Österreich fehlen laut WKO-Präsident Mahrer 162.000 Fachkräfte

31. August 2018, 05:37
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Der Chef der Wirtschaftskammer will die Mangelberufsliste regionalisieren, die Rot-Weiß-Rot-Card reformieren und Aufenthaltstitel für Lehrlinge aus Drittstaaten

Singapur/Wien – Die Wirtschaftskammer hat bei den Unternehmen den Bedarf an Fachkräften erheben lassen. Demnach werden österreichweit 162.000 Fachkräfte gesucht, weit mehr als bisher angenommen. WKO-Präsident Harald Mahrer fordert nun rasch ein Gesamtpaket gegen den immer größer werdenden Fachkräftemangel. Weiters soll ermittelt werden, welche Berufsbilder regional gesucht werden.

Befragung in Betrieben

Das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW) hat dazu Betriebe befragt und rund 4.500 Antworten ausgewertet. Die Hochrechnung der Ergebnisse ergibt, dass österreichweit rund 162.000 Fachkräfte gesucht werden. Durch die Betriebsbefragung ergeben sich laut WKO genauere Zahlen, da viele Unternehmen ihren Bedarf gar nicht mehr dem AMS melden.

Demnach ist der Fachkräftemangel bereits für 87 Prozent der Betriebe spürbar, 75 Prozent leiden bereits unter starkem Fachkräftemangel. Zum Vergleich: 2017 fühlten sich "erst" zwei Drittel der Betriebe vom Fachkräftemangel betroffen. Bereits 60 Prozent der Betriebe sagen, dass der Fachkräftemangel zu Umsatzeinbußen führt oder bald führen wird. Und 49 Prozent klagen, dass sie deshalb Produkt- und Serviceinnovationen einschränken müssen. 82 Prozent befürchten in den nächsten drei Jahren eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels in ihrer Branche.

Mahrer: Problem in Endlosschleife droht

Hintergrund des Fachkräftemangels sei der Rückgang des Arbeitskräfteangebots, sagt Mahrer: Die Zahl der 20- bis 60-Jährigen, also der Personen im Erwerbsalter, erreiche heuer ihren Höhepunkt. Ab 2019 nehme sie ab und werde bis zum Jahr 2030 um mehr als 230.000 zurückgehen. Schon 2024 werde es 40.000 mehr 60-Jährige als 20-Jährige geben.

"Wenn wir nicht gegensteuern, wird der Fachkräftemangel zu einem Problem, das in der Endlosschleife läuft", warnt Mahrer. Dabei setzt die WKO auf die Ausbildung von Ausländern in heimischen Lehrbetrieben: Mahrer will einen eigenen Aufenthaltstitel für Lehrlinge aus Drittstaaten, wie es ihn bereits für Schüler und Studenten gebe. Die Rot-Weiß-Rot-Card müsse reformiert werden, damit die Verfahren schneller und unbürokratischer werden. Die Mangelberufsliste soll regional erstellt werden. Dann könnten etwa Köche oder Programmierer aus Drittstaaten (außerhalb der EU) gezielt für ein Bundesland, in dem derartige Fachkräfte gesucht werden, eine Arbeitsgenehmigung bekommen.

Humanitäres Bleiberecht für Flüchtlinge in der Lehre

Asylwerber, die eine Lehre in einem Mangelberuf machen und deren Asylantrag abgelehnt wird, könnten über das humanitäre Bleiberecht ein Aufenthaltsrecht bekommen. Dabei würden die Integration, die Deutschkenntnisse des Lehrlings und der Bedarf der Wirtschaft geprüft – der bei einer Lehre im Mangelberuf laut Mahrer wohl vorhanden sei. (APA, 31.8.2018)

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