Stadionflucht aus Ultras-Furcht? DFB dementiert Spielverlegung

9. September 2018, 20:06
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DFB-Präsident Grindel widerspricht "nicht schönem" "Spiegel"-Bericht und verteidigt zudem Ticketpreise. Anstoßzeiten seien Sache der TV-Partner.

Sinsheim – DFB-Präsident Reinhard Grindel soll das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Peru aus Furcht vor möglichen Störungen durch Fans von Frankfurt/Main nach Sinsheim verlegt haben lassen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Der Deutsche Fußball-Bund und Grindel widersprachen der Meldung jedoch vehement.

Laut Spiegel sollte die Begegnung (20.45 Uhr/RTL) ursprünglich in der Commerzbank-Arena stattfinden. Grindel habe aber gegen diesen Austragungsort votiert, weil er Zwischenfälle wie Bengalo-Zündeleien der Ultras des Bundesligisten Eintracht Frankfurt gefürchtet habe. Vor dem Hintergrund der Vergabe der EM 2024 am 27. September, um die sich neben der Türkei auch der DFB bewirbt, habe Grindel so offenbar eine mögliche Imageschädigung verhindern wollen.

"Interne Diskussionen berechtigt"

Grindel betonte am Sonntag, dass der Standort Sinsheim auf einer Präsidiumssitzung festgelegt worden sei, "weil wir dort die Hoffnung gehabt haben, ein volles Stadion, eine gute Stimmung zu haben. Alles andere sind interne Diskussionen, die völlig berechtigt sind."

Die Entscheidung für Sinsheim habe "überhaupt nichts damit zu tun, dass es Vorbehalte gegen Eintracht Frankfurt gibt", ergänzte Grindel und stellte der Stadt am Main ein Qualifikationsspiel für die EM 2020 im kommenden Jahr in Aussicht: "Da wird alles schiedlich-friedlich ablaufen."

DFB-Vizepräsident Rainer Koch sagte bei Sky Sport News HD: "Das Länderspiel ist nie verlegt worden." Er verwies auf eine "grundsätzliche Reihenfolge, in der in etwa die großen Stadien in Deutschland zum Einsatz kommen". Das bislang letzte Länderspiel am DFB-Standort Frankfurt wurde am 4. September 2015 gegen Polen (3:1) in der EM-Qualifikation ausgetragen. Seitdem hatte die DFB-Elf 17 Heimspiele in 15 verschiedenen Städten. Berlin und München hatten je zwei Länderspiele.

Brisanter Mail-Verkehr

Der Spiegel verweist in seinem Bericht auf einen E-Mail-Wechsel zwischen Grindel und seinem Stellvertreter Koch. "Ich halte das Risiko, dass wir bei dem Länderspiel ein Desaster erleben und dies kurz vor der Euro-Vergabe negative Auswirkungen hat, einfach für zu hoch, weil für mich die Frankfurter Ultraszene viel zu unberechenbar ist", schrieb Grindel demnach Ende Februar.

Koch habe Grindel in seiner Antwort zunächst widersprochen – aus Furcht, es könne noch mehr Ärger geben, wenn der Öffentlichkeit bekannt werde, "dass wir Frankfurt abgelehnt haben, obwohl Frankfurt jetzt in der Abfolge der Länderspielstandorte klar an der Reihe ist".

Grindel fand es "nicht schön", dass der Spiegel aus dem internen Mailverkehr vor der Präsidiumssitzung zitiert habe, "aber es ist auch nichts Dramatisches". Koch sprach von "strafbarem Verhalten".

Ticketpreise und Anstoßzeiten diskussionswürdig

Außerdem hat Grindel die Kritik an überhöhten Ticketpreisen und zu späten Anstoßzeiten bei Länderspielen erneut zurückgewiesen. "Die Kartenpreise sind schon vor der WM festgelegt worden. Wir haben immer für Gruppen Angebote. Wir haben immer für Jugendliche und Kinder Angebote."

Für 2019 äußerte Grindel den Wunsch an die Verwaltung, "dass wir uns sehr genau anschauen, wo sind attraktive Spiele, wo wir auch das Interesse unseres Schatzmeisters im Blick haben müssen. Aber wo vielleicht auch das ein oder andere Spiel ist, wo wir gerade für Familien gute Angebote machen können".

In Sachen Anstoßzeiten setzt der DFB-Boss auf die Mithilfe der übertragenden Sender. "Wir können nur darum bitten, mit den Anstoßzeiten weiter nach vorne zu gehen. Letztendlich entscheiden die Fernsehanstalten. Unsere Möglichkeiten sind da begrenzt. Uns sind da durch die UEFA und die Fernsehanstalten die Hände etwas gebunden", sagte Grindel. (sid, 9.9.2018)

  • Reinhard Grindel muss sich momentan beinahe wöchentlich verteidigen.
    foto: imago/hartenfelser

    Reinhard Grindel muss sich momentan beinahe wöchentlich verteidigen.

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