"Bevor es zu spät ist": Amnesty fordert Verbot von "Killer-Robotern"

    31. August 2018, 09:19
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    "Wir schlittern in Richtung einer Zukunft, in der die Menschen beim Einsatz von Gewalt nicht mehr mitentscheiden können"

    Nicht nur Heimgeräte sind in den vergangen Jahren immer "smarter" geworden, auch die Waffentechnologie bleibt in ihrer Entwicklung nicht stehen. Drohnen sind schon seit geraumer Zeit in Verwendung und in mehreren Staaten wird an weiteren autonomen Systemen geforscht. Die Bandbreite reicht von Gewehren und Helmen mit intelligenter Zielerkennung bis hin zu Konzepten, die an "Killer-Roboter" erinnern.

    Schon länger sehen Aktivisten und auch Experten aus dem Feld der Künstlichen Intelligenz diese Entwicklung skeptisch. Das Thema hat die internationale Politik und damit auch die Vereinten Nationen erreicht, einen Konsens über den Umgang gibt es bislang aber nicht. Nun hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International eine ausdrückliche Warnung ausgesprochen.

    Kein internationaler Konsens

    Die Organisation fordert ein globales Verbot für vollautonome Waffen, "bevor es zu spät ist." "Killer-Roboter sind nicht länger Science Fiction", sagt Rasha Abdul Rahim, ein Berater im "Bereich Künstliche Intelligenz und Menschenrechte" bei Amnesty. Das Statement kommt anlässlich eines Treffens von Regierungsexperten, die diese Woche in Genf über eine Ausweitung der "Konvention über bestimmte konventionelle Waffen" der Vereinten Nationen beraten.

    stop autonomous weapons
    Mit dem Kurzfilm "Slaughterbots" warnte das Future of Life-Institut letztes Jahr bereits von autonomen Waffensystemen.

    Die technologische Entwicklung von autonomen Waffen hätten schon längst die internationale Gesetzgebung überholt, heißt es. "Wir schlittern in Richtung einer Zukunft, in der die Menschen beim Einsatz vom Gewalt nicht mehr mitentscheiden können". Eine Reihe von Staaten, darunter auch China und auch Österreich, machen sich für ein Verbot von derlei Kriegswerkzeugen stark. Einige große Player – Großbritannien, USA, Frankreich, Südkorea und Russland – sprechen sich gegen verbindliche Einschränkungen aus.

    Verbot gegen "wirklich dystopische Szenarien"

    Erste Systeme würden von Polizeikräften bereits eingesetzt werden, so Rahim. Amnesty verweist dabei etwa auf die Verwendung von semiautonomen Drohnen, die Tränengas auf Protestierende im Gaza-Streifen sprühten. Auch für das Verschießen von Pfefferspray oder Taser-Pfeilen gibt es bereits Drohnen. In Zukunft sei mit weiterer Aufrüstung Seitens der Gesetzeshüter zu rechnen.

    Neben den Risiken, die beim Einsatz solcher Systeme drohten, drohe zudem ein internationales Wettrüsten und damit weitreichende Verbreitung solcher Waffen. Mit einem Verbot ließen sich "wirklich dystopische Szenarien" verhindern.

    Viele Experten für Einschränkungen

    Auf dieser Seite der Debatte finden sich auch viele Fachleute. Über 2.500 Forscher und Unternehmen erklärten im Juli, die Entwicklung intelligenter Waffensysteme in keiner Weise unterstützen zu wollen.

    Die südkoreanische Universität KAIST sah sich schon im April mit einem Boykott durch viele Wissenschaftler konfrontiert, weil man in Kooperation mit dem Rüstungskonzern Hanwha neue, smarte Waffen entwickelt. (red, 31.08.2018)

    • Ein Verbot könnte dystopische Szenarien, wie sie filmisch etwa aus "Robocop" (hier der Wachroboter ED-209) bekannt sind, verhindern, meint man bei Amnesty International.
      foto: orion pictures

      Ein Verbot könnte dystopische Szenarien, wie sie filmisch etwa aus "Robocop" (hier der Wachroboter ED-209) bekannt sind, verhindern, meint man bei Amnesty International.

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