Islamwissenschafter erhält Tractatus-Preis

    31. August 2018, 12:57
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    Thomas Bauer für sein Werk "Die Vereindeutigung der Welt" ausgezeichnet

    Lech – Der deutsche Arabist und Islamwissenschafter Thomas Bauer wird in diesem Jahr mit dem Essay-Preis "Tractatus" des Philosophicum Lech ausgezeichnet. Er erhält den mit 25.000 Euro dotierten Preis exemplarisch für sein Werk "Die Vereindeutigung der Welt", berichtete das Philosophicum Lech. Bauers Buch sorge weit über Wissenschaftskreise hinaus für Furore, lobte die Jury.

    "Die Vereindeutigung der Welt" ist im Februar 2018 erschienen, mittlerweile liegt das Buch in achter Auflage und auch als Hardcover vor. Bauers Werk entspreche damit ganz der Intention des "Tractatus", ein wertvoller Beitrag zur Standortbestimmung in philosophisch und gesellschaftlich relevanten Diskursen zu sein, so die Philosophicum-Verantwortlichen.

    Lob für Originalität des Denkansatzes

    "Philosophie [...] hält den Raum des Fragens offen, sie erschüttert verfestigte Denkmuster und Vorurteile. In ihren besten Momenten verhilft sie uns dazu, die Welt in einem neuen Licht zu sehen. Eben das gelingt Thomas Bauer in seinem Essay", erklärte Thomas Vasek in der Jury-Begründung. Als neues Jury-Mitglied ersetzte Vasek Franz Schuh, der in einem Artikel für "Die Zeit" Bauers Essay ebenfalls herausgestrichen hatte: "Die Konstellation Befreiung durch Vielfalt und Verengung durch Vereindeutigung handelt dieses Taschenbuch glänzend ab".

    Besonders hervorgehoben wurde von der Jury – der neben Vasek auch Barbara Bleisch und Michael Krüger angehören – die Originalität des Denkansatzes von Bauer. "Seine These ist überraschend. Wir leben nur scheinbar in einem Zeitalter unüberbrückbarer Vielfalt. Tatsächlich verlieren wir immer mehr die Bereitschaft, Pluralität und Mehrdeutigkeit zu ertragen. Unsere 'Ambiguitätstoleranz' schwindet", hielt Vasek fest.

    Hintergrund

    Der 56-jährige Thomas Bauer, der seit dem Jahr 2000 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster lehrt, ist der zehnte "Tractatus"-Preisträger in der Geschichte des Philosophicums. Er setzte sich mit seinem Werk gegen die anderen nominierten Autoren Isolde Charim , Wolfram Eilenberger, Guillaume Paoli, Christoph Türcke und Wolfgang Ullrich durch. Bisherige "Tractatus"-Preisträger sind Ex-Juror Franz Schuh (2009), Kurt Flasch (2010), Norbert Bolz (2011), Herbert Schnädelbach (2012), Kurt Bayertz (2013), Peter Bieri (2014), Ulrich Greiner (2015), Hartmut Rosa (2016) und Ralf Konersmann (2017).

    Überreicht wird der Preis am 21. September im Rahmen des Philosophicum Lech, das sich heuer in seiner 22. Auflage von 19. bis 23. September mit dem Thema "Die Hölle. Kulturen des Unerträglichen" auseinandersetzt. Das Interesse am Philosophicum Lech ist wie in jedem Jahr sehr groß, die Veranstaltung ist mit über 600 Teilnehmern bereits ausgebucht.

    Der privat finanzierte "Tractatus"-Preis – er gehört zu den höchstdotierten im deutschsprachigen Raum – wurde vom Verein Philosophicum Lech ins Leben gerufen. Es sollen herausragende Publikationen auf dem Feld geistiger Auseinandersetzung und Standortbestimmung ausgezeichnet werden. (APA, 31. 8. 2018)


    22. Philosophicum Lech "Die Hölle. Kulturen des Unerträglichen", 19. bis 23. September 2018, Lech am Arlberg.

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