Kinder profitieren kognitiv davon, schon früh zu lügen

    3. September 2018, 12:54
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    Wer schon als Kleinkind lernt, andere zu täuschen, stärkt auch positiv behaftete kognitive Fähigkeiten

    Wer lügt nie? Auch wenn wohl kaum ein Erwachsener in jeder Lebenslage bei der Wahrheit bleibt, werden Kinder stets vor dem Lügen gewarnt – und gerügt, wenn sie doch dabei ertappt werden. Dass es aber durchaus ein gutes Zeichen ist, wenn es Kinder schon im frühesten Alter nicht ganz so genau mit der Wahrheit nehmen, berichten nun Forscher um Kang Lee von der Universität Toronto.

    "Eltern und Lehrer sind immer sehr besorgt, dass das Lügen von Kindern schreckliche Konsequenzen haben könnte", sagt Lee. "Aber es stellt sich heraus, dass es einen großen Unterschied zwischen Kindern gibt, die früher lügen und denen, die erst später damit anfangen: Die früheren Lügner haben oft deutlich bessere kognitive Fähigkeiten."

    Lohnende Lügen

    Lee und seine Kollegen aus China und den USA führten ein Experiment mit 42 Kindern im Alter von etwa dreieinhalb Jahren durch. In einem Spiel sollten die Kinder kleine Leckereien verstecken und Erwachsenen anzeigen, wo sie zu finden waren. Wenn sie die Erwachsenen erfolgreich täuschen konnten, durften sie die Nascherei zur Belohnung behalten. Die Forscher teilten die Kinder allerdings in zwei Gruppen auf: Der einen Gruppe brachten sie bei, wie sie die Erwachsenen erfolgreich täuschen konnten, der anderen nicht.

    In standardisierten Tests zu Selbstkontrolle und der Fähigkeit, anderer Personen einzuschätzen, schnitten die Kinder aus der "Schwindel-Gruppe" durchwegs besser ab als die Kinder in der Kontrollgruppe, die eher bei der Wahrheit blieben. Die Forscher führen das auf die erlernte Schummelfähigkeit zurück. "In nur wenigen Unterrichtstagen haben die Kinder gelernt, andere zu täuschen und unmittelbaren kognitiven Nutzen daraus zu ziehen", schreiben Lee und Kollegen im "Journal of Experimental Child Psychology".

    Vorteilhaftes Verhalten

    Das Ergebnis würde die Annahme stützen, dass selbst scheinbar negative menschliche Sozialverhaltensweisen kognitive Vorteile mit sich bringen können, wenn dabei Zielstrebigkeit, Problemlösungsstrategien und die Einnahme der Perspektiven anderer Menschen gefordert sind.

    Sollten Eltern ihre Kinder also von klein auf darin bestärken, unehrlich zu sein? Lee: "Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee wäre. Aber ich denke schon, dass man Kinder ruhig ein bisschen betrügen lassen sollte." (dare, 3.9.2018)

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