Immer mehr Fahrverbote in europäischen Städten

6. September 2018, 17:14
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In zahlreichen Städten werden Fahrverbote für Diesel-Pkws eingeführt. Sie drücken die Preise von Dieseln

Nach Hamburg, Aachen und Stuttgart soll nun auch in Frankfurt ein Dieselfahrverbot eingeführt werden. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat so entschieden. Ab Februar 2019 dürfen Selbstzünder mit Euro 4-Norm abwärts nicht mehr ins Stadtzentrum, auch Benziner der Euro-1- und Euro-2-Norm mit Erstzulassung 1997 oder älter werden verbannt. Ab September des kommenden Jahres werden zusätzlich Euro-5-Modelle mit Dieselantrieb verboten.

Deutschland prescht bei Fahrverboten vor

Seit das Bundesverwaltungsgericht Leipzig sein Urteil im Februar gefällt hat, wettert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gegen Dieselfahrzeuge in Großstädten. Für Stuttgart ist ab Anfang 2019 schon ein Fahrverbot im ganzen Stadtgebiet beschlossen, in Hamburg gibt es bereits eine Restriktion, allerdings nur eine partielle. In Düsseldorf ist das geplante Verbot im Moment noch am Schwanken.

In zahlreichen anderen Städten wird ein Verbot vorangetrieben. Größtenteils gehe die Luftverschmutzung aufgrund zu hoher Stickoxidbelastung zwar zurück, jedoch misst das deutsche Umweltbundesamt (UBA) in rund 70 Kommunen noch immer zu hohe Werte.

Fahrverbote in ganz Europa

Umweltzonen wie die in Deutschland gibt es bereits in zahlreichen europäischen Großstädten – entweder ganztags oder temporär ist das Befahren der Innenstadt in Paris, Barcelona, Brüssel und Lissabon nur mit entsprechender Plakette möglich. In einigen Städten wird außerdem eine wie auch für Wien seit langem diskutierte Citymaut einkassiert. Unter anderem in London, Mailand, Oslo und Stockholm muss für die Einfahrt eine Maut bezahlt werden.

Auch beim Nachbarn in Südtirol herrscht dicke Luft. Ab 2019 soll es in Bozen ein partielles Fahrverbot geben. In den Hauptverkehrszeiten an Werktagen zwischen 7 und 10 Uhr sowie zwischen 16 und 19 Uhr soll Pkws bis zur Euroklasse 3 die Einfahrt verwehrt werden. Allerdings muss der Beschluss noch überprüft und vom Land abgesegnet werden.

Österreich bleibt vorerst verschont

In Österreich wird die Einhaltung der von der EU vorgeschriebenen Grenzwerte für Stickoxid durch das Bundesgesetz "Immissionsschutzgesetz Luft" geregelt. Dadurch obliegt die Einrichtung von Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Fahrverboten den Ländern – und nicht wie in Deutschland den Städten und Gemeinden. Hierzulande ist vorerst keine Änderung in Sicht. Gerüchte über ein Fahrverbot in Graz würgte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) bereits ab. 2012 hatten sich die Grazer bei einer Bürgerbefragung zu fast 70 Prozent gegen Umweltzonen ausgesprochen. Auch eine Citymaut in Wien wird immer unwahrscheinlicher.

Für Österreich seien Fahrverbote nicht vorrangig, aber andere Maßnahmen dringend geboten, meint Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich. Dazu gehöre, dass Diesel-Pkws auf Kosten der Hersteller mit einer funktionierenden Abgasreinigung nachgerüstet werden. Ebenso rasch könnte die Minderbesteuerung von Dieselkraftstoff ("Diesel-Privileg") aufgehoben werden, was den Dieselboom in Österreich erst befördert habe. Und drittens sollten die Stadt-Umland-Verbindungen rascher als geplant ausgebaut werden, sagte Gratzer dem STANDARD.

Verbote verschrecken Kunden

Der Unmut gegenüber Dieselfahrzeugen macht auch den Händlern zu schaffen – Kunden sind zunehmend zurückhaltend beim Kauf und verunsichert über die Zukunft des Dieselantriebs. Der Preisverfall von Selbstzündern in Deutschland treibt auch in Österreich die Preise in den Keller. Vor allem Gebrauchtwagenhändler klagen über sinkende Preise.

Laut Fahrzeugdienstleister Eurotax verfallen die Preise für Pkws mit Dieselmotoren seit Beginn des VW-Skandals im Herbst 2015. Der Wiederverkaufswert von Dieselautos mit Erstzulassungsjahr zwischen 2013 und 2015 sei seither um rund 7,5 Prozent gesunken. Der von Benzinern um rund 2,2 Prozent. Zum größten Wertverlust sei es im August 2017 nach dem Beginn der Diskussionen über Fahrverbote in Deutschland gekommen, fast die Hälfte des Wertes sei seitdem verloren gegangen.

Deutlich weniger Neuzulassungen

Es werden nicht nur weniger Pkws verkauft, sondern auch weniger zugelassen. Laut einer Auswertung der Statistik Austria ist die Zahl der Neuzulassungen von Diesel-Pkws im Zeitraum Jänner bis Juli im Vergleich zum Vorjahr um 14,4 Prozent gesunken. Im Gegensatz dazu sind um fast 20 Prozent mehr Benziner neu zugelassen worden. Insgesamt machten Dieselfahrzeuge noch rund die Hälfte aller neu zugelassenen Pkws aus. (Muhammed Özdemir, 6.9.2018)

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