US-Botschafter kritisiert Kneissl: Brücke muss zwei Seiten verbinden

    29. August 2018, 11:14
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    Trevor Traina warnt Österreich davor, in den Beziehungen zu den USA und Russland "eine Seite offensichtlich zu bevorzugen"

    Wien – Der US-Botschafter in Wien, Trevor Traina, hat die Annäherung Österreichs an Moskau kritisiert. "Wenn jemand ein Brückenbauer sein will, dann muss er schon beide Seiten miteinander verbinden, oder die Brücke ist nicht zu gebrauchen", sagte Traina in der "ZiB 2" am Dienstag in Hinblick auf die Teilnahme des russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ).

    Die USA würden verstehen, dass Österreich Beziehungen zu Russland habe, und das auch nie verhindern. "Aber man muss schon sehr vorsichtig sein, wenn eine Seite offensichtlich bevorzugt wird", kritisierte Traina, der seit Mai als Botschafter in Österreich ist.

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    Trump als Medienpräsident

    In den USA stehen Donald Trump und Teile seines Wahlkampfteams vom Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2016 unter Verdacht, mit Wahlkampfmanipulationen aus Russland unterstützt worden zu sein. Im Bezug auf illegale Wahlkampffinanzierung hat sich Trumps früherer Anwalt Michael Cohen vergangene Woche schuldig bekannt.

    Dazu sagte Traina: "Wäre es nicht furchtbar, wenn es langweilig wäre?" Trump halte die Menschen damit jeden Tag vor den TV-Schirmen, als US-Botschafter gebe es nie einen langweiligen Augenblick.

    Kurz reist nächste Woche in die Ukraine

    Putins Besuch bei Kneissls Hochzeit hat vor allem die Ukraine empört. Die Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses des ukrainischen Parlaments, Hanna Hopko, hatte erklärt, dass Österreich nun kein neutraler Vermittler in der Ukraine mehr sein könne. Am Dienstag wird Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nun die Ukraine besuchen und in Kiew Präsident Petro Poroschenko treffen. Dabei möchte Kurz "die guten bilateralen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen weiter vertiefen".

    Einen Zusammenhang zwischen dem Ärger über die Kneissl-Hochzeit und der Reise des Kanzlers bestätigte das Bundeskanzleramt der APA nicht. Gerüchten zufolge gab es allerdings nach der Hochzeit ein Telefonat Poroschenkos mit Kurz. Ein Sprecher der Kanzleramts sagte dazu: "Poroschenko und Kurz stehen in einem guten und regelmäßigen Austausch. Ein Besuch war jedenfalls für den Herbst geplant." Eine APA-Anfrage in der ukrainischen Präsidentschaftskanzlei blieb bisher unbeantwortet. (APA, red, 28.8.2018)

    • Die Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl (li.) und ihre Einladung an Russlands Präsident Wladimir Putin  machen weiter Schlagzeilen.
      foto: apa / afp / sputnik / alexei druzhinin

      Die Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl (li.) und ihre Einladung an Russlands Präsident Wladimir Putin machen weiter Schlagzeilen.

    • US-Botschafter Trevor Traina (li.), der in Alpbach auch Kanzler Sebastian Kurz traf, kritisiert Österreichs Außenamt.
      foto: apa / herbert neubauer

      US-Botschafter Trevor Traina (li.), der in Alpbach auch Kanzler Sebastian Kurz traf, kritisiert Österreichs Außenamt.

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