Bosnien-Herzegowina holt Österreich aus den Wolken

    11. September 2018, 22:55
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    Österreich enttäuscht zum Auftakt der Nations League in Zenica und muss sich mit 0:1 geschlagen geben

    Zenica – Zenica ist nicht unbedingt ein Sehnsuchtsort, viel Industrie, null Tourismus. Aber Bosnien-Herzegowina trägt hier die meisten Fußballspiele aus, die Kicker mögen das Stadion Bilino Polje, sie schätzen die dichte Atmosphäre. Wobei die Stimmung zunächst aus krächzenden Lautsprechern kam, eine Art Folter bis an die Grenze zum Gehörsturz. Österreich kam zu einem fast historischen Match angereist, das erste in der neuen Nations League, Leistungsstufe B (es gibt zudem A, C und D), Gruppe drei. Die Bosnier hatten bereits am vergangenen Samstag mit einem 2:1 in Belfast gegen Nordirland diesbezügliche Erfahrungen gemacht, was aber wurscht war.

    Teamchef Franco Foda nahm im Vergleich zum 2:0 im Test gegen Schweden zwei Änderungen vor, Valentin Lazaro ersetzte an der rechten Seite Alessandro Schöpf, Michael Gregoritsch erbte die Rolle des zentralen Stürmers von Guido Burgstaller. Foda blieb in seiner ersten Pflichtpartie bei der Dreierkette in der Abwehr, in der Offensive stand also ein 3-4-3-System nicht nur auf dem Papier. Ohne Ballbesitz wurde auf 5-3-2 umgestellt, um die Gastgeber zu verwirren. Kollege Robert Prosinecki wählte ein 4-3-3.

    Etwas besser

    Für den 29-jährigen Marko Arnautovic war es zwar kein das Leben radikal veränderndes, aber doch ein schönes Erlebnis, erstmals führte er die Mannschaft als Kapitän aufs Feld. 73 Mal ist das nicht der Fall gewesen. Aufgrund seiner serbischen Wurzeln wurde ein nicht unbedingt herzlicher Empfang befürchtet. Das Pfeifkonzert war bei seiner Namensnennung insofern ertragbar, als es gar nicht stattgefunden hat. Während der Partie hat sich das dann deutlich geändert, man soll die Menschen in und um Stadien weder unter- noch überschätzen.

    Die ersten zehn Minuten waren ein von Zweikämpfen geprägtes Abtasten, Österreichs Auswahl legte danach nicht gerade erdrückende Beweise vor, die fußballerisch etwas bessere Mannschaft zu sein. 12. Minute: Ein Weitschuss von Peter Zulj wird zu Ecke abgelenkt. 14. Minute: Arnautovic zieht ab, Goalie Ibrahim Sehic dreht den Ball über die Latte. Die Defensive stand kompakt, Sebastian Prödl hielt Topstar Edin Dzeko prinzipiell in Schach. Die Bosnier, bei denen Salzburgs Darko Todorovic rechts in der Vierkette verteidigte, lauerten auf Fehler der Österreicher. Die begingen zumindest keine gravierenden.

    Stärkeres Bosnien

    Generell war die erste Halbzeit zerfahren, durchschnittlich. Nach 25 Minuten riss der Faden völlig, die Bosnier wurden sogar leicht dominant, kreierten Halbchancen. Überhaupt nicht aufgefallen ist Gregoritsch. Und David Alaba hatte auch schon stärkere 45 Minuten in seiner Karriere.

    Nach der Pause erhöhten die Bosnier zunächst den Druck, Alaba rettete in höchster Not (56.). Die Österreicher wirkten eine Viertelstunde lang seltsam schläfrig. Es folgte dann eine ganz leichte Aufwachphase, ein Tor Lazaros wurde zurecht nicht anerkannt, Passgeber Alaba stand klar im Abseits, (69.). Marcel Sabitzer kam für Gregoritsch (72.). Es folgte der überhaupt nicht unverdiente Schock. 78. Minute: Dzeko trifft nach Zuspiel von Elvis Saric flach in die lange Ecke zum 1:0. Er war sein 54. Treffer für Bosnien. Foda nahm daraufhin Florian Grillitsch und Stefan Ilsanker raus, Burgstaller und Louis Schaub sollten es richten. Was sie trotz aller Bemühungen nicht taten. Die Nations League wird am 12. Oktober im Happel-Stadion gegen Nordirland fortgesetzt. (Christian Hackl, 11.9.2018)

