Der kriminelle Orbit des Donald Trump

    25. Jänner 2019, 17:51
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    Immer mehr frühere Mitarbeiter des US-Präsidenten geraten ins Visier der US-Justiz

    foto: ap photo/jacquelyn martin
    "Guilty" steht nicht nur auf dem Transparent, das ein Demonstrant vor einem US-Bundesgericht in Virginia in die Höhe hielt, sondern "schuldig" sagten auch zwölf Geschworene im Prozess gegen Paul Manafort im Gerichtsgebäude.

    Nach der Verhaftung des langjährigen Trump-Vertrauten Roger Stone am Freitag wird die Liste an Angeklagten in den Russland-Ermittlungen immer länger. Stone ist einer von einer ganzen Reihe von Mitarbeitern und Vertrauten aus dem Umfeld des Präsidenten, die ins Visier der US-Justiz geraten sind:


    VERURTEILT

    Paul Manafort

    foto: reuters/yuri gripas/file photo

    Der Ex-Wahlkampfleiter von Donald Trump wurde in einem Prozess im August 2018 wegen Steuerhinterziehung und Bankbetrugs von einer Jury in acht der 18 Anklagepunkte schuldig gesprochen. In zehn Punkten konnten sich die Geschworenen auf kein Urteil verständigen. Manafort hätte sich danach im September 2018 vor einem Gericht in Washington wegen Geldwäsche, Verschwörung und Zeugenbeeinflussung verantworten müssen, entschied sich aber zunächst dafür, mit den Ermittlern zu kooperieren. Allerdings belog er danach die Ermittler erneut, weswegen die Vereinbarung von der Staatsanwaltschaft aufgekündigt wurde. Nun wartet Manafort auf die Verkündung des Strafmaßes.


    Michael Cohen

    foto: reuters/jackson

    Der ehemalige persönliche Anwalt Trumps bekannte sich unter anderem wegen des Verstoßes gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze schuldig. Cohen gestand Schweigegeldzahlungen an Frauen, mit denen Trump Affären gehabt haben soll. Außerdem räumte er vor Gericht Steuerhinterziehung ein. Im Dezember wurde er von einem New Yorker Gericht zu einer dreijähriger Haft verurteilt, auch wegen Meineids in früheren Aussagen gegenüber dem Kongress.


    Alex van der Zwaan

    foto: reuters/leah millis

    Der ehemalige Geschäftspartner von Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort und dessen Stellvertreter Rick Gates belog Ermittler hinsichtlich eines Gesprächs, das er im September 2016 mit Gates geführt hatte. Der Niederländer bekannte sich schuldig und wurde zu 30 Tagen Haft verurteilt


    George Papadopoulos

    foto: afp photo / linkedin

    Der ehemalige Berater in Donald Trumps Wahlkampfteam log FBI-Ermittler über ein Treffen mit russischen Kontaktleute an. Dabei wurde ihm mitgeteilt, dass Moskau belastendes Material und tausende E-Mails gegen Trumps demokratische Konkurrentin Hillary Clinton habe. Nach seiner Verhaftung im Juli 2017 kooperierte er mit den Ermittlern. Er wurde im September 2018 zu zwei Wochen Haft verurteilt.


    Richard Pinedo

    Die Anklage gegen Richard Pinedo ist ein Nebenprodukt der Russland-Ermittlungen. Der Computeringenieur aus Kaliforniern verkaufte von 2014 bis 2017 gefälschte Bankkonten – unter anderem an Russen, die mit diesen Daten US-Bürger imitierten. Pinedo bekannte sich schuldig und kooperiert mit den Ermittlern. Er hat laut Anklagebehörde nichts von den russischen Aktivitäten gewusst. Er wurde im Oktober zu sechs Monaten Haft verurteilt.


    SCHULDIG BEKANNT

    Michael Flynn

    foto: ap photo/manuel balce ceneta)

    Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater von Trump belog FBI-Ermittler über Gespräche, die er 2016 mit dem damaligen russischen Botschafter in den USA geführt hatte. Er sprach mit dem Botschafter über die Russland-Sanktionen. Flynn bekannte sich schuldig und kooperiert seither mit den Ermittlern und wartet noch auf die Verkündung seines Strafmaßes.


    Rick Gates

    foto: afp photo / brendan smialowski

    Nachdem der ehemalige Vertraute von Paul Manafort und stellvertretende Wahlkampfleiter Rick Gates wegen Verabredung zu einer Straftat, Geldwäsche, Finanzbetrugs und Falschaussage angeklagt worden war, bekannte er sich schuldig. Gates war auch Kronzeuge der Anklage im Prozess gegen Manafort.


    Sam Patten

    Der republikanische Lobbyist und Berater geriet im Zuge der Russland-Ermittlungen ins Visier Muellers und bekannte sich schuldig, weil er sich nicht als "ausländischer Agent" registrierte, als er für ukrainische Politiker in Washington arbeitete. Er kooperiert seither mit den Ermittlern.



    ANGEKLAGT

    Roger Stone

    foto: reuters/kevin lamarque/file photo

    Wenig überraschend kam die Anklage gegen Roger Stone. Dem 66-Jährigen werden Behinderung von Untersuchungen durch den Kongress, Falschaussagen und Zeugenbeeinflussung vorgeworfen. Stone wurde von Beamten der Bundespolizei FBI in seinem Haus in Fort Lauderdale im US-Staat Florida festgenommen. Der langjährige Wegbegleiter und Berater Trumps stand mit Wikileaks, die gestohlene E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampagne veröffentlichte, in Kontakt.


    13 russische Staatsbürger

    foto: reuters/dado ruvic/illustration

    13 russische Staatsbürger und drei russische Unternehmen werden beschuldigt, soziale Medien und die Identität von amerikanischen Staatsbürgern missbräuchlich verwendet zu haben, um den US-Präsidentschaftswahlkampf zu beeinflussen. Drei der Angeklagten wurden darüber hinaus wegen Überweisungsbetrugs und Bankbetrugs angeklagt.


    Zwölf russische Geheimdienstoffiziere

    foto: ap photo/alexander zemlianichenko

    Zwölf Mitarbeitern des Militärgeheimdiensts GRU wird unter anderem vorgeworfen, E-Mails und Dokumente von Computern der Wahlkampagne der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gestohlen zu haben. Die russischen Agenten organisierten demnach auch den Zeitplan der Veröffentlichung des internen Materials.


    Konstantin Kilimnik

    foto: afp photo / zach gibson

    Der langjährige Vertraute von Paul Manafort soll Verbindungen zum russischen Geheimdienst haben. Er wurde wegen Justizbehinderung angeklagt. Manafort und Kilimnik sollen auch "ehemalige führende europäische Politiker eingesetzt haben, um bei US-Beamten im Namen der Ukraine zu lobbyieren".

    (Stefan Binder, 25.1.2019)

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