Doch keine Kurse gegen Sexismus im Parlament

    12. September 2018, 17:03
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    Die Psychotherapeutin Christine Bauer-Jelinek sollte ein Konzept für eine Beratungsstelle gegen sexuelle Belästigung erarbeiten. Ihr Vertrag läuft nun aus

    Wien – Die Tätigkeit von Christine Bauer-Jelinek für das Parlament ist zu Ende – so wie geplant, heißt es aus der Parlamentsdirektion. Im Vorjahr wurde die Psychotherapeutin und Machtexpertin von der damaligen Nationalratspräsidentin Elisabeth Köstinger (ÖVP) beauftragt, eine Präventions- und Beratungsstelle gegen sexuelle Belästigung im Parlament aufzubauen.

    Irritierende Aussagen

    Zuletzt sorgte aber Bauer-Jelineks Auftritt in der ORF-Sendung Im Zentrum für Irritation, weil sie Sexismus als "Alltagsblödeleien" abtat und erklärte, man könne "mit Sex auch viel erreichen".

    Dass der Auftritt das Ende der Zusammenarbeit mit dem Parlament beschleunigt haben könnte, weist Karl-Heinz Grundböck, Sprecher der Parlamentsdirektion, im STANDARD-Gespräch zurück: "Der Zeitpunkt ist zufällig."

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    Die ORF-Sendung zum Nachschauen.

    Bauer-Jelinek sei zunächst beauftragt worden, ein Konzept für eine Beratungsstelle zu erarbeiten, das habe sie getan. Bereits im August wurde eine Ausschreibung gestartet, wer die Clearing- und Beratungsstelle künftig betreuen soll, das Auswahlverfahren sei nun abgeschlossen. Zwei Psychotherapeuten – ein Mann und eine Frau –, die schon über ein Beratungsangebot, also eine Praxis, verfügen, sollen Vertragspartner des Parlaments werden. Abgeordnete können via Mail oder Telefon mit ihnen Kontakt aufnehmen und das weitere Vorgehen beraten. Das Angebot, das sich an alle Parlamentarier und Parlamentsmitarbeiter richtet, ist als Schnittstelle geplant.

    Anti-Sexismus-Kurse nie vorgesehen

    Anders als die Tageszeitung "Österreich" am Sonntag unter Berufung auf Bauer-Jelinek berichtete, sollen Anti-Sexismus-Kurse für Abgeordnete nie geplant gewesen sein, betont Grundböck. Er spricht von einem Missverständnis, Bauer-Jelinek wollte allen Parlamentsmitarbeitern zum Abschluss das Konzept der Clearingstelle vorstellen.

    Die Psychotherapeutin dürfte zudem die Causa Dönmez dafür genutzt haben, mit verschiedenen Medienauftritten sich und ihr neues Buch im Gespräch zu halten. Efgani Dönmez hatte in einem sexistischen Tweet eine deutsche Politikerin herabgewürdigt und damit die Debatte über sexistisches Verhalten in der Politik wieder neu entfacht. (mte, 12.9.2018)

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