Viele Erkrankungen des Gehirns sind miteinander verwandt

    23. August 2018, 06:00
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    Eine Studie hat das Genom von 1,1 Millionen Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen untersucht. Etwa Angststörungen und Depressionen korrelieren

    Anorexie, Depression oder Schizophrenie sind psychiatrische Erkrankungen. Sie wurden bisher meist phänotypisch anhand ihrer Symptome diagnostiziert. Doch "es gibt keine 'reine' Depression, oder 'reine' Anorexie, die nicht Symptome anderer psychischer Störungen aufweist. Eine Diagnose ist immer heterogen", sagt Andreas Karwautz, Kinder- und Jugendpsychiater der Universitätsklinik der Med-Uni Wien.

    Karwautz war kürzlich an einer Studie beteiligt, die sich nun mit der genetischen Verwandtschaft verschiedener psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen beschäftigt hat und im Magazin "Science" veröffentlicht wurde. Durchgeführt wurde sie vom internationalen "Brainstorm Consortium" von Harvard University und Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die Wiener Wissenschafter lieferten dazu Daten von jugendlichen Patienten mit Essstörungen.

    Die Studie analysierte Daten zum Genom von rund 265.000 psychiatrischen und neurologischen Patienten sowie von 785.000 gesunden Menschen. Untersucht wurde, ob Erkrankungen mit bestimmten genetischen Merkmalen miteinander zusammenhängen. Für die aktuelle Studie wurden gemeinsame Erbanlagen von fünfzehn neurologischen und zehn psychiatrischen Erkrankungen überprüft.

    Genetische Gemeinsamkeiten

    Die psychiatrischen und neurologischen Krankheiten wurden als jeweils eigene Gruppe betrachtet und dann im Vergleich zueinander. Das Ergebnis: Es gibt bei einigen psychiatrischen Erkrankungen große genetische Gemeinsamkeiten, wodurch das Risiko sich erhöht, im Fall einer Krankheit auch an der entsprechend korrelierten zu erkranken. Das gilt für Schizophrenie, depressive Episoden, bipolare Störung, Angststörung und ADHS, nicht aber für das Tourette-Syndrom (Tics) und Autismus. Diese Krankheiten wiesen kaum genetische Korrelationen auf.

    Depression und Angststörung wiederum dürften genetisch eng verwandt sein, auch wenn die Symptome unterschiedlich sind. Dasselbe gilt für Magersucht und Zwangsstörungen sowie für Schizophrenie und bipolare Störung.

    Eine weitere Erkenntnis aus der Studie: Neurologische Erkrankungen unterscheiden sich genetisch stärker voneinander sowie von den psychiatrischen Störungen, mit Ausnahme der Migräne. Für dieses Krankheitsbild wurden Korrelationen mit ADHS, Tourette-Syndrom und depressiven Episoden gefunden. Die Studie zeigte demnach, dass es bei speziellen genetischen Anlagen zu Überlappungen kommt. Karwautz: "Diese Genom-Analyse mit erstmals relevant hohen Fallzahlen ist eine gute Basis für eine Verbesserung der psychiatrischen Klassifikationsmodelle mittels einer neurobiologisch fundierten Diagnostik." (red, 23.8.2018)

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