Hurrikan Florence trifft auf Land, schwere Fluten an der Küste

    Video14. September 2018, 15:21
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    Heftiger Regen und meterhohe Fluten ergießen sich über die Südostküste der USA, tausende Menschen sind auf der Flucht

    Wilmington/Washington – Das Zentrum des Wirbelsturms erreichte Freitagfrüh (Ortszeit) den Ort Wrightsville Beach in North Carolina, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami mitteilte. Mit Geschwindigkeiten von 150 Kilometern pro Stunde gilt er als Hurrikan der niedrigsten Stufe 1. Trotzdem hat er zerstörerische Kraft und sorgte für schwere Fluten an der Küste, für Überschwemmungen, heftige Böen und extreme Regenfälle.

    In Emerald Isle im Bundesstaat North Carolina stand das Wasser nach Angaben des Nationalen Hurrikanzentrums NHC in der Nacht zum Freitag bis zu knapp zwei Meter hoch.

    "Florence" bewegte sich selbst mit nur neun Kilometern pro Stunde vorwärts. Der Direktor des Nationalen Hurrikan-Zentrums, Ken Graham, sagte, es sei besonders gefährlich, dass sich "Florence" derart langsam bewege, sich sehr lange über den Küstengebieten halte und enorme Wassermassen dorthin trage. Laut dem Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Brock Long, liefen bereits viele Notfalleinsätze in der betroffenen Küstenregion. Der Fernsehsender CNN berichtete, mehr als 400.000 Menschen in North und South Carolina seien ohne Strom.

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    Live-Updates von CBSN.

    Die Situation werde sich in den nächsten Stunden und Tagen drastisch verschlechtern, sagten die Meteorologen voraus. Experten rechnen damit, dass sich die Wasserlast von Florence bis zu vier Tage lang auf das Land ergießt. In der Nähe der Stadt nahm der Stromversorger Duke Energy ein Kernkraftwerk vorsorglich vom Netz.

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    In den USA haben Ausläufer des Hurrikans Florence die Ostküste erreicht. In den Bundesstaaten North und South Carolina gibt es heftigen Wind und Regenfälle. Das Zentrum des Hurrikans soll Freitagnachmittag die Küste erreichen.

    Fünf Millionen Betroffene

    Die Behörden rechnen damit, dass insgesamt fünf Millionen Menschen in einem riesigen Einzugsgebiet im gesamten Südosten der USA von Überschwemmungen betroffen sein könnten. Sturmfluten, die vom Ozean in die Flüsse und damit ins Hinterland drängen, sowie ergiebiger Regen mit Billionen Litern Wasser könnten gemeinsam zerstörerische Kraft entfalten.

    US-Präsident Donald Trump lobte auf Twitter die Behörden und Ersthelfer. "Sie machen einen unglaublichen Job, danke dafür!", schrieb Trump.

    FEMA richtete extra eine Website zur Kontrolle von Gerüchten ein. "Während Naturkatastrophen ist es essentiell die Verbreitung von Gerüchten und falschen Informationen zu vermeiden." Menschen wurden dazu angehalten zuerst den Informationsgehalt zu prüfen, bevor sie bestimmte Nachrichten teilen.

    foto: ap / travis long
    Ausläufer des Hurrikans kamen bereits Donnerstagabend an der Küste an.

    Während Unentwegte teils auch auf Inseln ausharrten und mithilfe von Notstromaggregaten und Vorratshaltung durchzukommen versuchen, verließen Hunderttausende bereits am Donnerstag ihre Wohnungen. Sie fanden Unterschlupf bei Freunden, Verwandten, in Hotels oder Notunterkünften. In der Hauptstadt Washington wurden wichtige politische Entscheidungen im Senat und im Abgeordnetenhaus verschoben.

    foto: imago
    Ein Satellitenbild zeigt Florence von oben.

    "Wir sprechen über ein ausgedehntes Windfeld", sagte der Leiter der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, am Donnerstag. "Sturmfluten werden ein großes Problem flussaufwärts sein." Regenbänder würden tagelang ihre über dem Atlantik aufgesogene Wasserlast über den Küstenabschnitten bis weit ins Landesinnere abladen.

    Tausende Spezialkräfte einsatzbereit

    "Der Strom wird weg sein, vielleicht für Tage, vielleicht aber auch für Wochen", sagte Long. Stromversorger haben tausende Spezialkräfte aus vielen Teilen der USA in die Region entsandt, um nach dem Einsturz von Strommasten die Versorgung wiederherzustellen. Duke Energy geht von ein bis drei Millionen Haushalten und Unternehmen aus, die ohne Strom sein könnten. "Wir müssen damit rechnen, dass 75 Prozent unserer Kunden ohne Elektrizität sind", sagte der North-Carolina-Chef von Duke Energy, David Fountain.

