Lernen für den Nachzipf – und wie Eltern damit umgehen sollten

    Blog24. August 2018, 11:00
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    Lernen in den Ferien ist für viele Jugendliche das Schlimmste. Doch um ein Schuljahr nicht wiederholen zu müssen, sollten Regeln und Lernzeiten festgelegt werden

    Adrian (12) und sein Bruder Eric (9) müssen einen Monat vor Schulbeginn wieder jeden Tag etwas für die Schule tun. Eric hat von seiner Klassenlehrerin ein Ferienheft mitbekommen, mit dem er das Gelernte vom letzten Schuljahr wiederholen soll. Adrian will indes nicht lernen, da sein Zeugnis ohnehin sehr gut war. Jeden Tag beginnt Adrian mit der Mama die gleiche Diskussion, anstatt sich einfach für ein paar Minuten hinzusetzen und zu lernen.

    Franziska ist 14 und hat im letzten Zeugnis zwei "Nicht genügend" bekommen. Sie darf in beiden Fächern zur Wiederholungsprüfung antreten, aber statt zu lernen, trifft sich das Mädchen viel lieber mit Freundinnen im Freibad, was zu Auseinandersetzungen mit ihren Eltern führt. Die wiederum streiten auch, weil sie sich nicht einig sind, ob sie Franziska irgendwie zum Lernen zwingen oder einfach das Wiederholen im nächsten Schuljahr in Kauf nehmen sollten.

    Der 16-jährige Axel muss im nächsten Schuljahr die Klasse wiederholen. Marina, seine Mutter, findet, dass er sich trotzdem weiterhin mit seinen Schulschwächen beschäftigen und Vokabeln oder einige Rechenbeispiele wiederholen sollte. Um nicht den Satz "Wenn du das nicht machst, dann melde ich dich von der Schule ab" ständig zu hören, setzt sich Axel hin und wiederholt halbherzig Vokabeln oder rechnet, empfindet das aber als sinnlos.

    Endlich Ferien

    Während des Jahres sind Ferien die schönste Zeit für Kinder und Jugendliche: So lange schlafen, wie man möchte, endlich aufbleiben, bis es draußen dunkel wird, Computerspiele spielen und nach Herzenslust das tun, was man möchte. Davon träumen Kinder und Jugendliche, wenn sie an Sommerferien denken.

    Viele Eltern hingegen haben Angst, dass ihr Nachwuchs in der freien Zeit alles Gelernte wieder vergessen könnte. So werden Ferienaktivitäten gesucht, wo Kinder und Jugendliche neben dem Spaß auch lernen können. Viele Camps sind darauf ausgerichtet, ihnen dabei zu helfen, auch in den Ferien ihre Defizite auszugleichen oder einfach noch mehr dazuzulernen.

    foto: heribert corn/www.corn.at

    Was, wenn eine Wiederholungsprüfung droht?

    Nicht alle haben das letzte Schuljahr positiv abgeschlossen. Sie müssen sich in den Ferien auf eine oder zwei Wiederholungsprüfungen vorbereiten. Dies bedeutet, dass die Jugendlichen Lernzeiten in den Tagesablauf einplanen müssen. Eltern können ihre Kinder dabei unterstützen. So ist das Planen der täglichen Lernzeit ein wichtiger Schritt dafür, dass die Notwendigkeit dieser Prüfung wieder ins Gedächtnis gerufen wird. Auch beim Aufteilen des zu wiederholenden Lernstoffs und in seinem Vorhaben, die Klasse doch noch positiv abzuschließen, kann das Kind unterstützt werden. Unterstützung kann in diesem Fall vieles bedeuten, wie zum Beispiel das Organisieren von Nachhilfe und Unterlagen oder dem Kind und Jugendlichen Mut zuzusprechen.

    Dabei ist es wichtig, dass miteinander speziell die Schwächen herausgefunden werden. Es kann sein, dass es nicht notwendig ist, den ganzen Stoff gleich intensiv zu wiederholen, sondern mithilfe der Eltern oder der Nachhilfe spezielle Schwerpunkte zu setzen.

    Die Angst der Eltern

    Trotz aller Hilfe und Unterstützung der Eltern kann es sein, dass sich der Erfolg nicht einstellen will und das Kind die Klasse wiederholen muss. Das ist erst einmal grundsätzlich kein Problem. Doch viele Eltern haben die Befürchtung, dass auch diesmal der Ehrgeiz des Nachwuchses womöglich zu wünschen übrig lässt oder aber das Ziel eines erfolgreichen Abschlusses vielleicht doch nicht erreicht wird.

    Eltern haben Träume

    Eltern und Bezugspersonen haben für das Leben ihrer Kinder Ideen und Wünsche, auch wenn sie es nicht nach außen zugeben. Sie träumen davon, dass ihr Nachwuchs ein erfolgreiches und glückliches Leben führen kann. Dazu zählt in unserer heutigen Gesellschaft eine gute Bildung als Chance für ein erfolgreiches Leben. Viele Eltern und Bezugspersonen geraten bei einem oder mehreren "Nicht genügend" im Zeugnis in Panik. Manche schreien herum, sprechen irgendwelche Verbote aus und nehmen diesen Misserfolg ziemlich persönlich. Oft passiert es, dass Eltern sich selbst große Vorwürfe machen, das Kind oder den Jugendlichen zu wenig unterstützt zu haben.

    In jeder Familie schaut Unterstützung anders aus. Während das eine Kind viel Motivation und Anerkennung benötigt, macht das andere gerne seine Aufgaben allein – und die Schule läuft so nebenbei.

    Es kommt darauf an, wie die Familie mit Schule und Leistungen umgeht und welchen Stellenwert Schule und Bildung in der Familie an sich einnehmen. Auch von Bedeutung sind Faktoren, wie wichtig Noten tatsächlich in den Augen der Eltern sind und welche Überzeugung die Erwachsenen haben, was zu einem gelungenen Leben führen kann. Nicht zuletzt kommt es auf die Erfahrungen an, die Erziehende in Bezug auf Schule und Leistung selbst gemacht haben.

    Ihre Erfahrungen?

    Wie gehen Sie mit einem Nachzipf Ihrer Kinder um? Haben Sie selbst die Erfahrung einer Nachprüfung gemacht? Posten Sie Ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 24.8.2018)

    Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

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