Was sich bei Mangelberufen und Lehre 2019 ändern soll

12. September 2018, 17:29
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Eine regionalisierte Mangelliste soll die Rot-Weiß-Rot-Karte für deutlich mehr Bewerber zugänglich machen

Wien – Von 162.000 fehlenden Fachkräften ist bei der Österreichischen Wirtschaftskammer die Rede. Am Mittwoch hat die türkis-blaue Regierung erste konkrete Maßnahmen vorgelegt, wie man dem Mangel begegnen will.

Derzeit 27 Berufe auf Mangelliste

Drittstaatsangehörige können eine Rot-Weiß-Rot-Karte in einem Mangelberuf beantragen, um sich in Österreich niederzulassen und hier zu arbeiten. Aktuell stellt das Sozialministerium fest, wo ein Mangel herrscht. Derzeit finden sich 27 Berufe wie Kfz-Mechaniker, Fliesenleger und Dachdecker auf der Liste.

Basis dafür sind Zahlen des Arbeitsmarktservice. Dieses ermittelt laufend, in welchen Berufen viele offene Stellen gemeldet werden, es aber nur wenige gemeldete Arbeitslose gibt. Pro offener Stelle darf es in der Branche maximal 1,5 Arbeitslose geben, damit ein Beruf auf die Mangelliste kommt. In Österreich herrscht dabei ein Ost-West-Gefälle: In Wien gibt es aktuell nur 20 Mangelberufe, in Oberösterreich rund 140, in Tirol rund 110. In Oberösterreich ist Tapezierer ein Mangelberuf, in Wien nicht.

Bisher gab es nur eine bundesweite Mangelliste. Künftig soll auf regionale Unterschiede Rücksicht genommen werden, was dazu führen wird, dass deutlich mehr Bewerber für eine Rot-Weiß-Rot-Karte infrage kommen. Einen Gesetzesvorschlag gibt es dazu noch nicht.

Rot-Weiß-Rot-Karte neu

Die Regierung will eine Arbeitsgruppe einrichten, um die Rot-Weiß-Rot-Karte zu modernisieren. So sollen die Regelungen wegfallen, wonach Antragsteller aus dem Ausland schon nachweisen müssen, wo sie in Österreich eine Unterkunft haben werden. Aktuell gilt, dass für eine Rot-Weiß-Rot-Karte neben der allgemeinen Eignung, etwa in einem Mangelberuf, auch eine bestimmte Punktezahl erreicht werden muss. Wer gut Deutsch spricht, jung ist und Berufserfahrung hat, bekommt mehr Punkte. Auch hier soll es Vereinfachungen geben, um die Rot-Weiß-Rot-Karte attraktiver zu machen.

Aufenthalt für Lehrlinge

Hier macht die Koalition nur einen Spalt auf. Statt der generellen Möglichkeit für Menschen aus Drittstaaten, um einen Lehrplatz in Österreich anzusuchen, wird nur für Schüler die Möglichkeit geschaffen, eine Lehre zu machen. Im vergangenen Jahr erhielten 767 Personen aus Drittstaaten eine Aufenthaltsbewilligung als Schüler – diese kleine Gruppe kann künftig um einen Aufenthaltstitel als Lehrling ansuchen. (szi, nw, 13.9.2018)

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