    Die US-Koordinationsstelle für Katastrophenhilfe rät dazu, im niedrigsten nichtflutbaren Stock des Hauses auszuharren, sofern man nicht fliehen konnte.

    North Carolinas Gouverneur Roy Cooper sprach von "katastrophalen Fluten", die zu erwarten seien. Mit Georgia, South Carolina, North Carolina, Virginia und Maryland haben fünf US-Staaten sowie der District of Columbia um die Hauptstadt Washington den Notstand ausgerufen. Die Flutwellen könnten mehrere Meter hoch ausfallen. "Spielt keine Spielchen mit ihm. Er ist groß", hatte Präsident Donald Trump in einer Videobotschaft an die Küstenbewohner über den Wirbelsturm gesagt.

    Zurückstufung

    Hurrikans werden nach ihrer Windgeschwindigkeit in fünf Kategorien eingeteilt. Florence war in den vergangenen Tagen zunächst zu einem Hurrikan der Stärke 4 angewachsen, der zwischenzeitlich Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Kilometern pro Stunde aufwies. Am Mittwoch ließ er bereits an Stärke nach, rutschte dann in die Kategorie 3 und danach weiter auf die Stärke 2. Mittlerweile wurde er sogar auf einen Kategorie-1-Sturm zurückgestuft.

    Die Prognose für die Zugrichtung des Sturms.

    Die Gebiete entlang der südlichen US-Atlantikküste gleichen schon seit Mittwoch Geisterstädten. Fenster und Türen wurden verbarrikadiert, Läden und Supermärkte geschlossen, Hotels schickten ihre Gäste zurück. US-Medien verglichen Florence schon vor seiner Ankunft mit Wirbelstürmen wie Katrina, der 2005 Tod und Schrecken über die Südstaaten gebracht hatte.

    Der Sturm rückte politisch das Krisenmanagement von Trump in den Fokus. Dieses war nach dem Sturm Maria 2017 über Puerto Rico kritisiert worden, bei dem den örtlichen Behörden zufolge fast 3.000 Menschen starben. Trump schrieb auf Twitter , die Zahl sei von den Demokraten aufgebläht worden, um ihm zu schaden. Zunächst sei von sechs bis 18 Toten die Rede gewesen, "viel später" seien dann höhere Zahlen "wie 3.000" genannt worden. "Das wurde von dem Demokraten gemacht, um mich so schlecht wie möglich aussehen zu lassen", schrieb er, ohne einen Beleg zu liefern. Alle Toten seien auf die Liste gesetzt worden, selbst wenn sie an Altersschwäche gestorben seien. Die Bürgermeisterin von San Juan, Carmen Yulin Cruz, wies die Vorwürfe zurück. Sie beschrieb Trump auf Twitter als "von Wahn erfasst, paranoid und von jedem Realitätssinn entkoppelt". (APA, red, 14.9.2018)

    Wissen: Hurrikansaison

    Von Mai bis Ende November ziehen regelmäßig tropische Wirbelstürme durch die Region – oft mit verheerenden Folgen:

    Harvey traf im August 2017 auf die Ostküste des US-Staates Texas und setzte weite Landstriche unter Wasser, darunter die viertgrößte US-Stadt Houston. Dutzende Menschen starben. Schadensbilanz: 125 Milliarden Dollar (108 Milliarden Euro) – übertroffen nur von Hurrikan Katrina (2005).

    Matthew wütete im Herbst 2016 in den USA, 34 Menschen kamen ums Leben, die meisten in North Carolina. Drei Millionen Menschen mussten ihre Häuser verlassen. In der Karibik starben 585 Menschen, vor allem auf Haiti.

    Sandy wirbelte im Oktober 2012 die US-Ostküste entlang. Der Sturm, der zunächst die Karibik heimsuchte, hinterließ vor allem in den Staaten New York und New Jersey Verwüstung. In New York City standen ganze Stadtteile unter Wasser, insgesamt gab es 150 Todesopfer.

    Katrina wütete im August 2005 entlang der Golfküste, mehr als 1.800 Menschen kamen ums Leben. Besonders betroffen war New Orleans. Der Sturm führte zu der bisher teuersten Hurrikan-Katastrophe in den USA mit 160 Milliarden Dollar (138 Milliarden Euro) unter Berücksichtigung der Inflation. (APA, 12.9.2018)


    Nachlese:

    Bewohner an Südostküste der USA fliehen vor Monstersturm Florence

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