"Hitman 2" angespielt: Es gibt viele Wege, um gestorben zu werden

    8. September 2018, 11:00
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    "Agent 47" bekommt im nächsten Teil der Reihe wieder viele Freiheiten, um seine Ziele ins Jenseits zu befördern

    Die Rückkehr etablierter Spielereihen vergangener Jahrzehnte geht munter weiter. In Hitman: Codename 47 ging einst der im Labor geschaffene Assassine mit Glatzkopf auf die Jagd nach seinen Opfern. Auf fünf Teile brachte man es bis 2012, als die Reihe mit Absolution vorläufig ihr Ende fand.

    Seit 2016 befindet sich der Auftragskiller nun auf einer Comeback-Tour. Unter dem Motto "World of Assassination" geht diese nun in eine zweite Reihe. Das im Vorfeld der E3 angekündigte Hitman 2 hatte Publisher Warner Bros. auch zur Gamescom mitgebracht. Der GameStandard rückte zur Killermission aus.

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    "Agent 47" ist wieder unterwegs.

    Auf der Jagd nach Vater und Tochter

    Die Geschichte des Spiels dreht sich weiterhin um die Vergangenheit von "Agent 47", den auch immer noch einen eintätowierten Strichcode im Genick ziert, die ihn befehligende Organisation "Providence" und den mysteriösen "Shadow Client". Genaueres war vor Ort nicht heraus zu finden, was aber zumindest das Spoiler-Risiko minimiert.

    In der anspielbaren Mission landet man in Miami. Beim "Innovation Race" sollen dort verschiedene Autohersteller in einem Wettrennen gegeneinander antreten. Mit dabei auch der Techmogul Robert Knox und seine Tochter Sierra. Ersterer hat einen wichtigen Auto-Prototypen mitgebracht. Zweitere tritt wiederum beim Rennen an. Beide haben sich von "Providence" offenbar losgesagt und sollen sich daher die Radieschen von unten ansehen.

    In einer teilweise sehr lebendig, teilweise wiederum etwas gestellt wirkenden Umgebung gilt es nun, nach Möglichkeiten zu suchen, dieses Ziel zu erfüllen. Waffen liegen in einem Lieferwagen bereit, müssen aber nicht zwingend zum Einsatz gebracht werden. Beide zu erschießen soll eine von vielen Möglichkeiten darstellen. Es geht aber auch deutlich unauffälliger.

    Viele Möglichkeiten

    Man kennt es von der Mafia. Wenn jemand nicht spurt, dann passiert schon einmal ein "Unfall". So auch bei der im Kurztest gewählten Herangehensweise. Um zu Entdecken, welche Optionen überhaupt offen stehen, lohnt es sich, sich umzuhören. So lernt man aus dem Gespräch zweier Mechaniker etwa, dass es Probleme mit der Regelung des Gasdrucks für die pyrotechnischen Effekte am Siegerpodest gibt. Die Erkenntnis: Hier etwas nachzuhelfen, böte sich für eine verdeckte Beseitigung an. Eine Lösung, die aber voraussetzt, dass Sierra Knox auch als erste Teilnehmerin über die Ziellinie kommt.

    Und so begibt man sich auf Schleichmission in nur für Personal zugängliche Bereich. Um sich die Sache zu erleichtern, kann man auch unauffällig einen Mechaniker ganz ausschalten oder in die Bewusstlosigkeit würgen, ums sich ein Outfit zu beschaffen. Das sollte freilich unauffällig geschehen und das Opfer in einer Kiste oder einem verborgenen Winkel deponiert werden.

    "Unfälle"

    Die Techniker-Montur alleine reicht aber zur Tarnung nicht immer aus. Denn manche Arbeiter kennen einige ihrer Kollegen und werden misstrauisch, wenn ein völlig neues Gesicht zu nah an ihnen vorbei spaziert. Mit gutem Timing muss man also das richtige Werkzeug sammeln, die Gasleitung manipulieren und anschließend auch den Rennlotsen mimen, damit der führende Fahrer disqualifiziert und Sierra Knox zur Siegerin gekürt wird Die Milliardärstochter findet daraufhin bei der Ehrung ihr Ende.

    Vater Robert hingegen ist ganz erpicht auf seinen brandneuen Prototypen und verlangt von seinen Mitarbeitern, bei jeglichen Problemen sofort herbeigerufen zu werden. Auch hier bietet sich gefinkelte Manipulation an. Ein explodierender Motor beim eigenhändigen Reparaturversuch des Moguls ermöglicht schließlich das Abhaken der Checkliste. Zum Beenden der Mission musste schließlich noch das Areal verlassen werden. Auch hier konnten mehrere Wege beschritten werden. Am Ende wurde es – stilgerecht für einen Agenten – eine Flucht per Motorboot.

    Gute Inszenierung, lückenhaftes Drama

    Was neben der grafischen Inszenierung gefällt ist, dass Hitman 2 versucht, dem Spieler sanft eine Optionen aufzuzeigen, ohne ihn an der Hand Richtung Ziel zu zerren. Aufmerksames Spielen ist dennoch notwendig, denn wer einfach unbedarft drauf los läuft, kriegt schnell bewaffnete Gesellschaft. Die Möglichkeit, seine Ziele auf verschiedenste Weisen zu erreichen und den Weg dorthin relativ frei beschreiten zu können, erschien ebenfalls als starker Punkt.

    Allerdings wurden auch Schwächen deutlich. So war es sehr leicht, aufgeschreckten Verfolgern zu entkommen, die ihre Suche sehr bald wieder abbrachen und sich verhielten, als wäre niemals mitten im Rennhauptquartier ein Fake-Mechaniker aufgetaucht. Mag man dieses schlechte Kurzzeitgedächtnis noch als Maßnahme im Sinne des Spieldesigns verstehen können, hatte die gezeigte Mission aber auch eine große erzählerische Schwäche.

    Unschön fiel auf, dass Robert Knox auch zehn Minuten nach dem spektakulären Unfall bei der Siegerehrung offenbar noch keinerlei Notiz vom Tod seiner Tochter genommen hatte. Umso ungehaltener war er dafür über den Rauch, der aus der Motorhaube seines neuesten, fahrenden Kleinods qualmte.

    wbgamesuk

    Ersteindruck

    Wie spannend die Aufträge, die den Spieler rund um den Globus führen sollen, letztlich wird, lässt sich schwer einschätzen. Wer die Hitman-Rückkehr aus 2016 mochte, dürfte auch mit dem Nachfolger Spaß haben. Das Gamedesign an sich wirkt solide, die erzählerische Qualität bleibt als große Unbekannte über. Klarheit gibt es am 13. November, dann erscheint Hitman 2 für Xbox One, PS4 und den PC. (Georg Pichler aus Köln, 08.09.2018)

    Hinweis im Sinne der Leitlinie: Die Reise zur Gamescom wurde von der Kölnmesse übernommen.

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    Hitman

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      foto: warner bros.
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