Warum in Schweden ein Festival ganz ohne Männer stattfindet

1. September 2018, 08:50
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In der zweitgrößten schwedischen Stadt Göteborg feierten zwei Tage lang ausschließlich Frauen als Reaktion auf zunehmende sexuelle Gewalt

Stockholm – Ein zweitägiges Rockfestival ausschließlich von und für Frauen hat am Freitag in Schwedens zweitgrößter Stadt Göteborg begonnen. Transgender sind zugelassen, aber keine Männer – auch keine männlichen Sicherheitskräfte oder Journalisten. Grund für das männerfreie Event sind sich häufende sexuelle Angriffe auf Frauen bei Musikfestivals in den vergangenen Jahren.

Auslöser für das jetzt stattfindende Statement-Festival waren die Vorkommnisse beim mehrtägigen Bråvalla-Festival in Norrköping im vergangenen Jahr. Damals erstatteten Frauen in vier Fällen wegen Vergewaltigung und in 23 Fällen wegen sexueller Angriffe Anzeige bei der Polizei. In der Folge kam es zu Diskussionen über die Täter und ob sie Flüchtlinge gewesen sind.

Weil es auch auf anderen Festivals zu Übergriffen kam, war die Polizei dazu veranlasst, einen speziellen Bericht zu veröffentlichen. Demnach machen sexuelle Übergriffe bei Festivals oder in Schwimmbädern nur etwa zwei Prozent aller angezeigten Sexualstraftaten aus. Allerdings seien junge Flüchtlinge hier tatsächlich überrepräsentiert. Auf der anderen Seite stellte sich heraus, dass nur zwei von sieben Tatverdächtigen bei einem der Festivals minderjährige Flüchtlinge waren, anders als zuvor verbreitet.

Crowdfunding ermöglichte das Festival

Die schwedische Komikerin und Radiomoderatorin Emma Knyckare hatte nach den Vorfällen die Idee vom Rockfestival ohne Männer. Das solle es solange geben, "bis ALLE Männer lernen sich zu benehmen", twitterte sie. Nachdem per Crowdfunding 500.000 Kronen (47.000 Euro) zusammenkamen, nahm das Projekt Gestalt an.

Das Bråvalla-Festival 2018 wurde unterdessen abgesagt. Die deutschen Veranstalter führte bei den in Deutschland stattfindenden Festivals als Reaktion ein spezielles Konzept ein: Wer sich bedroht oder unwohl fühlt, kann sich an jeder Bar, bei allen Security- und sonstigen Mitarbeitern mit der Frage "Wo geht's nach Panama" melden. Rückfragen gibt es keine, die Betroffenen werden rasch in eine geschützte Umgebung gebracht.

Die Veranstalterinnen des Statement-Festivals rechnen damit, dass tausende Frauen an ihrem Großereignis in einer Industrieanlage am Göteborger Hafen teilnehmen. Den Musikerinnen stehen zwei Hauptbühnen zur Verfügung. Daneben ist reichlich Platz für die Zuhörerinnen, die sich auf pinkfarbenen Sitzen niederlassen können. "Hier können sich Frauen sicher fühlen, einfach Spaß haben und feiern", sagte die 34-jährige Künstlerin Julia Skonneby. (APA, red, 1.9.2018)

  • Das zweitägige Statement-Festival wurde mit Crowdfunding finanziert und geht heute noch in Göteborg über die Bühne. Männer mussten draußen bleiben.
    foto: tt news agency

    Das zweitägige Statement-Festival wurde mit Crowdfunding finanziert und geht heute noch in Göteborg über die Bühne. Männer mussten draußen bleiben.

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