Abriss: Platz da für die U-Bahn

    25. August 2018, 14:00
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    Mit dem Ausbau der U-Bahn wird es ernst: Am künftigen Knotenpunkt U2/U4 muss ein Gebäude weichen. Danach soll wieder ein Wohngebäude entstehen

    James Dean schaut mit gerunzelter Stirn aus dem Fenster. Das Schwarz-Weiß-Poster der Hollywood-Legende hängt in einer Wohnung im ersten Stock eines Hauses in der Hofmühlgasse in Wien-Mariahilf. Man sieht es schon von der Straße aus. Ansonsten steht das Haus seit dem heurigen Frühjahr leer.

    Denn dort, wo sich jetzt noch der Hausgang des Gründerzeithauses befindet, werden in einigen Jahren Fahrgäste unterwegs sein, die einen U2-Ausgang des neuen Verkehrsknotenpunktes Pilgramgasse nutzen. Nach dem U-Bahn-Ausbau, für den derzeit noch die Vorarbeiten laufen, werden sich hier voraussichtlich ab 2026 die U2 und die U4 kreuzen.

    Das Haus in der Hofmühlgasse – Baujahr circa 1860 – muss daher abgerissen werden. Es ist das einzige Wohnhaus in Wien, das für die U-Bahn Platz machen muss, wird bei den Wiener Linien betont. Sie haben der Eigentümerin das Haus abgekauft. Die Verhandlungen seien "relativ unkompliziert" gewesen, so Pressesprecherin Johanna Griesmayr: "Aber dass die erste Reaktion nicht unbedingt Jubelschreie sind, ist auch klar."

    Öffentliches Interesse

    Ein Ausweichen wäre allerdings auch bei einem Veto der Eigentümerin nicht möglich gewesen. "Die Lage einer U-Bahn ist nicht variabel", so Griesmayr. "Für den Einzelnen ist das oft auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar." Verhindern kann ein Eigentümer den U-Bahn-Bau nicht, weil daran öffentliches Interesse besteht. Im schlimmsten Fall droht eine Enteignung.

    Allerdings nur in der Theorie. "Unser Ziel war immer, mit allen Parteien einvernehmliche Lösungen zu finden", so Griesmayr. Für Gespräche mit Mietern und Bewohnern gebe es allerdings kein allgemeingültiges Rezept.

    Die ersten Gespräche mit der Eigentümerin des Hauses hat es laut Griesmayr schon 2015 gegeben. Der Wert des Hauses und der Mietverträge sei von einem Sachverständigen festgelegt worden. Insgesamt gab es im zweistöckigen Wohnhaus fünf Wohnungen, ein Teil davon wurde eigengenutzt. Die Mieter seien bei der Suche nach einer Ersatzwohnung unterstützt worden.

    "Ein Wahnsinn"

    Die Mieter der beiden Geschäftslokale im Erdgeschoß sind bei der Suche nach einem neuen Standort gleich in der Nähe fündig geworden: Ein Massagesalon hat schräg gegenüber neu eröffnet. Das Vintage-Kleidungs-Geschäft Polyklamott zog ein paar Meter weiter in ein Erdgeschoßlokal in der Mollardgasse 13, wo ihm nun mit einer Mietfläche von insgesamt 168 Quadratmetern auf zwei Etagen mehr Platz zur Verfügung steht.

    Leicht war es für Geschäftsführer Christoph Pfandler trotzdem nicht, den alten, seit 19 Jahren genutzten Standort aufzugeben, wie er im Gespräch mit dem STANDARD erzählt: "Am Anfang war das ein Wahnsinn", sagt er. "Ich wollte meine Existenz nicht verlieren." Zwei Jahre habe die Suche nach neuen Geschäftsflächen gedauert.

    Der neue Standort wurde dann vier Monate lang renoviert und Anfang Mai eröffnet. Bisher ist Pfandler damit zufrieden: "Es scheint, als würden mich die Kunden weiterhin finden." Allerdings befürchtet er bis zur Fertigstellung der neuen U-Bahn-Station noch einige Durststrecken: Ab Februar 2019 hält die U4 an der Station Pilgramgasse wegen der Bauarbeiten ein Jahr lang nicht.

    Fenster verbarrikadiert

    Auch mit den Bewohnern des Nachbarhauses habe es Gespräche gegeben, berichtet Griesmayr. Immerhin wird auf dem Grundstück nicht nur ein U-Bahn-Ausgang gebaut, sondern die Fläche auch während der Bauarbeiten in den kommenden Jahren genutzt werden. Besonders wichtig ist den Anrainern laut Griesmayr der Erhalt eines alten Baumes im Innenhof. Das werde man berücksichtigen.

    Die Fenster im Erdgeschoß des leerstehenden Hauses sind seit einiger Zeit verbarrikadiert. Ein Mitarbeiter kontrolliert das Gebäude regelmäßig. Der Abrissbagger wird allerdings erst in einem Jahr anrücken.

    Gewerbebau abgerissen

    Deutlich schneller ging es an der Triester Straße im zehnten Bezirk: Dort musste mit dem Blumengeschäft "Blumen 2000" nämlich auch ein Gewerbebau weichen. Hier wird der Startschacht für die Tunnelbohrmaschine sein. Das Gebäude wurde von den Wiener Linien gekauft und abgerissen, dabei wurde laut Griesmayr auch Asbest gefunden.

    Die Liegenschaft in der Hofmühlgasse im sechsten Bezirk werden die Wiener Linien nicht behalten: Hier wird über dem U-Bahn-Ausgang ein Wohnbau gemäß der dortigen Widmungsklasse errichtet. Laut aktuellem Flächenwidmungs- und Bebauungsplan der Stadt Wien darf das Haus nicht höher als zwölf Meter sein. Bis zur Eröffnung des neuen Knotenpunkts 2026 soll es fertig sein. (Franziska Zoidl, 25.8.2018)

    • Heute steht an der Ecke Hofmühlgasse / Mollardgasse noch ein unscheinbares Gründerzeithaus.
      foto: putschögl

      Heute steht an der Ecke Hofmühlgasse / Mollardgasse noch ein unscheinbares Gründerzeithaus.

    • In einigen Jahren wird sich hier ein neues Haus inklusive U-Bahn-Aufgang befinden.
      foto: standard

      In einigen Jahren wird sich hier ein neues Haus inklusive U-Bahn-Aufgang befinden.

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