Unterirdisch mehr "Oe24": Vergleich mit Wiener Linien über Gratisboxen

    4. Oktober 2018, 08:15
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    Mediengruppe Österreich stritt ein Jahrzehnt vor Kartell- und Höchstgerichten gegen U-Bahn-Deal mit "Heute"

    Wien – Wolfgang Fellners Mediengruppe Österreich und seine Gratiszeitung "Oe24" macht – nach STANDARD-Infos – unterirdisch einen wesentlichen Punkt gegen Marktführerin "Heute": Fellner und die Wiener Linien sollen sich über Entnahmeboxen für "Oe24" in den Wiener U-Bahn-Stationen geeinigt haben – bisher ein Privileg des von Eva Dichand herausgegebenen "Heute".

    Mediengruppe Österreich und Wiener Linien sollen nach einem rund zehn Jahre dauernden Rechtsstreit vor Kartellgerichten einen Vergleich darüber ausgehandelt haben. Bestätigungen über den Vergleich stehen aus. Update: Ein Sprecher der Wiener Linien erklärte am Donnerstag auf STANDARD-Anfrage vom Vortag, sein Unternehmen könne aktuell zu dem Thema nicht Stellung nehmen. Eine Anfrage an die Mediengruppe Österreich von Mittwochabend blieb bisher unbeantwortet.

    "Ohne Gerichtsentscheidung beendet"

    Das millionenschwere Verfahren vor dem Oberlandesgericht Wien wurde jedenfalls ohne Gerichtsentscheid beendet, bestätigt ein Sprecher des Gerichts auf STANDARD-Anfrage. Ob mit einem Vergleich und in welcher Form, wollte der Sprecher nicht kommentieren; eine Vereinbarung zwischen Prozessparteien könne auch die Kommunikation darüber beinhalten, wie sie das Verfahren beendeten. Der Sprecher: "Das Verfahren war gerichtet auf die Abstellung eines behaupteten Kartellrechtsverstoßes (der Wiener Linien, Anmerkung). Antragstellerin war (juristisch gesehen) ein Privatunternehmen. Das Verfahren wurde ohne Gerichtsentscheidung beendet."

    Die Mediengruppe Österreich prozessierte seit gut einem Jahrzehnt in einem aufwändigen (und teuren) Wettbewerbsverfahren gegen die Wiener Linien und ihren Deal mit "Heute". "Oe24" drängt seit Gründung 2006 auf ähnlich viele Boxen in den Stationen wie "Heute"; die Wiener Linien blieben ihrem ersten Vertragspartner bisher treu. Fellner stellte seine Boxen – zunächst für "Österreich", seit Ende Juni nennt er die Gratisausgabe nun "Oe24" – möglichst vor die Stationen auf öffentlichen Grund. Standortnachteile versuchte die Mediengruppe zeitweise mit teurer händischer Verteilung wettzumachen.

    Zum Obersten Gerichtshof und zurück

    Das Wettbewerbsverfahren hat über die Jahre schon einige Richterinnen und Richter am zuständigen Oberlandesgericht beschäftigt, die Mediengruppe versuchte, die eine oder andere mit Vorwürfen der angeblichen Befangenheit abzulösen. Gutachten um Gutachten wurde eingeholt – etwa, ob die Wiener Linien eine marktbeherrschende Stellung haben. Ein (Berliner) Gutachter verneinte diese dominierende Position. Der Rechtsstreit ging auch schon bis zum Obersten Gerichtshof und wieder zurück in die erste Instanz.

    Im September 2018 stand offenbar eine weitere Verhandlung an. Kurz zuvor sollen die Streitparteien in einem Verhandlungsmarathon über ein Wochenende zu einem Vergleich gefunden haben. Wolfgang Fellner sprach schon im Dezember 2017 im STANDARD von einem bevorstehenden Vergleich. Der Amtsantritt des neuen, sehr boulevard-interessierten Wiener Bürgermeisters und bisherigen Wohnbaustadtrats Michael Ludwig könnte die Einigung beschleunigt haben. Könnte – zumal man sich hier auf höchst heiklem Terrain bewegt: Herausgeberin des bisher unterirdisch bevorzugten "Heute" ist Eva Dichand, die Frau von "Krone"-Herausgeber Christoph Dichand; ihr erbittertster Kontrahent ist eben Fellners "Österreich"/"Oe24". Fellner wurden auch schon – von ihm dementierte – Einstiegspläne bei der "Krone" nachgesagt.

    Wiens Werbebuchungen

    Wien ist (noch ohne seine werbefreudigen Betriebe wie die Wiener Linien) die öffentliche Institution mit den größten Werbeausgaben laut Medientransparenz-Meldungen. Die höchsten Werbevolumina gehen an die Gratiszeitungen "Heute" und "Österreich" sowie die "Krone".

    Den Vertrag mit den Wiener Linien über "Heute"-Boxen in den Stationen hat noch der damalige "Krone"-Chef Hans Dichand für die "Heute"-Vorgängerzeitung "U-Express" ausverhandelt. Dichands Herzensprojekt "U-Express" startete 2001 als Projekt des "Krone"-"Kurier"-Verlags Mediaprint und wurde von den mit Dichand zerstrittenen Mitgesellschaftern Raiffeisen und Funke-Gruppe 2004 eingestellt. Der Vertrag ging – wie große Teile der "U-Express"-Redaktion – 2004 auf "Heute" über, als der Pressesprecher des damaligen Wohnbaustadtrats und Dichand-Intimus Werner Faymann express nach der Einstellung eine neue U-Bahn-Zeitung gründete: Wolfgang Jansky, noch heute Geschäftsführer von "Heute" und Vorstand der Periodika Privatstiftung, die eine Mehrheit an der Zeitung hält. An "Heute" sind auch Herausgeberin Eva Dichand (über eine Stiftung) und der Schweizer Medienkonzern Tamedia beteiligt. Der Tamedia gehört die Mehrheit an "Heute.at". An dem Onlineportal sind Eva Dichand und Jansky persönlich Minderheitsgesellschafter. (fid, 4.10.2018)

    • Schon friedlich vereint am Wiener Karlsplatz: Entnahmeboxen von "Oe24" und "Heute" – allerdings auf öffentlichem Grund der Stadt Wien und nicht der Wiener Linien. Die Mediengruppe Österreich hat nach STANDARD-Infos mit den Wiener Linien eine Vereinbarung über "Oe24"-Boxen in den Stationen.
      foto: harald fidler

      Schon friedlich vereint am Wiener Karlsplatz: Entnahmeboxen von "Oe24" und "Heute" – allerdings auf öffentlichem Grund der Stadt Wien und nicht der Wiener Linien. Die Mediengruppe Österreich hat nach STANDARD-Infos mit den Wiener Linien eine Vereinbarung über "Oe24"-Boxen in den Stationen.

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