Rätsel um erkrankte US-Diplomaten auf Kuba dürfte gelöst sein

    4. September 2018, 06:00
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    Neue Studie kommt zum Schluss, dass die Symptome mit gepulsten Radio- oder Mikrowellen erklärbar sind. Woher diese kamen, ist aber unklar

    San Diego/Wien – Die Vorfälle 2016 sorgten vor zwei Jahren für einige Verstimmung und Rätselraten: 2016 mussten mehr als zwei Dutzend US-Diplomaten wegen rätselhafter Krankheitssymptome aus Havanna ausgeflogen werden, 2018 kam es in China zu einem ähnlichen Zwischenfall: Die Betroffenen hörten Phantomgeräusche und fühlten sich schlecht. Einige sollen sogar ihr Gehör verloren haben.

    Die Betroffenen, die in den USA medizinisch eingehend untersucht wurden, zeigten noch weitere Symptome, zu denen auch Nasenbluten, Sprachstörungen und Hirnschwellungen gehörten. Die eingesetzte Untersuchungskommission kam damals freilich zu keinem eindeutigen Ergebnis.

    Das liefert nun die Medizinerin Beatrice Colomb (Uni von Kalifornien in San Diego) in einer Studie, die demnächst im Fachblatt "Neural Computation" erscheinen wird. Colomb hatte die Effekte von gepulsten Radio- und Mikrowellen untersucht und Übereinstimmungen bei den Symptomen der Diplomaten entdeckt. Diese Wirkungen von Mikrowellen sind seit 1961 als sogenannter Frey-Effekt bekannt, benannt nach dem US-Neurologen Allan H. Frey. Der Effekt wurde in den 1960er Jahren unter anderem bei militärischen Radaranlagen dokumentiert.

    Erklärte Phantomgeräusche

    Vor allem das Hören von klickenden, summenden oder zirpenden Geräuschen, von denen die US-Diplomaten berichtet hatten, sei auf gepulste Strahlung im Bereich von 2,4 bis 10.000 Megahertz zurückführbar. Solche Phantomgeräusche entstehen, wenn die Strahlungspulse das Gehör aufheizen und schallähnliche Reize auslösen.

    Warum nur ein Teil der Belegschaft betroffen war, erklärt Golomb damit, dass es für das Ausbilden der Symptome gewisse Dispositionen geben müsse. Die Medizinerin zog in dem Zusammenhang einen Vergleich mit Personen, die auf Erdnüsse allergisch seien: "Die meisten Menschen können Erdnüsse problemlos konsumieren; bei Allergikern kann es lebensbedrohend sein."

    Für Golomb ist damit das Rätsel um die mysteriöse Diplomaten-Krankheit gelöst. Wie und mit welcher "Waffe" diese Angriffe durchgeführt wurden, ist freilich weiter unklar. Diese Fragen versuchen nun die Geheimdienste der USA zu beantworten. (tasch, 3.9.2018)

    • Eingang zur US-Botschaft in Havanna.  Unliebsame Personen kommen hier zwar eher nicht durch, wohl aber gepulste Mikrowellen.
      reuters

      Eingang zur US-Botschaft in Havanna. Unliebsame Personen kommen hier zwar eher nicht durch, wohl aber gepulste Mikrowellen.

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