    Fußball-Nations-League/Liga B/Gruppe 3 – 2. Spieltag:

    Bosnien-Herzegowina – Österreich 1:0 (0:0).
    Zenica, Stadion Bilino Polje, 10.000, SR Buquet (FRA)

    Tor: 1:0 (78.) Dzeko

    Bosnien: Sehic – Todorovic, Sunjic, Zukanovic, Civic – Besic, Saric, Pjanic (89. Krunic) – Visca (87. Zakaric), Dzeko, Duljevic (93. Bajic)

    Österreich: Lindner – Ilsanker (85. Schaub), Prödl, Hinteregger – Lainer, Grillitsch (81. Burgstaller), Zulj, Alaba – Lazaro, Gregoritsch (72. Sabitzer), Arnautovic

    Gelbe Karten: Todorovic bzw. Hinteregger, Lainer

    Stimmen:

    Franco Foda (ÖFB-Teamchef): "Wir haben sehr gut angefangen und das Spiel in den ersten 25 Minuten kontrolliert und dominiert. Wir hatten da auch gute Abschlussmöglichkeiten. Dann haben wir einfach das Spiel aus der Hand gegeben, ich weiß auch nicht, warum. Die Bosnier sind aggressiver geworden, haben uns unter Druck gesetzt, und wir konnten uns nicht mehr befreien und haben nur noch hohe Bälle gespielt. Wir haben es dann zur Pause korrigiert und das Spiel wieder im Griff gehabt. Aus dem Nichts sind wir dann aber in Rückstand geraten. In der Vorwärtsbewegung ein Ballverlust, es darf nicht sein, dass du auswärts ausgekontert wirst. Das Problem war auch die Passqualität und die Ballkontrolle. Wir waren nicht konsequent genug. Uns hat auch der letzte Pass und die Entschlossenheit vor dem Tor gefehlt."

    Marko Arnautovic (ÖFB-Kapitän): "Ich denke, dass wir kein gutes Spiel gezeigt haben, aber trotzdem die bessere Mannschaft waren. Es war ein schlechtes Spiel von beiden Seiten, wobei wir trotzdem mehr Chancen gehabt haben, das Spiel zu entschieden. Keiner hat sich einen Sieg verdient, ein Unentschieden wäre gerecht gewesen. Wir haben dumme Fehler gemacht und hatten Chancen, die wir machen hätten müssen. So ist Fußball, wir müssen damit leben. Wir haben das erste Spiel in der Nations League verloren, wir haben aber noch drei Spiele und können das noch ändern. Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass die Mannschaft dass noch umdreht und wir als Gruppensieger da rausgehen."

    Sebastian Prödl (ÖFB-Verteidiger): "Wir haben nicht viel von dem gemacht, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollten in den Zweikämpfen präsent sein, haben uns nach 20 Minuten aber die Schneid abkaufen lassen. Wir sind nach der Hälfte besser ins Spiel gekommen, haben aber klare Torchancen vermissen lassen. Die Bosnier auch. Dem Tor ging ein klares Handspiel voraus. Das war eine klassische 0:0-Partie, so verlieren wir 0:1. Jetzt sind wir vor der nächsten Partie unter Zugzwang. Das war kein optimaler Start. Die Enttäuschung ist groß. Wir können besser spielen. Wir müssen zu Hause zurückschlagen."

    Robert Prosinecki (Bosnien-Teamchef): "Es war ein sehr schweres Spiel, Österreich hat eine sehr gute Mannschaft. Wir haben gekämpft, waren echt gut. Meine Spieler haben alles gegeben, aber auch ein bisschen Glück gehabt, und dank eines Tors von unserem Weltklassespieler Dzeko haben wir gewonnen. Wir sind sehr zufrieden. Wir haben Österreich sehr gut analysiert. Es ist für uns ein ganz wichtiger Sieg. Wir haben gezeigt, dass wir Qualität haben."

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    Nachlese Liveticker: Österreich verliert in Bosnien 0:1

    • Ein Abend in Zenica.
      foto: apa/roland schlager

      Ein Abend in Zenica.

    • Auf dem Boden der Realität.
      foto: apa/roland schlager

      Auf dem Boden der Realität.

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