Künstliche Intelligenz in Banken: "Alexa, wie stehen die Aktien?"

    13. September 2018, 07:00
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    Banken setzen auf künstliche Intelligenz. Oberflächlich mit einfachen Services wie Sprachabfragen, noch mehr tut sich hinter den Kulissen

    Wien – Digitalisierung gilt als Zauberwort der Bankenbranche. Zwar setzen große Institute wie die Bank Austria auf sogenannte Multi-Channel-Strategien, bei denen das Filialnetz fester Bestandteil bleibt – Wachstum sollen aber vor allem die digitalen Kanäle bringen. Daher rollt die Bank in drei Wellen bis Ende September nicht nur das neue Onlinebanking "24You" aus, sondern hat laut Bankchef Robert Zadrazil auch den ersten "Alexa-Skill" unter Österreichs Geldhäusern im Programm.

    Dieser erlaubt über den digitalen Sprachassistenten des Smart Speakers Amazon Echo, der auf den Namen Alexa hört, allgemeine Anfragen etwa über Finanznews, Öffnungszeiten oder andere Informationen an die Bank Austria. Nicht möglich ist das Abfragen von persönlichen Daten wie Kontoinformationen. Allerdings hat Zadrazil dies sehr wohl am Radar, jedoch müssten zuvor unter anderem technische oder datenschutzrechtliche Fragen geklärt werden. Schließlich gelten intelligente Sprachassistenten als "Megatrend", im Jahr 2020 soll laut dem Marktforscher Gartner schon fast jede dritte Internetsession ohne die Nutzung eines Bildschirms ablaufen.

    IBAN, der Schreckliche

    Bereits im Einsatz ist die Fotoüberweisung. Nicht nur Erlagscheine, sondern auch unstrukturierte Papierrechnungen können per Smartphone fotografiert und automatisch in eine Überweisung umgewandelt werden. "Wer gibt schon gern einen IBAN ein, wenn die künstliche Intelligenz es im Hintergrund erledigen kann?", sagt Zadrazil. Umgesetzt wurde die Fotoüberweisung gemeinsam mit dem Münchener Start-up Gini, dessen künstliche Intelligenz die Texterkennung übernimmt.

    Dass Banken sich vergleichsweise früh auf die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz stürzen, liegt fast auf der Hand: Sie sitzen mit ihren Nutzer- und vor allem Transaktionsdaten auf einem Schatz, der sich vor allem mithilfe von Digitalisierung und maschineller Intelligenz heben lässt. Und für den Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen sind massenhaft Daten die Grundlage.

    Riesiges Potenzial

    "Das Potenzial ist riesig, und man weiß noch gar nicht, wie weit das gehen wird", sagt Zadrazil über diese Technologien. "Wir nähern uns dem Thema langsam an und testen, was geht." Einiges wird in seinem Haus auch schon im Hintergrund eingesetzt, etwa bei der Geldwäschebekämpfung. Dort suchen Algorithmen automatisch nach auffälligen Transaktionen, die dann einem Mitarbeiter zur endgültigen Beurteilung vorgelegt werden. "Das hat uns extreme Effizienz gebracht", sagt Zadrazil. Angestellte würden aber nicht den Job verlieren, sondern für andere Dinge eingesetzt. Auch bei der Kundenanalyse oder bei Chatbots kommt künstliche Intelligenz bei der Bank Austria zum Einsatz.

    "Die Anwendungsmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz sind vielschichtig", sagt Martin Rauchenwald, Partner bei Oliver Wyman in Zürich. Als Beispiele nennt er im Bankensektor Kundenkommunikation, Risikobewertung von Kunden, Regulierung oder eben auch die Abwehr von Geldwäsche oder Betrug. "Künstliche Intelligenz greift aber zumeist nur unterstützend ein und trifft keine eigenen Entscheidungen", schränkt Rauchenwald ein. Als Daumenregel führt er an, dass sich Fragestellungen, die ein Mensch binnen einer Sekunde einschätzen könne, gut für den Einsatz intelligenter Maschinen eignen würden. "Darüber hinaus braucht man menschliche Intelligenz."

    Qualität der Daten

    Eine Einschränkung für den Einsatz von maschineller Intelligenz liegt jedoch in der Qualität der Daten. Legt man beispielsweise einem selbstlernenden Algorithmus zur Bilderkennung überwiegend Fotos mit Huskeys mit Schnee im Hintergrund und Wölfen ohne Schnee vor, wird er einen Wolf im Schnee für einen Huskey halten.

    "Effizienter, schneller und kostengünstiger zu werden ist ein wichtiges Thema", erklärt Rauchenwald die Beweggründe zum Einsatz von künstlicher Intelligenz. Als Beispiel führt er Regulierung oder Betrugsbekämpfung an: "Das ist viel Arbeit, durch die keine Einnahmen entstehen." Dem wollten Banken entgegenwirken. "Künstliche Intelligenz schafft Freiräume in einem ressourcenknappen Umfeld", fasst Rauchenwald zusammen. (Alexander Hahn, 12.9.2018)

    • Die Bank Austria bietet über Amazon Echo die Abfrage nicht personenbezogener Daten wie Informationen über das Institut oder Finanzmärkte an.
      foto: ap

      Die Bank Austria bietet über Amazon Echo die Abfrage nicht personenbezogener Daten wie Informationen über das Institut oder Finanzmärkte an.

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