Luftangriffe in Libyen gefährden internierte Migranten

12. September 2018, 17:40
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Hilfsorganisationen fordern, die mehr als 7.000 Menschen in den Anhaltezentren in Tripolis in Sicherheit zu bringen

Tripolis – Nur eine Woche nachdem der Waffenstillstand zwischen Milizen in der libyschen Hauptstadt Tripolis in Kraft getreten ist, wurden in der Nacht auf Mittwoch Raketen auf den Flughafen Mitiga abgefeuert. Es handelte sich um den einzigen funktionierenden Flughafen des Landes. Er war erst am Freitag wieder in Betrieb gegangen, nachdem er wochenlang aufgrund anhaltender Kämpfe gesperrt gewesen war.

Mitiga wurde im Jahr 2014 für den zivilen Flugverkehr geöffnet, nachdem der internationale Flughafen in Tripolis zerstört worden war. Die neuerliche Eskalation der Gewalt hat auch Folgen für die internierten Flüchtlinge und Migranten in den Anhaltezentren der libyschen Hauptstadt.

Noch vor Inkrafttreten des Waffenstillstands, der durch die Vereinten Nationen ausgehandelt worden war, wurden internationale Helfer ausgeflogen. Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), die in den Anhaltezentren tätig ist, sah sich gezwungen, ihr Personal am vergangenen Mittwoch nach Tunesien auszufliegen. Nur ein kleines Team aus nationalen Helfern besucht die Zentren weiter.

In der Falle

Laut Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) befanden sich am Dienstag noch 7.143 Flüchtlinge und Migranten in den Zentren der Hauptstadt. Sie sitzen faktisch in der Falle, heißt es bei Ärzte ohne Grenzen. Die NGO fordert, dass die Eingeschlossenen in Sicherheit gebracht werden. Sorge bereiten der Hilfsorganisation vor allem Berichte von den Ankunftsstellen in Tripolis, wo von der libyschen Küstenwache aufgegriffene Flüchtlinge und Migranten wieder an Land gehen. Aufgrund der anhaltenden Gewalt sind hier keine internationalen Helfer oder Beobachter vor Ort. Menschenschmuggler sollen die Situation ausnutzen, um sich als Mitarbeiter des UN-Flüchtlingshilfswerks auszugeben und Menschen gezielt in die Irre zu führen.

Ob die neuerliche Eskalation der Gewalt dazu führen wird, dass mehr Menschen die gefährliche Überfahrt nach Europa auf sich nehmen, könne man laut MSF nicht sagen. Erfahrungsgemäß schaffen es in Zeiten bewaffneter Auseinandersetzungen weniger Boote aufs Mittelmeer.

Das könnte daran liegen, dass die Menschenhändler oft aus den Reihen der Milizen stammen oder eng mit ihnen kooperieren. Die Route der Flüchtlinge und Migranten verlagert sich insgesamt nach Westen. So beobachten Hilfsorganisationen eine steigende Zahl von Ankünften von Booten in Spanien und mehr Abfahrten aus Marokko. (Bianca Blei, 12.9.2018)

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