Barack Obama: "Jammert nicht – wählt"

    Video9. September 2018, 18:12
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    Der Ex-Präsident meldet sich auf der politischen Bühne zurück und fordert die US-Bürger eindringlich auf, im November wählen zu gehen. Auszüge aus der Rede, die Obama am Freitag an der Universität von Illinois gehalten hat

    "Ich bin hier, um eine simple Botschaft zu überbringen: Ihr müsst wählen, weil unsere Demokratie davon abhängt."

    "Wenn ihr hört, wie gut die Wirtschaft derzeit läuft, erinnert euch, wann dieser Aufschwung begonnen hat. (...) Die Beschäftigtenzahlen sind die gleichen wie 2015 und 2016."

    "Die Politik der Spaltung, des Ressentiments und der Paranoia haben leider in der Republikanischen Partei ein Zuhause gefunden. (...) Das ist nicht konservativ. Es ist sicher nicht normal. Es ist radikal."

    cbs news
    Die vollständige Rede des Ex-Präsidenten Barack Obama an der Universität von Illinois.

    "Das einzige Land, das aus dem Klimavertrag aussteigt – es ist nicht Nordkorea, es ist nicht Syrien, es ist nicht Russland oder Saudi-Arabien. Es sind wir. Das einzige Land. Es gibt so viele Länder auf der Welt. Wir sind die einzigen."

    "Was ist mit der Republikanischen Partei passiert? Ihr zentrales außenpolitisches Prinzip war der Kampf gegen den Kommunismus, jetzt schmeicheln sie sich beim ehemaligen KGB-Offizier ein, blockieren Gesetze, die unsere Wahlen vor russischen Angriffen schützen würden."

    Gefährliche Zeiten

    "Die Behauptung, dass alles gut wird, weil es Leute im Inneren des Weißen Hauses gibt, die heimlich den Anweisungen des Präsidenten nicht folgen – das ist keine Kontrolle. Das ist nicht, wie unsere Demokratie funktionieren soll. Diese Menschen sind nicht gewählt. Sie können nicht zur Verantwortung gezogen werden. Sie erweisen uns keinen Dienst, indem sie 90 Prozent des verrückten Zeugs vorantreiben, das aus diesem Weißen Haus kommt, und dann sagen: 'Keine Sorge, wir verhindern die anderen zehn Prozent.' So sollten die Dinge nicht funktionieren. Das ist nicht normal. Das sind außergewöhnliche Zeiten. Und es sind gefährliche Zeiten. Aber hier sind die guten Nachrichten: In zwei Monaten haben wir die Chance – nicht die Sicherheit, aber die Chance -, einen Hauch von Vernunft wiederherzustellen. Denn es gibt eigentlich nur ein Hindernis für schlechte Politik und Machtmissbrauch, und das seid ihr. Ihr und eure Stimme."

    foto: reuters/mike blake
    Für Barack Obama ist Gleichgültigkeit die größte Bedrohung für die Demokratie. Bei den Zwischenwahlen im November gäbe es "die Chance, einen Hauch von Vernunft wiederherzustellen".

    "Selbst wenn ihr nicht mit mir oder den Demokraten übereinstimmt, selbst wenn ihr an libertäre Wirtschaftstheorien glaubt, selbst wenn ihr evangelikal seid und euch unsere Position bei sozialen Themen zu weit geht, selbst wenn ihr meine Einschätzung von Migration für falsch haltet und Demokraten für nicht streng genug in der Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen, sollte euch unser derzeitiger Kurs trotzdem beunruhigen. Ihr solltet trotzdem eine Wiederherstellung von Ehrlichkeit, Anstand und Rechtmäßigkeit in unserer Regierung sehen wollen."

    Fox News

    "Ich habe mich oft über Fox News beschwert – aber niemals habt ihr von mir gehört, dass ich drohe, sie zu schließen, oder sie 'Feinde des Volkes' nenne."

    "Wir sollten gegen Diskriminierung auftreten. Und wir sollten verdammt noch mal klar und deutlich gegen Nazi-Symathisanten auftreten. Wie schwer kann das sein? Zu sagen, dass Nazis schlecht sind."

    "Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen."

    "Ihr könnt euch nicht ausklinken, weil dieser oder jener Kandidat nicht ausreichend überzeugt. Das ist kein Rockkonzert, das ist nicht Coachella. Ihr braucht keinen Messias. Alles was wir brauchen, sind anständige, ehrliche, hart arbeitende Menschen, die Verantwortung übernehmen – und die für Amerika das Beste wollen."

    Donald Trump

    "Letztendlich kommt die Bedrohung für unsere Demokratie nicht nur von Donald Trump oder der aktuellen Besetzung der Republikaner im Kongress oder den Koch-Brüdern und ihren Lobbyisten oder zu vielen Kompromissen von Demokraten oder russischem Hacking. Die größte Bedrohung für unsere Demokratie ist Gleichgültigkeit."

    "Solltet ihr gedacht haben, dass Wahlen keine Rolle spielen, dann hoffe ich, dass die beiden vergangenen Jahre diesen Eindruck korrigiert haben."

    "Wenn euch also nicht gefällt, was gerade passiert – und das sollte es nicht -, beschwert euch nicht. Nutzt keinen Hashtag. Werdet nicht ängstlich. Zieht euch nicht zurück. Steigert euch nicht in Extreme hinein. Verliert euch nicht in ironischer Distanz. Steckt euren Kopf nicht in den Sand. Jammert nicht. Wählt." (Barack Obama, 9.9.2018)

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