Google-X-Gründer: Flugtaxis könnten günstiger werden als Uber

    28. August 2018, 17:57
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    Reise von einer Stunde könnte auf wenige Minuten reduziert werden und dabei viel Energiekosten sparen, sagt Sebastian Thrun

    Sebastian Thrun gehört zu den führenden Experten im Bereich der Robotik und fliegender Taxis. Dazu betreibt er eine Onlinebildungsplattform namens Udacity, die Menschen ermöglicht, sich tieferes Wissen in Themenbereichen von digitalem Marketing bis zur Blockchain anzueignen. Einst hat er Google X mitgegründet, jene Abteilung, die für langfristige, technologische Zukunftsprojekte zuständig war und heute als eigenständige Firma unter dem Dach von Alphabet operiert.

    Die nahe Tech-Zukunft sieht er optimistisch. Im Interview mit dem "Guardian" erklärt er, dass Flugautos und künftig nicht nur schneller ans Ziel bringen werden, sondern auch Unfälle vermeiden werden und außerdem deutlich weniger kosten könnten als heutige Fahrdienste. Künstliche Intelligenz wird seiner Ansicht nach außerdem so manchen Besuch beim Arzt ersparen.

    screenshot: luftlinie.org
    Vergleich: Fahrtweg (blau) und Luftlinie von Jersey City zum Times Square.

    Wenige Minuten statt einer Stunde

    Will man heute aus New Jersey in die Nachbarstadt New York zum Times Square, so errechnet Google eine Auto-Fahrtzeit von 21 bis 27 Minuten. Staubedingt kann der Trip über 15 Straßenkilometer aber auch schon einmal eine Stunde dauern. Das wird sich ändern, gibt sich Thrun überzeugt.

    Per Lufttaxi ließe sich dieser Weg in wenigen Minuten erledigen. Denn man könnte die deutlich kürzere Luftlinie (rund acht Kilometer) nehmen und heute konstant mit einer Geschwindigkeit von rund 130 km/h zurücklegen. Dabei komme man auf Energiekosten (nach US-Preisen) von vielleicht zehn Dollarcent. "Das wäre weltbewegend für jeden, den ich kenne", meint der Unternehmer, der mit seinem Unternehmen Kitty Hawk selbst an einem privaten Luftauto, als auch einer fliegenden Taxidrohne arbeitet. Die Flugautos könnten in puncto Kosten Dienste wie Uber oder Lyft in Zukunft ausstechen.

    kitty hawk
    Ein Video über "Flyer", das private Flugauto, das von Kitty Hawk entwickelt wird.

    Mehr Sicherheit dank vieler Motoren

    Während es am Boden immer "verstopfter" wird, sei in der Luft noch genug Platz. Ein Wechsel der Flughöhe würde es leicht machen, Staus zu vermeiden. Und die Technologie soll grundsätzlich schon bereit sein. Seine Flugautos würden heute eine Flugzeit von 20 Minuten bei einer Reichweiter von etwa 80 Kilometern besitzen, was für die meisten täglichen Fahrten völlig ausreichend sei.

    Auch für Sicherheit ist gesorgt. Wenngleich "Flyer" bei seinen Testflügen nur drei Meter über einer Wasserfläche unterwegs sei, soll die Technologie bald schon sicherer sein, "als die meisten kleinen Flugzeuge". Dafür sorge die Vielzahl an Motoren und Propeller beim Antrieb. Fällt ein Teil aus, sei das noch kein großes Problem.

    Größtes Hindernis auf der Straße: Akzeptanz

    Die Zukunft selbstfahrender Straßenautos sieht er ebenfalls positiv. Die Technologie sei hier schon reif für den Einsatz. Bei Testfahrten habe Waymo, das aus Googles Projekt zu selbstfahrenden Autos hervorgegangen ist, in fünf Kilometern nur eine kleine Kollision bei fünf Millionen Kilometern verbucht, die durch einen Softwarefehler entstanden ist. Menschliche Fehlerfaktoren – Müdigkeit, Ablenkung oder Alkohol am Steuer – würden eliminiert.

    Die Systeme seien in der Lage, auch kleinste Bewegungen zu erkennen. Anzahl der Verkehrsunfälle mit Autos könnte um den Faktor 10 oder mehr reduziert werden. Die größte Hürde sei es wohl, Akzeptanz für die eigenständig fahrenden Autos in der Bevölkerung zu finden. Für Skepsis sorgte in der jüngeren Vergangenheit ein tödlicher Unfall, bei dem ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Frau erfasste, die gerade ihr Rad über die Straße schob.

    Selbstdiagnose statt Arztbesuch

    Künstliche Intelligenz wird laut Thrun auch in allerlei anderen Bereichen große Veränderungen bringen. So werden Menschen künftig für viele Untersuchungen nicht mehr den Arzt aufsuchen müssen, sondern diese daheim durchführen. Schon heute, so betont der Forscher, sei der Computer bei der Erkennung von Hautkrebs genauso gut, wie die besten menschlichen Experten. (red, 28.08.2018)

    • Flugmaschinen wie Kitty Hawks "Flyer" sollen künftig einmal als Ersatz für heutige private PKWs dienen.
      foto: kitty hawk

      Flugmaschinen wie Kitty Hawks "Flyer" sollen künftig einmal als Ersatz für heutige private PKWs dienen.

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