Ärzte sind dem (Impf-)Schutz verpflichtet

    Userkommentar11. September 2018, 12:41
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    In der Sendung "Talk im Hangar" behauptete ein Wiener Kinderarzt, Grippe und Masern seien kein Risiko, und stellte damit Schutzimpfungen infrage

    In der TV-Sendung "Talk im Hangar-7" vom 6. September wurde zum Thema "Brauchen wir eine Impfpflicht" diskutiert. Eingeladen war unter anderen der Wiener Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Reinhard Mitter. Während der Diskussion ließ er unter anderem mit den Aussagen "Röteln sind so gut wie kein Risiko" und "Es ist gesund, die Grippe zu bekommen, das wissen Sie!" aufhorchen.

    Diese Aussagen widersprechen entschieden den Regeln der ärztlichen Kunst und sind in der Lage, den Ruf der Ärztinnen und Ärzte in der Öffentlichkeit zu beschädigen. Wertigkeit und Sinnhaftigkeit von Schutzimpfungen sind in unzähligen wissenschaftlichen Untersuchungen belegt und stehen außer Diskussion. Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Geimpfte sind im Regelfall vor der entsprechenden Krankheit geschützt.

    Dem Schutz verpflichtet

    Als Ärztinnen und Ärzte sind wir dazu aufgerufen, alle Möglichkeiten zum Schutz von Kindern und Jugendlichen einzusetzen, dazu gehört vor allem auch die Impfprävention. Der österreichische Impfplan wird den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gemäß jährlich aktualisiert und ist als Richtlinie für das ärztliche Handeln und für das Erstellen von Empfehlungen an Patienten und Eltern anzusehen. Die von Mitter geäußerte Ansicht stellt lediglich seine Privatmeinung dar, die auf keinerlei wissenschaftlich begründbaren Erkenntnissen beruht. Mitter verfügt über keinerlei Ausbildung auf dem Fachgebiet des Impfwesens.

    Es ist eine ärztliche Verpflichtung, für einen ausreichenden Impfschutz der betreuten Personen zu sorgen und diese fachgerecht zu informieren. Dazu gehört, dass die Grundimmunisierung bei Säuglingen und Kleinkindern rechtzeitig begonnen, nicht unnötig verzögert und zeitgerecht abgeschlossen wird. Darüber hinaus ist es notwendig, den Impfschutz durch notwendige Auffrischungsimpfungen in jedem Lebensalter sicherzustellen. Ein Abraten von Impfungen ohne Kontraindikation durch Ärzte ist ein Verstoß gegen die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin. (Peter Voitl, 11.9.2018)

    Peter Voitl ist ärztlicher Leiter am Kindergesundheitszentrum Wien-Donaustadt und Bundesfachgruppenobmann für Kinder- und Jugendheilkunde. Zudem unterrichtet er an der Medizinischen Universität Wien und an der Sigmund-Freud-Universität.

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    • Ein Abraten von Impfungen ohne Kontraindikation durch Ärzte ist ein Verstoß gegen die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin.
      foto: reuters/brian snyder/

      Ein Abraten von Impfungen ohne Kontraindikation durch Ärzte ist ein Verstoß gegen die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin.

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