2:2 gegen Belgrad: Salzburg vergeigt CL-Einzug

    Video29. August 2018, 23:09
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    Salzburgs Champions League-Fluch hält an: Rose-Truppe gab eine 2:0-Führung aus der Hand

    Salzburg – Red Bull Salzburg hat auch im elften Anlauf einen neuen Weg gefunden, die Champions League zu verpassen. Diesmal gelang dies mit einem 2:2 im Playoff-Rückspiel gegen Roter Stern Belgrad. In einer Partie, die Salzburg praktisch permanent dominierte, reichten dank der Auswärtstorregel zwei chaotische Minuten zum fußballerischen Verderben.

    Nach dem 0:0 im Hinspiel suchte Salzburg in der heimischen Arena vor 26.500 Zusehern, davon etwa 10.000 Gästefans, die Offensive. 2. Minute: Wolf schießt vorbei. 10. Minute: Daka hat nach einem Lainer-Traumpass inklusive Blindflug von Goalie Borjan das leere Tor vor sich, Savic grätscht in seinen Schuss. Salzburg war entfesselt, der Takt vorgegeben. Borjan ließ Ramalhos Gewaltschuss aus, parierte im Anschluss Haidaras Versuch (14.).

    Dabburs Doppelschlag

    19. Minute: Daka springt der Ball nach einer Salzburger Traumkombination vom Fuß, Borjan greift ein. Roter Stern war – nun ja, auch am Feld. Radonjic schoss drüber (30.), Milic nach einem Konter vorbei (32.). Salzburg blieb dominant, allein die Chancen versiegten. Die Gäste mauerten stabiler, Samassekous Weitschuss nahm das bekannte Borjan-Ende (42.). Aber dann, Minute 45: Ulmer flankt perfekt, Dabbur springt, hält den Innenrist hin, Kreuzeck, eine Aktion zum Einrahmen. 1:0, Pause.

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    Red Bull Salzburg misslingt erneut der Einzug in die Gruppenphase der Champions League. Nach dem 0:0-Hinspiel lag Salzburg im Rückspiel schon 2:0 vorne, als Roter Stern Belgrad innerhalb von eineinhalb Minuten den Ausgleich erzielte.

    Wiederanpfiff: Salzburg konterte, Wolfs Spitz im Strafraum war ungefährlich, der Salzburger wurde aber noch gefoult. Der sonst großzügige Schiedsrichter Cakir pfiff Elfer, Dabbur schickte Borjan ins falsche Eck. 2:0. Die Gastgeber blieben spielbestimmend, nach einer Stunde kam es zur ersten Eskalation: Daka und Pavkov krachten zusammen, Pongracic landete Stollen voraus auf dem liegenden Pavkov, dessen versuchter Revanchetritt verfehlte, Teamkollege Krsticic war kaum zu bändigen. Zweimal Gelb.

    Hektik, Hektik, Hektik

    65. Minute: Wolf verschenkt hinten einen Ball, Degenek flankt, Ben trifft. 1:2, nichts passiert. Anstoß, Ballverlust, Freistoß Crvena Zvezda, Salzburg schläft, Degenek köpfelt auf das lange Eck, Ben rasiert den Ball noch. Eine Absurdität, das 2:2. Salzburg brauchte wieder ein Tor, Haidaras Weitschuss flog vorbei (75.).

    Der eingewechselte Yabo trat einen schönen Freistoß, Borjan flog erfolgreich. In das zuvor so saubere Kombinationsspiel des Serienmeisters mischten sich zunehmend Flanken nach dem Schema Hoffen und Beten, Dabbur und Ramalho vergaben Matchbälle aus fünf Metern (93., 94.). Salzburg stürmte verzweifelt und erfolglos, der Trostpreis heißt Europa League. (schau, 29.8.2018)

    Champions-League-Playoff, Rückspiel, Mittwoch

    Red Bull Salzburg – Roter Stern Belgrad 2:2 (2:0)
    Red-Bull-Arena, 26.500 Zuschauer (ausverkauft), SR Cakir (TUR)

    Torfolge:
    1:0 (45.) Dabbur
    2:0 (48.) Dabbur (Elfmeter)
    2:1 (65.) Ben Nabouhane
    2:2 (66.) Ben Nabouhane

