Test und Fazit: "Madden NFL 19"

    10. September 2018, 11:02
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    Die Neuauflage der Football-Simulation aus dem Hause EA weiß mit brillanter Präsentation, Finetuning in der Spielmechanik und der Fortsetzung des Storymodus zu überzeugen

    Antonio Brown, Wide Receiver und Star der Pittsburgh Steelers thront majestätisch am diesjährigen Madden-Cover. Mit grimmigen Blick empfängt er einen auch gleich im Ladebildschirm des Spiels. Eine schnelle Partie zwischen den Philadelphia Eagles und den Jacksonville Jaguars verkürzt uns die Wartezeit, bis das Spiel zur Gänze installiert ist. Ein paar Spielzüge später führen wir zur Halbzeit 14:3 und bekommen einen ersten Eindruck der diesjährigen Auflage von Madden NFL 19 (PC, PS4 und Xbox One; 59,99 Euro). Einige Partien später sind zahlreiche Features entdeckt, Veränderungen zur Vorjahresversion ausprobiert worden und hat sein Lieblingsteam im Franchisemodus mehr oder minder erfolgreich vertreten.

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    Detaillierte Spielerkontrolle

    Einige der Neuerungen drehen sich rund um das realistisch anmutende Spielgefühl, wenn man Spieler am Feld steuert. Möchte man in einem Laufspielzug mit dem Running Back durch die gegnerischen Verteidigungslinien kommen, machen sich physische Eigenschaften der unterschiedlichen Running Backs deutlich bemerkbar. Steuert man eine Naturgewalt wie Cowboys-Spieler Ezekiel Elliott, hat man deutlich mehr Durchschlagskraft durch die Defensive Line. Im Gegensatz dazu ist man mit leichteren aber wendigeren Spielern wie zum Beispiel Philadelphias Darren Sproles, wesentlich agiler unterwegs, kommt er einmal im offenen Feld ins Laufen.

    Auch an der Line of Scrimmage macht sich das bemerkbar. Das in Vorgängerversionen oft schienenartig anmutende Suchen und Finden einer Lücke für das erfolgreiche Laufspiel ist nun wesentlich dynamischer und macht richtig Spaß. Wichtig dabei ist auch die richtige Handhabe des Sprint-Knopfes. In der Euphorie neigt man meistens dazu von Anfang bis Ende die Taste bis zum Anschlag zu drücken – das mag manchmal lohnen, doch auch mit ein wenig mehr Gefühl kommt man zum Erfolg. Jukes, Spins und Cuts werden besser ausgeführt, wenn der Spieler gerade nicht im Vollsprint ist. Dies gibt dem ganzen mehr Simulations- und weniger Arcade-Feeling.

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    Überzeugende Präsentation

    Wer American Football im Fernsehen verfolgt, ist dramatische und imposante Aufmachung gewohnt. Auch Madden 19 lässt sich hierbei größtenteils nicht lumpen, holt aus der Frostbite Engine viel heraus und beeindruckt mit stimmigen Pre-Game-Szenen und detailliert gerenderten Außenaufnahmen einiger NFL-Stadien. Kenner von EAs Sportsimulationen sind jährliche Verbesserungen an der Grafik gewohnt und erwarten diese auch. Das Spiel sieht schon auf der Playstation Pro fantastisch aus, PC-Gamer dürfen sich heuer ebenfalls endlich das lederne Eierlaberl zuwerfen und je nach Setup das Spiel jenseits von Framerate-Beschränkungen, wie man sie von Konsolen kennt, genießen.

    In Madden 19 darf man sich auf flüssigere Animationen, real anmutende Bewegungen der Spieler und Details freuen, an die man im ersten Moment gar nicht denkt. So wurde in diesem Jahr Spieler-Bewegungen auch zu Ende und noch weiter gedacht. Ein Beispiel: Eigene, speziell für den Zweck angefertigte Animationen beim Aufstehen von Spielern sorgen für realistisches Gameplay. Wenn ein Defensive Lineman umfällt und wieder aufsteht, sieht das wesentlich behäbiger aus, als wenn ein flinker Cornerback stolpert und sich auf einen Arm gestützt wieder gekonnt zur Laufbewegung ansetzt.

