#MenAreTrash: Darf man Männer hassen?

    Kommentar der anderen28. August 2018, 15:13
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    Eine aktuelle Social-Media-Debatte erweist dem Feminismus einen schlechten Dienst

    Unter dem Hashtag #MenAreTrash ("Männer sind Abfall") wird seit mehreren Wochen auf Twitter und anderen sozialen Medien geschimpft und geätzt. Mit Feminismus allerdings hat dies wenig zu tun.

    Angestoßen wurde die derzeit laufende Diskussion von der deutsch-kurdischen Journalistin und Social-Media-Managerin Sibel Schick, die Ende Juli per Twitter kommunizierte, dass es "ein strukturelles Problem (ist), dass Männer Arschlöcher sind". Seitdem und seit ihrem Gedicht "Männer sind Arschlöcher" für das "Missy Magazine" wird ihr mit Vergasung, Vergewaltigung und vielem mehr gedroht.

    Derartige Reaktionen sind unzulässig und unentschuldbar!

    Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern derartige Pauschalisierungen dem Feminismus – das ist der Kampf für die Gleichberechtigung aller Menschen – nützen sollen.

    Der Onlineplattform "ze.tt" gegenüber betont Sibel Schick, dass sie damit (auch) jenen Frauen Mut machen will, die sich selbst nicht trauen, sich öffentlich zu äußern. Dass sie einen Beitrag zur Diskussion leisten will.

    Die eigentliche Frage

    Und diskutiert wird. Auf Twitter unter dem besagten Hashtag über alles Mögliche: ob man denn nun Männer hassen darf – vielleicht sogar muss? Ob viele Männer eigentlich doch nett sind und wer in der ganzen Diskussion sein "Hirn ein- oder ausgeschaltet" hat. Die eigentlichen Fragen, die den Feminismus umtreiben, nämlich: wie alle (!) Menschen – unabhängig von ihrem Geschlecht – gleichberechtigt und selbstbestimmt leben können, werden dabei nicht ansatzweise gestreift.

    Provokationen bringen selten Lösungen mit sich. Bedenklich ist dabei aber vor allem, dass dabei auch übersehen wird, dass derartig pauschal geführte und medial stark verbreitete Diskussionen Frauen, die wirklich unterdrückt werden, nicht helfen. Viel schlimmer noch: Sie sind Wasser auf die Mühlen jener, die den Feminismus als Ideologie verurteilen und vor Genderwahn und Genderideologie als Bedrohung warnen.

    Gerade im Einsatz für Frauenrechte – und auch hierbei geht es im Endeffekt um gerechte Gesellschaftsstrukturen für alle Menschen – sollte man sich zweimal überlegen, wie vorzugehen ist. Diskussionen anzustoßen ist wichtig, dies auch provokant zu tun manches Mal sicher notwendig.

    Aber mit dem Vorschlaghammer um sich zu schlagen, weil man es sich selbst leisten kann, zeugt von wenig Sensibilität gerade für die strukturellen Probleme, denen viele Frauen weltweit ausgesetzt sind. (Irene Klissenbauer, 28.8.2018)

    Irene Klissenbauer (Jahrgang 1986) ist Sozialethikerin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

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