Kleiner Wasserdrache droht unterzugehen

    15. September 2018, 17:00
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    Der Donau-Kammmolch gehört zu den gefährdetsten heimischen Amphibien. Seine Lebensräume in Aulandschaften trocknen immer weiter aus

    Rund 20 Amphibienarten – also Frösche, Kröten, Unken, Salamander und Molche – gibt es in Österreich, und sie alle leiden an der Zerstörung ihrer Lebensräume mit teilweise dramatischen Bestandsrückgängen. Eine der gefährdetsten Arten ist der Donau-Kammmolch, eine Kammmolchart, die nur noch im Nationalpark Donau-Auen, in den March-Thaya-Auen und im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel zu finden ist.

    In Österreich gibt es drei Kammmolcharten: den sozusagen gewöhnlichen Kammmolch (Triturus cristatus), den Alpenkammmolch (Triturus carnifex) und den Donau-Kammmolch (Triturus dobrogicus).

    Alle drei unterscheiden sich äußerlich nur wenig: Sie haben eine gelbe bis rote Unterseite mit dunklen Flecken und eine tiefschwarze Oberseite, die bei den Weibchen von einem helleren Rückenband unterbrochen sein kann. Zur Paarungszeit bilden die Männchen einen mächtigen gezackten Kamm aus. Mit einer Maximallänge von 13 Zentimeter ist der Donau-Kammmolch der Kleinste im Bunde.

    foto: grothensohn / nationalpark donau-auen
    Zur Paarungszeit bildet der Donau-Kammmolch mächtige Zacken aus. Um Weibchen zu verführen, machen die Männchen auch einmal einen Katzenbuckel oder einen Handstand.

    Turnen für die Fortpflanzung

    Im Frühjahr wandern die Männchen des Donau-Kammmolches aus ihren Winterquartieren in Bodenritzen, Kleintierhöhlen oder unter Holz in stehende Augewässer, wo sie sich nach paarungswilligen Weibchen umsehen. Zu dieser Zeit entwickeln sie ihren auffälligen Rückenkamm.

    Weibchen, die sich dem Balzplatz nähern, werden heftig umturnt: Das Männchen vollführt Katzenbuckel, macht Handstand und schlägt verführerisch mit dem Schwanz. Schließlich setzt es ein Samenpaket ab, das vom Weibchen in die Geschlechtsöffnung aufgenommen wird.

    Sorgfältige Eiablage

    Wenige Tage danach beginnt die Eiablage. Rund 200 Eier legt ein Weibchen im Laufe von ein bis drei Monaten, wobei es jedes Ei einzeln in ein Wasserpflanzenblatt wickelt. Nach circa zwei Wochen schlüpfen daraus die Larven, die sich im Lauf von zwei bis vier Monaten in die fertigen Jungmolche verwandeln.

    Mitte September verlassen sie mit drei bis fünf Zentimetern Länge das Laichgewässer – allerdings nur, wenn sie viel Glück haben: Der größte Teil der Larven erreicht dieses Stadium nie, sondern wird vorher von Fischen, Vögeln oder auch anderen Molcharten gefressen.

    Der eindrucksvolle Kamm ist Markenzeichen des maximal 13 Zentimeter langen Donaukammmolchs.

    Darüber, wie die Tiere an Land leben, weiß man wenig, außer dass sie nachtaktiv sind und ihre Tagesverstecke bevorzugt bei Regen verlassen. Dann können sie aber ordentlich ausschreiten: Zehn bis fünfzig Meter pro Nacht sind keine Seltenheit. Was ihre Ernährung betrifft, sind sie nicht heikel: Sie vertilgen Insektenlarven, Kleinkrebse, Schnecken, Würmer und Kaulquappen, aber auch Eier und Larven anderer Amphibien, auch anderer Molche.

    Wenn sie selbst in Gefahr sind, nehmen sie eine typische Schreckstellung mit eingerolltem Schwanz und zur Seite gekrümmtem Körper ein und sondern über die Haut giftige Sekrete ab.

    Der Donau-Kammmolch ist zwar der gefährdetste der drei Kammmolcharten, doch auch die Populationen der beiden anderen sind überall in Europa im Rückgang begriffen. Schuld daran ist vor allem der Verlust an geeigneten Lebensräumen.

    Verwaiste Donauufer

    Eine Erhebung im niederösterreichischen Teil des Nationalparks Donau-Auen im Vorjahr konnte Bestände des Donau-Kammmolches nur noch an neun Standorten nachweisen, die allesamt am linken Donauufer liegen. Am rechten Ufer, wo die Art in den 1980er- und 90er-Jahren noch zahlreich vorhanden war, fand sich kein einziges Exemplar mehr.

    "Die Ursache dafür liegt vor allem in der Eintiefung der Donau. Durch den sinkenden Wasserstand trocknen viele Laichgewässer aus", sagt Stefan Schneeweihs vom Nationalpark Donau-Auen "Zusätzlich waren die letzten Jahre sehr niederschlagsarm."

    Das Problem betrifft allerdings viele Arten: "Auch Sumpfschildkröte, Rotbauchunke, Laubfrosch und Knoblauchkröte stellen ganz ähnliche Ansprüche an ihren Lebensraum und sind daher genauso gefährdet", betont Schneeweihs.

    Fischfreie Gartenteiche

    Dass Laichgewässer verlanden, ist ganz normal und in einer dynamischen Aulandschaft kein Problem. Durch die Flussregulierungen gibt es aber zu wenige dynamische Bereiche, die sich wieder zu potenziellen Laichgewässern entwickeln können, und das bedeutet einen massiven Lebensraumverlust für diese Tiere.

    "Mehr Dynamik in der Flusslandschaft durch Renaturierungsprojekte und die Umkehr der Eintiefung der Donau sind daher wichtige Ziele des Nationalparks, die auch viele andere Arten sowie strömungsliebende Fische unterstützen", sagt Schneeweihs. Außerhalb des Nationalparks profitieren Amphibien von der Anlage naturnaher Gartenteiche. Diese müssen allerdings frei von Fischen sein – diese fressen sonst den Laich der Molche.(Susanne Strnadl, 15.9.2018)

    Zum Thema
    Die Sonderausstellung "Donau-Kammmolch – im Reich der gefährdeten Wasserdrachen" ist noch bis 1. 11. im Nationalparkzentrum in Schloss Orth zu sehen.

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