    EA hat auch zahlreichen Spielern einzigartige Bewegungsmuster verpasst. Beobachtet man Green Bay Packers Quarterback Aaron Rodgers, wie er sich vor dem Snap seine Oberschenkel-Pads richtet, ist man erstaunt, wie viel Detailliebe die Entwickler in das Spiel einfließen haben lassen. Kleinigkeiten, zugegeben, aber sie komplettieren das umfassende Spielerlebnis. Auch für die Ohren gibt’s bei Madden 19 einiges, Brandon Gaudin und Charles Davis kommentieren anlassbezogen und über den Lauf der echten NFL-Saison sollen auch aktuelle Entwicklungen Einzug in deren Spielkommentar finden. Der Soundtrack ist für Fans des Genres gelungen, diejenigen, die nicht allzu sehr auf Hip Hop stehen, werden die Musikauswahl im Spiel aber als recht eindimensional empfinden.

    Komplexes Spielerlebnis

    3rd Down an der eigenen 40-Yard-Linie, wir haben den Ball und wollen Punkte erzielen. Der Gegner verteidigt Cover 3, ein tief postierter Safety lädt uns dazu ein, eine Seite mit Receivern zu überladen. Set, hut – nach dem Snap müssen wir erkennen, dass es nur Cover-1-Man ist und der Blitz ereilt unseren Quarterback. Wir punten im 4th Down und die Defense trottet aufs Feld. Was sich für noch nicht so versierte Madden-Spieler wie Chinesisch liest, ist für Eingeweihte bekannt und weist auf die Tiefe des Spiels hin. Schon bei einer schnellen Partie im "Play Now"-Modus kann man sich für einen von drei Simulationsgraden entscheiden.

    Arcade bringt ohne Probleme spektakuläre Touchdowns, imposante Tacklings und vorgefertigte Spielzüge auf den Bildschirm. "Simulation" bietet das wohl authentischste Spielerlebnis, hier kommen die Ratings der einzelnen Teams und Spieler deutlich zu tragen und entscheiden mit über Sieg oder Niederlage an der Line of Scrimmage und darüber hinaus. Bei "Competitive" werden sich echte Gamepad-Artisten heimisch fühlen, denn hier kommt es darauf an mit dem Stick einzelne Spieler virtuos zu einem Yard-Gewinn zu steuern. Dies ist auch der Spielmodus, der in Ligen und Mehrspieler-Turnieren verwendet wird.

    Fortsetzung des Storymodus

    Für Devin Wade und Colt Cruise geht die Geschichte aus dem Vorjahr weiter. Die zwei Protagonisten aus dem Story-Modus "Longshot", der in Madden 18 erstmals eingeführt wurde, lassen den Spieler die NFL hautnah aus der Perspektive eines hoffnungsvollen Talents erleben und erzeugen emotionale Bindung zu den Charakteren. Während sich der eine bei den Dallas Cowboys wiederfindet, gilt es für den anderen seine Karriere nach einigen Fehltritten abseits des Sportlichen zu retten – ganz so wie man es von verhaltensauffälligen Spielern aus der echten NFL auch kennt.

    Im Vergleich zum Vorjahr kann man in Madden 19 die beiden Charaktere auch vermehrt am Feld steuern. Integration der beiden in den Connected-Franchise-Modus sowie "Madden Ultimate Team" ebenfalls inklusive. Dennoch merkt man dem Modus sein erst zweijähriges Bestehen an, man kann aber davon ausgehen, dass dieses Feature weiter entwickelt wird.

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    Fazit

    EA hat mit der Madden-Reihe eine Monopolstellung für Football-Spiele. Doch sie ruhen sich darauf nicht aus und liefern pünktlich zum Saisonstart in der NFL wohl eine der besten Sportsimulationen, die derzeit am Markt erhältlich ist. So schön war American Football noch nie und auch das Gameplay entspricht größtenteils der Aufmachung. Dazu kommt die Skalierbarkeit des Spielerlebnisses: Wer nicht knietief ins Playbook eintauchen möchte, kann nach wie vor mit den Spielzugvorschlägen eine schnelle Partie gegen einen Freund zocken, wer nicht genug bekommen kann von Zone-Reads, Audibles und Tight-End Offsets darf sich auf komplexe Taktikvarianten freuen und kommt auch auf seine Kosten.

    Am Story-Modus sollte EA noch ein wenig feilen, hier gibt es Potenzial nach oben. Wer schon länger kein Madden gekauft hat, kann bedenkenlos zuschlagen. Wer die Vorjahresversion hat, sollte aber genau hinschauen, ob die Updates in Madden 19 den Kaufpreis zur Gänze rechtfertigen. (mahr, 10.09.2018)

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Richtlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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    Madden NFL 19

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