Wien als Zentrum ukrainischer Oppositionsmedien

    31. August 2018, 10:33
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    Ein ukrainischer Jurist mit Wohnsitz in Österreich hat die Kontrolle über den Nachrichtensender News One übernommen

    Wien/Kiew – Der in Österreich lebende ukrainische Jurist Andri Portnow, vormals Vizechef der Präsidentschaftskanzlei von Wiktor Janukowitsch, hat nach eigenen Angaben am Montag die Kontrolle über den Nachrichtensender News One übernommen. Mit dem TV-Sender Inter des Oligarchen Dmytro Firtasch und dem Portal strana.ua werden somit bereits drei einflussreiche Oppositionsmedien der Ukraine aus Wien gesteuert.

    "Man erachtet mich als unabhängige Person, und mit mir wird es keine Kompromisse mit den aktuellen Regierenden der Ukraine geben. Der Fernsehsender wird jene oppositionelle Linie beibehalten, die er derzeit fährt", sagte Portnow der APA. Er sei auf drei Jahre zum Direktor der MW Investment AG im Schweizer Kanton Zug ernannt worden, die ihrerseits News One besitze.

    Bestreitet Nähe zu Putin-Vertrauten

    Laut Portnow ist kein Eigentümerwechsel vorgesehen: Die Schweizer Aktiengesellschaft und somit auch der ukrainische Nachrichtensender werden weiterhin dem Vater des oppositionellen Parlamentariers Jewheni Murajew gehören, der selbst dem politischen Umfeld Wiktor Medwedtuschks zugerechnet wurde. Dieser ukrainische Politiker und Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin fungiert formal als Kiews Vertreter bei humanitären Verhandlungen zur Ostukraine, zuletzt wurden ihm angesichts 2019 bevorstehender Präsidenten- und Parlamentswahlen in der Ukraine aber auch politische Ambitionen nachgesagt.

    Portnow bestreitet, dass er für den Putin-Vertrauten agiert: Mit Medwedtschuk habe er die aktuellen Medienangelegenheiten nicht besprochen, antwortete er auf Nachfrage.

    Gegner von Präsident Poroschenko

    Der aus dem ostukrainischen Luhansk stammende Jurist Portnow, der vor seiner Tätigkeit für Janukowitsch auch für dessen Gegnerin Julia Timoschenko gearbeitet hat, positionierte sich in den letzten Jahren als erbitterter Gegner von Präsident Poroschenko und der ukrainischen Regierung. "Das sind Staatsverbrecher, die im Gefängnis sitzen müssten. Wir müssen uns mit allen oppositionellen Möglichkeiten gegen sie wehren", erklärte er.

    Portnow hat sich seit dem Machtwechsel in Kiew 2014 vor Gerichten in der Ukraine und auch in der EU erfolgreich gegen Vorwürfe zu Wehr gesetzt, während seiner Tätigkeit für Janukowitsch Verbrechen begangen zu haben. Nachdem er einige Zeit in Russland gelebt hatte, gründete der nunmehr 44-Jährige im Jänner 2018 in Perchtoldsdorf die Firma AVP Consulting GmbH. Details über seine Übersiedlung nach Österreich wollte er am Donnerstag nicht verraten und betonte lediglich, dass er hierzulande über einen gültigen Aufenthaltstitel verfüge.

    Zweitgrößter auf Nachrichten spezialisierter Sender

    Laut Angaben des ukrainischen Branchenmediums Detector Media lag News One in seiner Reichweite zuletzt hinter dem Sender 112 auf Platz zwei der auf Nachrichten spezialisierten Fernsehsender in der Ukraine. "Nach unseren Beobachtungen hat sich in der letzten Zeit auf News One nicht nur die Kritik an den Regierenden verschärft, sondern auch eine prorussische Rhetorik zugenommen", sagte Detector-Media-Chefredakteurin Natalija Lihatschowa der APA. Abgesehen davon, dass auf News One oppositionelle Präsidentschaftskandidaten wie Anatoli Hryzenko und Julia Timoschenko Auftrittsmöglichkeiten erhielten, zeichneten sich 112 und News One auch durch ihre Popularität gerade im Osten der Ukraine aus, schilderte Lihatschowa.

    Eine wichtige Rolle im beginnenden ukrainischen Wahlkampf könnte aber der deutlich reichweitenstärkere und ebenso oppositionell orientierte Fernsehsender Inter spielen, der dem ukrainischen Oligarchen Firtasch gehört. Seit er 2014 auf Grundlage eines US-Auslieferungsantrags in Wien vorübergehend verhaftet wurde, lebt Firtasch in Österreich und wartet auf die Entscheidung, ob er ausgeliefert wird.

    "Würden die oppositionellen Sender Inter, News One und 112 ihre Anstrengungen bündeln, wäre das in Bezug auf Wahlen ein äußerst mächtiges Werkzeug. Es gibt aber Zweifel, dass es dazu kommt", erklärte Expertin Lihatschowa. 112 räumte in den vergangenen Tagen dem pro-russischen Politiker Medwedtschuk sehr viel Raum ein, zu etwaigen Absprachen zwischen Medwedtschuk und Firtasch gibt es derzeit nicht einmal Spekulationen. Er habe Firtasch lediglich ein oder zwei Mal zufällig auf der Straße in Wien getroffen, erklärte auf Nachfrage auch News-One-Chef Portnow.

    Oppositionelles Internetmedium strana.ua

    Inter und News One sind jedoch nicht die einzigen austro-ukrainischen Medien: Seit Strana.ua-Chefredakteur Ihor Huschwa Anfang des Jahres in Österreich um politisches Asyl angesucht hat, wird auch dieses oppositionelle Internetmedium von Wien aus gesteuert. Zudem kontrolliert die Wiener Holdinggesellschaft ECEM Media GmbH, die vom österreichischen Ex-Banker Alfred Mallmann geleitet wird und laut Firmenbuch dem ukrainischen Staatsbürger Roman Zupryk gehört, "Ukrajinskyj Tyschden" ("Ukrainische Woche"). Es handelt sich dabei um eines der wenigen Wochenmagazine der Ukraine mit Qualitätsanspruch, das in Kiew nicht in russischer, sondern in ukrainischer Sprache erscheint. (APA, 31.8.2018)

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