Jonas Kaufmann verletzt in den "Seitenblicken": Szenen einer Opernzehe

22. August 2018, 17:29
7 Postings

Ein Familienmitglied habe ihn beim Gartenkick "dermaßen gefoult", dass "die Zehe quer rüberhing"

Opernübertragungen im TV sind besser als gar nichts – aber letztlich Kulturschocks. Die übergroßen Gesten, Alltag in Tempeln der heftigen Gefühle, schrecken Betrachter ab mit Schauspielkunst im X-large-Format. Glaubwürdigkeit ist so nicht ins Wohnzimmer zu beamen. Da müssten Sänger speziell für TV-Kameras posieren, also diskret. Das Problem: Opern fürs Heimkino zu inszenieren ist Aufwand.

Genregrößen abseits der Bühne zu porträtieren bleibt insofern billiger und animierender. Tenöre sind ja auskunftsfreudig, mehr denn je. Es herrscht letztlich CD-Krise. Man muss werben. Man lässt sich befragen, selbst wenn eine Zehe brach wie bei Jonas Kaufmann.

In Grafenegg, wo der Tenor bei der Teilerweckung von Wagners Walküre mitwirkte, wurden die ORF-Seitenblicke Zeuge: Intendant Rudolf Buchbinder "schockte" das Publikum, indem er kundtat, dass Kaufmann als Siegmund seine Sieglinde zeitweise nur sitzend anschmachten wird können. Drama! Einen "derben Humor" bescheinigte Kaufmann Herrn Buchbinder. Er kam dann aber nicht mehr um eine Erklärung seines Zustands herum: Ein Familienmitglied habe ihn beim Gartenkick "dermaßen gefoult", dass "die Zehe quer rüberhing", also quasi "ganz weg war".

Es gab für Kaufmann Solidarität. Auch andere Sänger saßen beim Konzerte zwischendurch, ohne lädiert zu sein. Kaufmann unterstellte den Kollegen zunächst zwar Faulheit, besann sich aber: Es wäre wohl nur Hilfsbereitschaft ihm gegenüber gewesen. Damit er, der Tenor mit der kaputten Zehe, "nicht so deppert" aussieht.

So ging die kurze Szene versöhnlich zu Ende, die besser war als jede konventionelle Opernübertragung. (Ljubiša Tošić, 22.8.2018)

Link zur ORF-TVThek

"Seitenblicke" zum Nachsehen

  • Jonas Kaufmann.
    foto: screenshot / orf tvthek

    Jonas Kaufmann.

Share if you care.