"Unstatistik": Erhöhtes Gesundheitsrisiko durch einen Drink pro Tag

    30. August 2018, 11:10
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    Experten kritisieren die Verwendung von relativen Risiken – damit kann mehr Angst erzeugt werden als mit der Angabe des absoluten Risikos

    Statistiker und Psychologen aus Deutschland haben eine Analyse über die gesundheitlichen Auswirkung von Alkohol, die kürzlich im Fachmagazin "The Lancet" erschienen ist, zur "Unstatistik des Monats" gekürt. Eines der zentralen Ergebnisse der Studie: Ein einziges alkoholisches Standardgetränk (10 Gramm reiner Alkohol) pro Tag erhöht das Risiko, eines von 23 mit Alkohol assozierten Gesundheitsproblemen zu bekommen, um 0,5 Prozent.

    "Zu viel Alkohol kann der Gesundheit schwer schaden, das steht außer Zweifel", schreiben der Psychologe Gerd Gigerenzer und Statistiker Walter Krämer. "Bei geringen Mengen aber berichteten frühere Studien, dass der Konsum von einem oder zwei Drinks pro Tag das Auftreten von Herzkrankheiten verringern kann. Gemäß der neuen "Lancet" Studie, sind jedoch selbst kleine Mengen von Alkohol gesundheitsschädlich."

    Unnötig Angst erzeugen

    Doch wie hoch ist das Risiko? Wie viel mehr ist 0,5 Prozent? "Relative Risiken werden leicht missverstanden, daher sollten immer die absoluten Risiken ausgewiesen werden", betonen die Experten. Die Autoren der Lancet-Studie verwendeten in dem veröffentlichten Artikel nur den relativen Risikoanstieg, was die Gutachter im Lancet anscheinend nicht bemerkt haben dürften. In der Presseaussendung von "Lancet" wurden die absoluten Zahlen jedoch nachträglich eingefügt.

    Die absoluten Zahlen zeigen folgendes: Von je 100.000 Personen, die keinerlei alkoholische Drinks konsumierten, hatten 914 im folgenden Jahr ein Gesundheitsproblem. Bei Personen mit einem Drink pro Tag stieg diese Zahl auf 918. Das heißt, der absolute Risikoanstieg war 4 Personen von 100.000 oder 0,004 Prozent. Bei zwei Drinks pro Tag erkrankten etwas mehr, 63 von 100.000 oder 0,063 Prozent.

    Demnach ist ein Drink pro Tag ein eher kleines Gesundheitsrisiko, schlussfolgern Gigerenzer und Krämer. Das Fazit der beiden Wissenschafter: "Mit relativen Risiken kann man eben mehr Angst erzeugen als mit absoluten Risiken." (red, 30.8.2018)

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