Geld zum Anfassen: Womit einst bezahlt wurde

    8. September 2018, 10:00
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    Die Notenbank widmet eine Dauerausstellung dem Thema Geld. Münzen und Geldscheine sind nur zwei Bezahlmöglichkeiten von vielen

    Nur das Währungsproblem hat mehr Menschen um den Verstand gebracht als die Liebe", warnte einst der Wirtschaftswissenschafter Paul A. Samuelson (1915-2009). 1970 wurde ihm als erstem Amerikaner der Wirtschaftsnobelpreis verliehen. Am Dienstagabend sprach auch der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, notabene bei der Eröffnung der neuen Dauerausstellung in der Notenbank Das Geld, dass ebendieses ein heikles sei.

    Also zitierte der studierte Ökonom Nowotny den britischen Wirtschaftswissenschafter John Maynard Keynes (1883-1946), der sinngemäß sagte: Es gebe nur zwei Dinge, die den Menschen um den Verstand brächten: das Nachdenken über die Liebe und das Nachdenken über das Geld. Wobei Ersteres sicher leichter sei. Die OeNB hat anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums des hauseigenen Geldmuseums eine neue Dauerausstellung eröffnet, die sich umfassend mit dem Thema Geld befasst: vom Tauschhandel bis zur Finanzbildung. Ziel sei es, über Geld, Währung und Wirtschaft zeitgemäß zu informieren. In der Ausstellung geht es quasi von den historischen Kaurischnecken bis zu aktuellen Kryptowährungen.

    Von Kakao und Tulpen

    Es geht auch darum, warum Kakaobohnen einst mit Silber aufgewogen wurden und Tulpenzwiebeln den Unterschied zwischen Arm und Reich bedeuten konnten. Die Kaurischnecken wurden einst auf Bastfäden gezogen und als Geldschnüre gehandelt. Sie wurden um 1700 von den Holländern und Briten nach Westafrika verschifft – und haben dort eine Hyperinflation ausgelöst.

    Geld sei "ein Spiegelbild der Gesellschaft", und die Kunst der Notenbank sei es, "Geld in seiner Funktion zu sichern", also weder Inflation noch Deflation zu ermöglichen, erläuterte Nowotny. Um gleich darauf Johann Nestroy zu zitieren, der sagte: "Die Phönizier haben das Geld erfunden – aber warum so wenig?"

    Das Geldmuseum der Notenbank habe sich bisher jedenfalls sehr bewährt; es habe zum einen einen pädagogischen Auftrag (für Schülergruppen und Lehrerseminare) und zum anderen einen als Museum im klassischen Sinn. Mittlerweile verfügen fast alle Notenbanken über Museen. Vorbild für die OeNB waren jene der Bank of England oder der Deutschen Bundesbank – beide sind freilich deutlich umfangreicher als das heimische.

    Die OeNB geht den Weg der dezentralen Geldvermittlung – neben dem Museum versuche man Geldvermittlung auch mit dem Autobus in die Bundesländer zu bringen, so Nowotny. Schließlich gehe es darum, vor allem auch bei Kindern, Jugendlichen und Schulklassen ein Grundverständnis von Geld zu erzeugen. Das Geldmuseum ist auch die "Visitenkarten der OeNB, die zeigen soll, dass wir uns nicht im technokratischen Turm verschanzen", so Nowotny (74), dem nächstes Jahr der FPÖ-nahe frühere Weltbank-Direktor Robert Holzmann (69) nachfolgen soll. Das OeNB-Museum ist bei freiem Eintritt von Dienstag bis Freitag geöffnet. Zuletzt zählte man 12.000 Besucher jährlich und 300 Führungen. (Claudia Ruff, 8.9.2018)

    • Auch dieser 12,5 Kilogramm schwere Goldbarren im Wert von rund 400.000 Euro kann im Museum angefasst werden.
      foto: oenb

      Auch dieser 12,5 Kilogramm schwere Goldbarren im Wert von rund 400.000 Euro kann im Museum angefasst werden.

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