Neuer Fahrplan für Europäische Forschungs-Infrastrukturen vorgestellt

    12. September 2018, 09:00
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    ESFRI-Roadmap enthält Liste mit 18 Vorhaben. Österreich beteiligt sich an Projekt zur Langzeit-Ökosystemforschung.

    Wien – Der neue Fahrplan für europäische Forschungs-Infrastrukturen ist am Dienstag in Wien vorgestellt worden. Die "European Roadmap for Research Infrastructures" beinhaltet 18 Vorhaben – vom Neutrino-Teleskop bis zur Holocaust-Forschungsplattform. Realisiert werden sie, wenn sich genügend Länder für die Finanzierung finden. Österreich beteiligt sich fix an einem Projekt für Langzeit-Ökosystemforschung.

    Das "Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen" (ESFRI) startete 2006 mit der Planung von Großforschungseinrichtungen und Forschungsinfrastrukturen, deren Realisierung in den kommenden Jahren für den Forschungsstandort Europa von zentraler Bedeutung ist. Seither wurde die "Roadmap" immer wieder erneuert, die Ausgabe 2018 wurde nun bei einer Konferenz in Wien im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs präsentiert.

    20 Milliarden Euro investiert

    Die Umsetzung der Projekte erfolgt nicht auf EU-Ebene, sondern durch Beteiligung einzelner europäischer Länder. Bisher wurden bereits 37 Projekte realisiert und in Summe 20 Milliarden Euro dafür investiert, sagte Jean-David Malo von der EU-Kommission bei einer Pressekonferenz. "Das ist ein gutes Beispiel dafür, was wir erreichen können, wenn wir in Europa zusammenarbeiten." Prominente Beispiele auf der Liste bereits realisierter Infrastrukturen ist das in Bau befindliche Extremly Large Telescope (ELT) in Chile, die Sozialerhebung European Social Survey (ESS) oder eine Biobanken-Forschungsinfrastruktur, die von Graz aus koordiniert wird.

    Österreich sei an 38 internationalen Forschungs-Infrastrukturprojekten bzw. -organisationen beteiligt, betonte Barbara Weitgruber, Forschungs-Sektionschefin im Bildungsministerium, zwölf davon seien in der ESFRI-Roadmap enthalten. Einen Schwerpunkt würden dabei die Geisteswissenschaften bilden, wo Österreich an allen bestehenden Infrastruktur-Projekten aus der ESFRI-Liste teilnehme.

    Langzeit-Ökosystemforschung in Europa

    Unter den 18 Vorhaben im neuen Fahrplan sind sechs neu – darunter das Projekt "Long-Term Ecosystem Research in Europe" (eLTER). Um die Langzeit-Ökosystemforschung in Europa voranzutreiben, sollen in dem Projekt rund 200 bereits bestehende Messstationen zu High-Tech-Forschungsstationen ausgebaut werden. Für das Projekt, das federführend vom deutschen Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und dem österreichischen Umweltbundesamt (UBA) vorbereitet wurde, sind Aufbaukosten von 94 Millionen Euro und jährliche Betriebskosten von 35 Millionen Euro vorgesehen.

    Bei dem Projekt wird ein ganzheitlicher und systemischer Ansatz verfolgt, die Umwelt zu beobachten und zu analysieren. "Es reicht nicht, die Dinge einzeln nebeneinander zu beurteilen, sondern wir brauchen eine vernetzte Betrachtung", betonte Josef Plank, Generalsekretär im Umweltministerium. Von einzelnen kleinräumigen Untersuchungsflächen bis zu ganzen Landschaften sollen dabei biologische, geologische, hydrologische und sozial-ökologische Veränderungen beobachtet und Zusammenhänge erforscht werden. Erwartet würden auch wesentliche Erkenntnisse für die Risikobewertung globaler Umweltveränderungen.

    Eine der Anlagen für eLTER wird die UBA-Station Zöbelboden im Nationalpark Kalkalpen sein, wo bereits Luft- und Wasserqualität analysiert und Fragen zu Ökosystemen, Biodiversität, Klimawandelfolgen und zur Kohlenstoffsenke Wald untersucht werden. Aus Österreich sind neben dem UBA die Universitäten Wien, Graz und Innsbruck, die Universität für Bodenkultur, die Veterinärmedizinische Universität Wien und die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) beteiligt.

    Weitere Vorhaben werden geprüft

    An welchen weiteren Infrastruktur-Vorhaben sich Österreich beteiligen wird, ist laut Weitgruber noch offen. Es müsse hier geprüft werden, ob es tatsächlich kritische Masse im Land gebe, oder es sich um Einzelinteressen von Forschern handle, sagte Weitgruber. Im Bereich Lebenswissenschaften werde eine Beteiligung an Projekten zur Speicherung und Teilung von Forschungsdaten ("Elixir Europe") sowie zur Bildgebung ("Euro-BioImaging) überlegt. Im Bereich der Geisteswissenschaften arbeite man an einer Beteiligung an einem Projekt zum Kulturerbe ("E-RIHS") und auch für das neue Projekt einer "European Holocaust Research Infrastructure" (EHRI) sei man mit dem Wiesenthal-Institut für Holocaust-Studien und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) "gut aufgestellt". (APA, 12.9.2018)

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