarte WK182

    Variante: Hochstadel-Überschreitung (2.681 m) am Beginn des zweiten Tages. 300 Höhenmeter bzw. 2 Stunden zusätzlich.

    • Bahnanschluss inklusive: Der Dreitörlweg ist auch für Öffi-Fahrer gut zu erreichen.
      foto: uwe grinzinger

      Bahnanschluss inklusive: Der Dreitörlweg ist auch für Öffi-Fahrer gut zu erreichen.

    • Erleuchtung: Tagesanbruch am Dreitörlweg
      foto: uwe grinzinger

      Erleuchtung: Tagesanbruch am Dreitörlweg

    • Extratour: Eine Variante für Konditionsstarke führt über den Hochstadel
      foto: uwe grinzinger

      Extratour: Eine Variante für Konditionsstarke führt über den Hochstadel

    • Vogelperspektive: Tiefblick aufs Baumgartentörl (Bildmitte), dem ersten von drei "Törln"
      foto: uwe grinzinger

      Vogelperspektive: Tiefblick aufs Baumgartentörl (Bildmitte), dem ersten von drei "Törln"

    • Blätterteigberge: Gewaltige Felsplatten lassen erahnen, welche Kräfte bei der Gebirgsbildung am Werk waren
      foto: uwe grinzinger

      Blätterteigberge: Gewaltige Felsplatten lassen erahnen, welche Kräfte bei der Gebirgsbildung am Werk waren

    • Durchblick: Blick vom Baumgartentörl aufs Kühleitentörl, dem zweiten "Törl
      foto: uwe grinzinger

      Durchblick: Blick vom Baumgartentörl aufs Kühleitentörl, dem zweiten "Törl

    • Grasinsel: Unterm Laserztörl schummelt sich etwas Grün in die Felswüste
      foto: uwe grinzinger

      Grasinsel: Unterm Laserztörl schummelt sich etwas Grün in die Felswüste

    • Badewannenrand: Der heiße Sommer setzt dem Laserzsee neben der Karlsbader Hütte zu
      foto: uwe grinzinger

      Badewannenrand: Der heiße Sommer setzt dem Laserzsee neben der Karlsbader Hütte zu

    • Volle Kante: Luftig liegt die Dolomitenhütte am Ende der Wanderung.
      foto: uwe grinzinger

      Volle Kante: Luftig liegt die Dolomitenhütte am Ende der Wanderung.

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