Oculus-Erfinder: Milliardenhype Magic Leap ist eine Tragödie

    31. August 2018, 09:01
    58 Postings

    Palmer Luckey lässt kein gutes Haar an dem vielgehypten Augmented-Reality-Projekt

    Wenngleich die Investitionen in Augmented-Reality- und Virtual-Reality-Systeme in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen sind, erfreute sich ein Unternehmen unter Investoren weiter größter Aufmerksamkeit: Die AR-Lösung Magic Leap konnte in den vergangenen Jahren mehr als eine Milliarde Dollar an Risikokapital für sich gewinnen mit dem Versprechen, die digitale Welt mit der Realität verschmelzen zu können. Bei der jüngsten Kapitalerhöhungsrunde Anfang 2018 erst konnten auf einen Schlag weitere 461 Millionen Dollar gesichert werden.

    Laut Oculus-Gründer Palmer Luckey, der die von Facebook erworbene Firma vor etwas mehr als einem Jahr verlassen musste, ist Magic Leaps großer Erfolg bei Investoren jedoch eine riesige Tragödie für die gesamte AR/VR-Branche.

    magic leap
    Der Konzepttrailer zu Magic Leap aus dem Jahr 2015 ...
    magic leap
    ... und eine offizielle Gameplay-Demo vom August 2018.

    Heiße Luft?

    Nach dem Test von Magic Leaps erstem Entwickler-Kit Magic Leap One (ML1) könne er das bisherige Feedback der Rezensenten nur bestätigen: Magic Leap ist noch sehr weit weg von dem, was einst mit gestellten Demovideos versprochen wurde, und auch von dem, was die besten Konkurrenzprodukte am Markt bereits heute leisten.

    Luckey zufolge funktioniert weder die Bewegungssteuerung besonders gut, noch können das Headset und die Displays überzeugen. Das Bild sei relativ dunkel und eingeschränkt. Gravierend dabei sei zudem, dass man die einst versprochene und vielfach angepriesene Technologie der Lichtfeldprojektoren nicht einsetzt, sondern anstelle dessen auf LCOS-Displays mit LED-Beleuchtung baut, wie sie seit Jahren in Gebrauch sind – so auch bei Microsofts Holo Lens. Auch an anderer Stelle wurde getrickst: Anstatt eines angeblich selbstentwickelten Betriebssystems werde Android mit Interface-Anpassungen verwendet. Einzige positive Überraschung: Die Auslagerung des Prozessors aus dem Headset in ein externes Modul, das man am Gürtel tragen kann, erhöhe den Tragekomfort deutlich.

    Sehr bedauerliche Entwicklung

    "Magic Leap hätte die Leute wirklich umhauen müssen, um die vergangenen Jahre rechtfertigen zu können. Das Produkt, das sie herausgebracht haben, ist solide, aber nicht ansatzweise das, was gehypt wurde, und hat mehrere Schwächen, die es davon abhalten, ein nützliches Werkzeug für die Entwicklung von AR-Anwendungen zu sein. Das ist nicht gut für die XR-Industrie", schreibt Luckey. "(ML1) ist in manchen Bereichen eine Spur besser als Holo Lens, in anderen eine Spur schlechter und generell nur ein kleiner Schritt vorwärts zu dem, was vor drei Jahren state of the art war. Das ist mehr Holo Lens 1.1 als ein massenmarkttaugliches AR-System für Konsumenten."

    Das sei besonders unter der Berücksichtigung von Magic Leaps Ausnahmestellung in der Industrie sehr bedauerlich. "Ich will nur das Beste für VR und alle anderen Technologien im Reality-Virtuality-Kontinuum, inklusive Magic Leap. Unglücklicherweise ist deren aktuelles Produkt eine Tragödie im klassischen Sinn, umso mehr, wenn man bedenkt, dass das massive Investment und der Hype dahinter die ganze Luft aus dem AR-Bereich abgesaugt haben", so Luckey. "Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass uns Magic Leap auf eine falsche Fährte führt. Vielleicht wartet das revolutionäre Ding bereits hinter dem nächsten Vorhang auf uns. Bisherige Erfahrungen deuten jedoch nicht darauf hin ..." (red, 31.8.2018)

    • "Magic Leap hätte die Leute wirklich umhauen müssen, um die vergangenen Jahre rechtfertigen zu können."
      foto: magic leap

      "Magic Leap hätte die Leute wirklich umhauen müssen, um die vergangenen Jahre rechtfertigen zu können."

    Share if you care.