    Salzburg: Stankovic – Lainer, Ramalho, Pongracic, Ulmer – Haidara, Samassekou, H. Wolf, X. Schlager (83. Prevljak) – Daka (69. Yabo), Dabbur

    Roter Stern: Borjan – Stojkovic, Savic, Degenek, Rodic – Krsticic, Jovicic – Simic (37. Jovancic), Ben Nabouhane, Radonjic (81. Gobeljic)- Milic (49. Pavkov)

    Gelbe Karten: Pongracic, X. Schlager, Dabbur bzw. Krsticic, Stojkovic, Pavkov

    Hinspiel 0:0, Roter Stern mit dem Gesamtscore von 2:2 aufgrund der Auswärtstorregel in der Champions League, Salzburg in der Gruppenphase der Europa League (Auslosung am Freitag, 13 Uhr)

    Live-Nachlese:

    77 grausame Sekunden lassen Salzburg scheitern

    Stimmen:

    Vladan Milojevic (Roter-Stern-Trainer): "Das ist ein Riesenerfolg für uns. Wir haben hart dafür gearbeitet. Es war wirklich ein schwieriges Spiel. Dem Gegner muss ich auch gratulieren, sie haben eine super Mannschaft. Sie haben ein gutes System, sie weichen von ihrem System auch nicht ab. Ich gratuliere Salzburg, sie haben Topleute. In der ersten Hälfte hat es nicht gut für uns ausgesehen. In der Halbzeit haben wir einiges besprochen. Ich bin glücklich, dass Roter Stern dort ist, wo der Klub hingehört, und das ist die Champions League."

    Marco Rose (Salzburg-Trainer): "Es ist ein herber Schlag, es tut richtig weh. Es fühlt sich ganz beschissen an, weil es unser großes Ziel war. Und weil die Mannschaft viel investiert und viel probiert hat. Wir haben diese 2:0-Führung in zwei Minuten aus der Hand gegeben. Ich kann sagen, dass in der Kabine Leute sitzen, die heute nicht auf dem Platz waren, und weinen. Ich bin verantwortlich für diese Gruppe und habe die Verantwortung, jetzt alle wieder auf den Weg zu bringen. Natürlich: Es ist ein extrem bitterer Abend für uns alle. Klar wird jetzt ein bisschen was auf uns einprasseln, aber wir gehen weiter."

    Christoph Freund (Salzburg-Sportdirektor): "Es ist schwierig zu erklären. Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, und dann bekommen wir in zwei Minuten zwei Tore, die wir so sonst nicht bekommen. Es ist bitter, es ist eine große Leere da. Wenn man 2:0 führt, darf man das Spiel nicht mehr aus der Hand geben. Das kam aus dem Nichts, die haben sich keine Chancen herausgespielt. Natürlich sind wir jetzt wieder die Blöden, wie in den letzten Jahren."

    Andreas Ulmer (Salzburg-Kapitän): "Die Enttäuschung sitzt tief drinnen. Wir haben über weite Strecken ein großes Spiel gemacht, haben sehr viele Großchancen gehabt und hätten trotz der zwei Gegentore gewinnen können. Wir haben bis zur letzten Sekunde alles probiert. Wir hätten das Weiterkommen verdient gehabt. Morgen wird sicher noch ein schwerer Tag für uns."

    Munas Dabbur (Salzburg-Doppeltorschütze): "Wir haben alles gegeben und waren die viel bessere Mannschaft. Aber das ist Fußball. Wir haben Fehler wie Kinder gemacht. Ich weiß nicht, was da gerade passiert ist. Es macht jetzt keinen Sinn zu sagen, dass wir zehnmal besser als sie waren – aber wir waren zehnmal besser."

    • Salzburg und Champions League, das passt nach wie vor nicht zusammen.
      foto: apa/krug

      Salzburg und Champions League, das passt nach wie vor nicht zusammen.

    • Hannes Wolf: holte einen Elfmeter heraus, verschuldete aber auch den Anschlusstreffer für Belgrad.
      foto: apa/krug

      Hannes Wolf: holte einen Elfmeter heraus, verschuldete aber auch den Anschlusstreffer für Belgrad.

    • Entfesselte Serben.
      foto: apa/krug

      Entfesselte Serben.

    • Ernüchterung bei Salzburg.
      foto: apa/krug

      Ernüchterung bei Salzburg.

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