Kroatien: Radtour mit Austernjause in Istrien

    7. September 2018, 15:00
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    Eine genussvolle Radtour von Rovinj zum Limski-Kanal

    Mitte September wird es schlagartig ruhiger in den Tourismusorten Istriens. Die Campingplätze sind fast leer, am immer noch warmen Meer ist Platz genug an den Stränden und am Markt in Rovinj haben die Standler Zeit für ein Plauscherl.

    foto: thomas neuhold
    Rovinj ist fast in jeder Ansicht ein Postkartenmotiv und ein prima Basecamp für Herbstradler.

    Wer jetzt einen Abstecher nach Istrien macht, kommt meist nicht nur zur profanen Verlängerung des Sommers. Jedes zweite Auto hat Fahrräder am Dach oder am Heck montiert: Istrien hat sich zu einem beliebten Ziel für Radtouristen entwickelt. Gerade rund um Rovinj haben die Tourismusleute viel Gespür bewiesen und eine unüberschaubare Fülle an Radrouten markiert. Meist abseits der Hauptverkehrsstraßen geht es ohne besondere fahrtechnische Herausforderungen, aber durchaus mit ein paar Höhenmetern, durch Olivenhaine, Weingärten oder dem Meer entlang.

    foto: thomas neuhold
    Feldwege durch Olivenhaine: Genussradeln in Istrien

    Wobei man nicht sklavisch an der vorgegebenen Route zu kleben hat, mit etwas Gespür und mithilfe der einigermaßen gut gestalteten Radkarten lassen sich die Touren individuell ausdehnen oder verkürzen. Wählt man das schmucke Rovinj als "Basislager" für seine Radausflüge, genießt man zudem noch die Vorzüge intakter kleinstädtischer Infrastruktur.

    Kulinarisches Genussradeln

    Wer mit dem Rad die Halbinsel erkundet, wird schneller auf die kulinarischen Highlights stoßen als der motorisierte Kollege: etwa auf die Konobas im Landesinneren mit dem herausragenden Rohschinken Pršut oder die feinen Sardellen in Fažana. Das kleine Fischerdorf gegenüber den Brijuni-Inseln lässt sich übrigens von Rovinj aus leicht erradeln.

    foto: thomas neuhold
    Die Ruinen von Dvigrad am Talschluss des Limski Fjord sind ein beliebtes Ziel für Radltouren.

    Nördlich von Rovinj findet sich der Limski-Kanal oder Limski- Fjord. Rund zwölf Kilometer streckt sich der Meeresarm ins Landesinnere. Dahinter folgt das Limski-Tal. Über Jahrtausende hat sich der Fluss Pazinčica hier in den Karst gegraben, heute ist die nährstoffreiche Kombination aus Salz- und Süßwasser vor allem für die Muschelzuchten bekannt.

    foto: thomas neuhold
    Die Muschelfarmen im Limski-Fjord.

    Und so kommt man als Biker plötzlich zu einem seltenen Genuss: Statt der Brezen und Weißbierhalben gibt es als Mittagsjause Austern und ein Glaserl Malvasia. Nach ein, zwei Achterl ist dann aber Schluss, schließlich muss man auch noch zurück nach Rovinj. (Thomas Neuhold, 7.9.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

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    karte: der standard

    Route: Von Rovinj nach Norden dem Meer entlang, parallel zur Straße nach Valalta, kurz ins Landesinnere der Straße folgen und bei der ersten Gelegenheit (Radwegweiser) auf die Route zur aufgelassenen sv. Toma-Kirche. Der Straße weiter, anfangs asphaltiert, parallel zur ehemaligen Eisenbahn folgen, dann weiter ostwärts auf Schotterstraßen (immer markiert) bis man kurz vor Rovinjsko Selo zum Limski-Kanal fahren kann. Der Abstecher mit dem Blick hundert Meter über dem Fjord hinunter auf die Muschelzucht ist fast Pflicht. Zurück und auf der Schotterstraße nach Rovinjsko Selo. Hier die Hauptstraße nicht überqueren, sondern parallel zu dieser nach Osten und (Wegweiser) weiter auf einer Schotterpiste nach Žuntići. Man bleibt auf der Asphaltstraße nach Osten, biegt aber kurz vor der eigentlichen Straßen-Abzweigung Richtung Limski-Fjord einem Trailweg folgend (Wegweiser) nach Norden ab. Achtung: Dieser teilweise etwas steilere Trailweg mündet in die Hauptstraße – dieser aber nicht folgen, sondern gleich gegenüber wieder in den Wald hinunter (Wegweiser) bis man auf die Schotterstraße des Limski-Tales kommt. Den Schotterweg talauswärts zur Hauptstraße und danach hinunter zum Meer und den Restaurants. Rück- wie Hinweg.

    Variante: Lohnenswert – aber mit deutlich mehr Höhenmetern versehen – ist der Abstecher ins Limski-Tal, dem man nach Osten bis zu einer wenig befahrenen Straße hinauf und weiter nach rechts zur vor Jahrhunderten verlassenen Burg Dvigrad (Getränkestand) folgt. Mutige werden sich übrigens nicht vom Überklettern der Burgmauern abhalten lassen: da die Substanz der Gemäuer etwas morsch ist, nicht ganz ungefährlich, aber beeindruckend.

    Routenplanung: Empfehlenswert ist die Seite istria-bike.com

    Landkarten: Für die grobe Orientierung hat sich die Kompass-Karte Nr. 238, "Istrien" im Maßstab 1:75.000 durchaus bewährt. Bei den Tourismusbüros gibt es eine gut gemachte Landkarte zur Radregion Rovinj-Vrsar-Kanfanar im Maßstrab 1:45.000. Infos auch unter istria-bike.com

    Ausrüstung: Auch wenn es wenige echte Trailstrecken gibt, ist ein robustes Mountainbike Pflicht. Viele der kleinen Feldwege würden einem normalen Trekking-Rad rasch den Garaus machen. MTB-Ausrüstung (Helm!) mitnehmen, Licht für die Abendstunden nicht vergessen.

    Radverleih Rovinj: Robuste (keine Hightech-Geräte) und preiswerte (zehn Euro/Tag) Räder mit gutem Service (bei Pannen kostenloser Radersatz binnen einer Stunde) gibt es bei der RM-Group in Rovinj.

    Einkehr Limski-Kanal: Am Talschluss des Limski-Kanal finden sich mit dem Viking und dem Fjord gleich zwei Lokale. Beide sind auf Muscheln spezialisiert. Wer hier ein Wiener Schnitzel bestellt, dem ist nicht zu helfen. Im Herbst Öffnungszeiten erfragen! Fjord: +385 52 448 222, Viking: +385 52 448 223

    Restaurants Rovinj: Eine der besten Adressen für regionale Küche ist das Kantinon direkt an der Marina von Rovinj. Dem gehobenen Anspruch sei das von Michelin besternte Monte empfohlen (Altstadt, direkt unter der Kirche Euphemia).

    Informationen/Unterkunft: rovinj-tourism.com ist die offizielle Seite des Tourismusverbandes in Rovinj.

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