Zeitung "Wochenblick": Mit unbekannten Sponsoren gegen den "Mainstream"

    Analyse30. August 2018, 16:38
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    Die rechte Plattform finanziert sich durch Abos, Inserate und "Auftragsrecherchen" – ein Überblick

    "Chemnitz: Das Blutbad schockiert und nicht die Proteste" heißt der Kommentar des rechten Mediums "Wochenblick". Darin nennt der Chefredakteur Christian Seibert die Ausschreitungen und die Übergriffe auf Migranten in Chemnitz "spontane Demos entsetzter Bürger", die gegen die "immer weiter ausufernde Gewalt durch Zuwanderer" protestieren wollen. Lediglich "der Mainstream" würde diese Ausschreitungen fälschlicherweise als "rechtextrem" einstufen.

    Dieser Kommentar gefiel dem Vizekanzler Strache, und er teilte ihn auf seiner privaten Facebook-Seite, die rund 42.160 Abonnenten hat. Den Artikel aus dem "Wochenblick" teilte der Vizekanzler zuerst ganz ohne Kommentar. Stunden später, das zeigt der Verlauf der Änderungen, fügte er ein Zitat des deutschen CDU-Politikers Wolfgang Bosbach hinzu, in dem Gewalt als "Mittel der politischen Auseinandersetzung" ausgeschlossen wird.

    Bevorzugte Quelle

    Neben der "Kronen Zeitung" ist das rechte Medium "Wochenblick" die bevorzugte Quelle in Straches Facebook-Feed. Diese Präferenz hat auch mit den Themen, die die Wochenzeitung bearbeitet, zu tun: "Wochenblick" ist bisher vor allem durch alarmistische, faktenschwache Berichterstattung zum Thema Migration, Asyl, Islam und Integration aufgefallen. Im Juli dieses Jahres wurde die Zeitung erneut vom Österreichischen Presserat gerügt. Eine "Wochenblick"-Artikelserie über Flüchtlinge in Schweden wird vom Selbstkontrollorgan der Presse als "Alarmismus und Angstmache" bezeichnet, die Artikel hätten "mit professionellem und verantwortungsvollem Journalismus nichts gemein", heißt es in der Stellungnahme.

    Beliebtes Objekt der "Wochenblick"-Berichterstattung sind auch Journalisten. So wurden etwa die "Vice"-Journalistin Hanna Herbst oder der ORF-Moderator Armin Wolf immer wieder wegen angeblicher Verfehlungen vom "Wochenblick" attackiert.

    Gegen "Mainstream-Medien"

    Die "Wochenblick"-Redaktion betont immer wieder, dass sie den "Mainstream-Medien" auf die Finger schauen und objektiv und unabhängig bleiben wolle. Doch Kritik an der FPÖ sucht man in der Wochenzeitung vergeblich. Die Nähe zwischen "Wochenblick" und der Regierungspartei FPÖ wird von beiden Seiten bestritten. Wie das Magazin "Profil" berichtete, sind oder waren gleich mehrere Mitarbeiter der Wochenzeitung bei der FPÖ aktiv, angefangen beim Geschäftsführer Norbert Geroldinger. Geroldinger war jahrelang FPÖ-Obmann in Brunnenthal bei Schärding.

    850.000 Euro für "Auftragsrecherchen"

    Darüber, wie sich "Wochenblick" finanziert, ist wenig bekannt. Einen kleinen Einblick gab jedoch diesbezüglich ein Zivilprozess vor dem Landesgericht Ried. Demnach erhielt Wochenblick bis zu 850.000 Euro "von anonymen Sponsoren" für "Auftragsrecherchen", berichten die "Oberösterreichischen Nachrichten". Wer diese Summe zur Verfügung gestellt habe, sei ein "Geschäftsgeheimnis", sagt Wochenblick-Geschäftsführer Geroldinger gegenüber den "Oberösterreichischen Nachrichten".

    Neben den 850.000 Euro aus unbekannter Quelle verzeichnet der "Wochenblick" auch 50.000 Euro Abonnement-Einnahmen und 100.000 Einnahmen aus Inseraten. Ein guter Teil der Inseraten-Einnahmen kommt auch aus den FPÖ-geführten Ministerien.

    Inserate von Ministerien

    Vor wenigen Wochen warb der Verkehrsminister Hofer sogar auf der Titelseite der Wochenzeitung. Der "Wochenblick" sei in Oberösterreich weit verbreitet und "stark etabliert", begründet ein Sprecher von Verkehrsminister Hofer auf STANDARD-Anfrage die Schaltung. Insgesamt seien zwei Inserate zu Tempo 140 geschaltet worden. Eines davon erschien laut Ministeriumssprecher in "Heute", das andere eben im "Wochenblick". Für diese Inserate wurden laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung 33.414 Euro bezahlt.

    Auch das FPÖ-geführte Innenministerium schaltet immer wieder Anzeigen im "Wochenblick", zuletzt wurde hier um neue Polizisten geworben. In der "Wochenblick"-Printausgabe wurden für 11.680 Euro Inserate zur Polizeiaufnahme geschaltet, online für 7.176 Euro.

    Sportminister und Vizekanzler Heinz-Christian Strache platzierte ebendort eine Schaltung zum Thema "Österreichisches Turn- und Sportabzeichen". Und auch unter dem aktuellen "Wochenblick"-Kommentar zu Chemnitz, den der Vizekanzler teilte, ist eine Werbeanzeige des Bundesministeriums für Verkehr zu sehen. (Olivera Stajić, 30.8.2018)

    • Die aktuelle Ausgabe richtet sich gegen "Altmedien".

      Die aktuelle Ausgabe richtet sich gegen "Altmedien".

    • Putins Erscheinen bei der Hochzeit von Außenministerin Kneissl war auf der Titelseite.

      Putins Erscheinen bei der Hochzeit von Außenministerin Kneissl war auf der Titelseite.

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