Salzburger Liebeswahn mit Anna Netrebko

    30. August 2018, 17:19
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    Die Sopranistin war als wahre Könnerin zu erleben

    Die Schlussphase der Salzburger Festspiele noch einmal stimmungsmäßig in die Höhe zu bringen ist immer eine gewisse Herausforderung gewesen. Ja, die großen Berliner Philharmoniker waren da. Einst allerdings musste sogar ein Ball her, um zu Ende der Festspiele noch vermeintlichen Glanz zu generieren.

    Immerhin, Sopranistin Anna Netrebko, für viele opernhafte Höhepunkte in Salzburg verantwortlich, war nun als jene wahre Könnerin, die sie nun einmal ist, zugegen. Und zusammen mit Tenor und Ehemann Yusif Eyvazov bescherte sie dem Festspielfinale ein Sängerfest.

    Hilfreich dabei auch, dass das Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Dirigent Jader Bignamini eine Glanzleistung hinlegte. "... eine Zärtlichkeit so leicht und so weit wie der Himmel und das Meer" wünscht sich Madama Butterfly vom amerikanischen Flegel Pinkerton in Puccinis Oper. Man weiß, wie traurig das ausgeht, und ist geneigt mitzuweinen.

    Glanzvoll mit Puccini

    Besonders wenn die Stimme der Sängerin die Verzweiflung und die Katastrophe schon in der Liebeswonne mittransportiert: Anna Netrebko lieferte mit ihrem Part im Vogliatemi bene-Duett (Cio-Cio-San und Pinkerton) aus Madama Butterfly ein Kabinettstück der Klang- und Ausdruckskultur bei höchster Dramatik und größter Kontrolle.

    Yusif Eyvazovs Pinkerton nahm man das sehnsüchtige Schwelgen zu diesem Augenblick noch herzlich gerne ab: Unwiderstehlich klingt sein tenoraler Samt, elegant die Höhe, beredt die Phrasierung. Eyvazovs Sologlanzstück war im Großen Festspielhaus aber die Arie des Kalaf Nessun dorma aus Puccinis Turandot, deren extreme Herausforderungen der Tenor mit Eleganz und Souveränität in puren Stimmgenuss verwandelte. Das dazugehörigen Soprangegenstück – die Arie der Vissi d'arte – war eine fein gestaltete Szene, die tatsächlich alle Emotionen wie aus dem Nichts heraus aufblühen ließ.

    Da war aber auch Kontrast. Die Delikatesse dieser kostbaren Interpretation standen im erstaunlichen Gegensatz zur geradezu angriffigen, fast kämpferischen Gestaltung der jeweiligen Auftrittsstücke: der Cavatine der Lady Macbeth aus Verdis Macbeth etwa oder der Cabaletta des Manrico aus Turandot. Nach einem solchen Abend möchte man das Mozarteumorchester noch viel dringlicher endlich auch bei den Salzburger Festspielen "große Oper" spielen hören. Allerdings nur unter einem Dirigenten-Kapellmeister oder Kapellmeister-Dirigenten wie Jader Bignamini:

    Er ist der "Hausdirigent" des Symphonieorchesters laVerdi in Mailand, hat in der vergangenen Spielzeit Buttlerfly und Turandot in New York und Detroit dirigiert, den Troubadour in Rom und Frankfurt und Manon Lescaut mit Netrebko und Eyvazov in Moskau, als erste Puccini-Oper am Bolschoi überhaupt. Ein erfahrener Gestalter also. (klaba, 30.8.2018)

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