Thomas Raabs "Walter muss weg": Schock auf dem Friedhof

    12. September 2018, 10:09
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    Humor mit originellen Wortspielen kennzeichnet den Krimi in einem Dorf, dem die Landflucht zusetzt

    Die alte Hannelore Huber steht am Grab ihres Ehemannes Walter. Sehr betrübt ist sie nicht. Hat man doch Jahrzehnte lieblos aneinander vorbeigelebt, und Hanni malt sich nun ein Leben in Frieden und Ruhe aus. Aber Pech: Als der Sarg in die Grube poltert, zeigt sich, dass der örtliche Bestatter drinliegt. Wo ist Walter?

    Thomas Raab erzählt von einem kleinen Dorf, dem die Landflucht zusetzt. Jeder kennt jeden; alte Feindschaften und Freundschaften, Techtelmechtel im nahegelegenen Puff – das Übliche eben. Doch Raab hat einen eigenen Ton und geht in die Tiefe. Er nimmt sich Zeit, die Gegend zu schildern. Das zahlreiche Personal ist anfangs recht herausfordernd. Die zwei Polizisten spielen eine Nebenrolle; es lässt sich ganz gut auf der Hausbank ermitteln, zumal Hanni Zugang zum Tratsch und obendrein ein Fernglas hat.

    Schaurige Details werden zurückhaltend eingesetzt, stattdessen entwickelt Raab einen Humor mit originellen Wortspielen, aus denen sich harsche Lebensweisheiten ableiten lassen. Bei Raab geht Heimat und Krimi auch anders. (Ingeborg Sperl, 12.9.2018)

    Thomas Raab, "Walter muss weg". € 20,60 / 374 Seiten. Kiepenheuer-&-Witsch-Verlag, 2018

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    • Thomas Raab, "Walter muss weg". € 20,60 / 374 Seiten. Kiepenheuer-&-Witsch-Verlag, 2018
      foto: kiepenheuer & witsch

      Thomas Raab, "Walter muss weg". € 20,60 / 374 Seiten. Kiepenheuer-&-Witsch-Verlag, 2018

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