Niessl tritt am 28. Februar als Landeschef im Burgenland ab

    8. September 2018, 14:29
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    Ex-Verteidigungsminister Doskozil mit 98,4 Prozent zum neuen Vorsitzenden gewählt

    In der Oberwarter Informhalle – dort, wo ansonsten die großen Messen stattfinden – hat am Samstag die SPÖ des Burgenlandes zum Parteitag gerufen. Es war, wie mehrmals betont wurde, der größte in der pannonischen Parteigeschichte. Bedeutsames stand auch an. 335 Delegierte hatten vor 1600 Gastdelegierten und insgesamt mehr als 2000 Menschen einen neuen Parteichef zu wählen.

    Seit langem schon war klar, wen der scheidende Chef, Hans Niessl, sich als Nachfolger wünscht. Die Delegierten pflichteten dem Wunsch zu 98,4 Prozent bei. Hans Peter Doskozil wird also neuer burgenländischer SPÖ-Vorsitzender.

    Und am 28. Februar 2019 übernimmt er in einer Sondersitzung des Landtages auch den Sessel des Landeshauptmannes, den er vor 18 Jahren in einem turbulenten, vorgezogenen, vom Crash der Landesbank überschatteten Wahlkampf eingenommen hatte.

    Abschiedstrubel

    Es lag also ein wenig Wehmut über dieser Versammlung, auch wenn der Abschiednehmer nichts wissen wollte von "Wehmut oder gar Melancholie". Aber es gab eh auch viel Zuversicht. Viel war von Generationswechsel die Rede. Von Abschied. Und von Ärmelaufkrempeln. Und bevor das ganze dann zu sehr ins Sentimentale gerutscht wäre, wich die Regie dann dramaturgisch geschickt ins Ballesterische.

    Immerhin ist das Burgenland – ÖFB-Teamsponsor seit gewissermaßen ewigen Zeiten – unter Hans Niessl ein violettes Refugium gewesen; Niessl, ein gelernter Fußballtrainer, ist glühender Austrianer. Hans Peter Doskozil, ganz im Gegenteil, ein Rapidler. Es ging also auch viel um Wien. Und mit Wien auch ums sozialdemokratische Ganze, welches zuletzt ja durch so manch pannonische Volte ein wenig zerrüttet schien.

    Der neue burgenländische Parteichef stellte aber jedenfalls diesbezüglich klar: "Christian Kern ist der Spitzenmann der Sozialdemokratie und wird das auch bleiben." Aber Doskozil erklärte auch, dass die Sozialdemokratie "nicht wie die anderen Parteien ist, keine Einheitspartei". So manche Strömungen seien unter einen Hut zu bringen, es gelte da, Brücken zu bauen. "Aber wir müssen auch zulassen, dass Brücken gebaut werden."

    Versöhnungsparteitag

    Christian Kern war da; Peter Kaiser, der Kollege aus Kärnten; Michael Ludwig, der Wiener Bürgermeister. Michael Häupl war als regelmäßiger Wochenendburgenländer da und als Austrianer. Und er beschrieb anhand seiner Beziehung zu Hans Niessl dieses Brückenbauen. "Natürlich waren wir nicht immer einer Meinung. Aber Freundschaft bewährt sich in der Frage, wie man Konflikte löst." Es war also ein bisserl auch ein Versöhnungsparteitag mit der oft bockigen pannonischen Partei. Christian Kern sah in der bummvollen Inform-Halle gar "eine Demonstartion der Einigkeit".

    Hans Peter Doskozil betonte in seiner Parteichef-Jungfernrede denn auch ausdrücklich die Bedeutung des von Christian Kern ins Spiel gebrachten Umwelt- und Klimaschutzes für die sozialdemokratische Politik. "Wir werden da im Burgenland konkrete Maßnahmen setzen." Eine davon: der Landwirtschaftskammer werden Landesmittel gekürzt, die fließen dann zweckgebunden in die Biolandwirtschaft. Insgesamt wolle man im Burgenland "ein glaubwürdiges Gegenmodell zum Bund sein". Wo man das könne, "wollen wir deutlich machen, was sozialdemokratische Politik bedeutet".

    Hans Niessl – der am 14. Oktober 2000 in Oberwart zum neuen Parteichef gewählt worden ist – blickte in seiner Rede zurück auf seine vier Landehauptmann-Perioden, in denen das Burgenland sich fraglos zum Positiven entwickelt hat. Immer wieder habe er den Vorwurf gehört, "ihr seid ja alle Pragmatiker." Und denen erwidere er sehr gerne: "Ja, wir sind Pragmatiker! Wir tun, was wir sagen. Und wir sagen, was wie dann auch tun."

    Auch der Nachfolger ticke diesbezüglich burgenländisch: "Du stehst für diesen Weg!" Aber nicht in des Hans Niessl Schuhen, "jeder ist eine eigene Persönlichkeit".

    Absolute in Sicht

    Aber den anderen werde auch oder gerade vom Neuen der Marsch geblasen. "Ich trau’s mir gar nicht zu sagen, aber ich glaube, wir kommen bei der nächsten Landtagswahl in die Nähe der Absoluten".

    Hans Peter Doskozil sagte unter großem Applaus: "Wir brauchen in der Politik ein gewisses Maß an Demut!"

    Dazwischen marschierte die Jugend-Trachtenkapelle Frauenkirchen, wo Hans Niessl 13 Jahre Bürgermeister gewesen ist, in die Halle. Sie spielten den flotten Hans-Niessl-Marsch.

    Auf Antrag des Neuen wurde der Alte per Akklamation zum Ehrenvorsitzenden gekört. Als Dank überreichte der Violette dem Neuen dann eine riesige Rapidfahne. Mit der wird er dann am 28. Februar ins bisher violette Büro einziehen. (Wolfgang Weisgram, 8.9.2018)

    • Nach 18 Jahren tritt Hans Niessl ab.
      foto: apa

      Nach 18 Jahren tritt Hans Niessl ab.

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