Ungarischer TV-Sender präsentiert AfD-Politiker als besorgte Bürger

    24. August 2018, 15:58
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    Der ungarische Sender M1 zeichnet gezielt ein einseitiges Bild von Deutschland: AfD-Politiker werden interviewt, ohne also solche vorgestellt zu werden

    Der ungarische staatliche TV-Sender M1 vermittelt gezielt ein verzerrtes Deutschlandbild. Immer wieder treten in Beiträgen über Deutschland AfD-Politiker auf, ohne dass sie als solche ausgewiesen werden. Zu dieser Erkenntnis kommt Márta Orosz, Reporterin des Recherchekollektivs "Correctiv.org".

    Laut Orosz tauchten im ungarischen Fernsehen seit Februar 2018 mindestens siebenmal AfD-Politiker auf, ohne dass ihre Parteizugehörigkeit genannt wurde. Als "besorgte Bürgerin" wurde auch Marie-Thérèse Kaiser interviewt. Die 21-Jährige ist Kreisvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) in Rotenburg. Sie zeigte sich in einem Telefoninterview mit dem Sender M1 über die Sicherheit in Hamburg besorgt.

    "Besorgte Bürger" aus der AfD

    In einem Beitrag erzählte Michael Poschart, Kreisvorsitzender der AfD in Pinneberg (Schleswig-Holstein), über angebliche Probleme, die im Hamburger Stadtteil Sternschanze durch Migranten und Flüchtlinge entstanden seien. Zwei Woche davor war er ebenfalls in einem Beitrag zum Thema "Zuwanderung" als Drehhelfer zu sehen. Poschert wurde als "normaler Bürger" präsentiert.

    Im gleichen Beitrag erzählt Olaf Grohnwald von der AfD in Baden-Württemberg der ungarischen Reporterin, dass er seine Wohnung habe aufgeben müssen, weil in der Nachbarschaft Migranten angesiedelt wurden.

    Das NDR-Medienmagazin "Zapp" wollte von Poschart wissen, wie er ins ungarische Fernsehen kommt. Er sei schriftlich kontaktiert worden und habe sich auch als AfD-Politiker vorgestellt, sagt Poschart. Allerdings habe er nicht überprüft, ob es im Beitrag auch angegeben worden sei.

    "Eine einzige Meinung"

    Die "Correctiv"-Reporterin Márta Orosz, die in der Vergangenheit auch für den ungarischen Sender M1 gearbeitet hat, glaubt nicht an eine zufällige Häufung eingeladener AfD-Politiker. Die M1-Repoter seien auf Netzwerke mit passenden Interviewpartner angewiesen, denn "wenn man jeden Tag Berichte produzieren muss, in denen nur eine einzige Meinung vorkommen soll, dann braucht man Personen, von denen man weiß, dass sie genau das sagen werden, das meinen Chef und der Regierung gefällt."

    • Die AfD und ihre Politiker finden Gehör im ungarischen TV.
      foto: imago/eibner

      Die AfD und ihre Politiker finden Gehör im ungarischen TV.

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