Crossfit: Nur keine Schwellenangst

    Kolumne28. November 2018, 16:16
    120 Postings

    Crossfit muss gar nicht wehtun, hat Doris Knecht herausgefunden. Mrs. Sporty sei Dank!

    Ich war bei Mrs. Sporty, and I liked it. Mrs. Sporty ist circa das Gegenteil von Crossfit, was ich mir wiederum als eine Art Fitnessäquivalent des Bachmannpreises vorstelle: Etwas für junge Leute, die sich und anderen noch beweisen müssen, was sie draufhaben, die ihre – literarischen – Muskeln spielen lassen wollen, auch wenn's wehtut.

    Bei Mrs. Sporty tut nichts weh. Man geht zu Mrs. Sporty, weil man nett zu sich selber sein und sich etwas Gutes tun will – in Form kommen, gesünder leben -, und man wird dort nett behandelt und freundlich beraten, jedenfalls als ich zum Schnuppern da war. Mrs. Sporty ist eine von der Tennisspielerin Stefanie Graf gegründete Fitnesskette nur für Frauen: Leitfarbe Pink, 500 Studios in ganz Europa, allein in Wien betreibt man mehr als 30 Filialen.

    Alles sehr neu

    Die Schwelle, über die man Mrs. Sporty betritt, wird bewusst niedrig gehalten: Man richtet sich an Frauen jeden Alters, die Trainingseinheiten dauern 30 Minuten, das traut sich fast jede zu, das lässt sich im Alltag einbauen. Ich machte mir bei Mrs. Sporty Horn einen Termin für ein Schnuppertraining aus. Morgen Nachmittag um vier? Danke, passt.

    Die Trainerin, die mich begrüßt, ist außerordentlich freundlich, wir setzen uns erst einmal, und sie checkt mich mithilfe eines Fragebogens ab: Fitnesslevel, Gesundheit, Beschwerden, Fitnessziele. Tu ich mir schwer beim Stiegensteigen? Noch nicht. Okee. Wollen Sie auch Ernährungsberatung? Danke.

    Es wirkt alles sehr neu bei Mrs. Sporty Horn; der Trainingsraum sieht aus wie ein großes, helles Wohnzimmer, inklusive einer Kinderspielecke für Mütter mit Kleinkindern. Ein paar Frauen trainieren schon vor Screens, die aussehen wie riesige Smartphones. Die Stimmung ist fröhlich, die Trainerin hängt mir eine Plastikkarte um den Hals und zeigt mir, wie ich das Riesenhandy in Betrieb setze.

    Auf dem Schirm erscheinen zwei Bilder. In der oberen Hälfte sieht man sich selbst in Echtzeit, ein elektronischer Spiegel quasi, allerdings mit einem coolen Filter: Man sieht sich gern zu auf dem Riesenhandy, wie man nun die Übungen nachturnt, die eine virtuelle Personal Trainerin in der unteren Schirmhälfte vorturnt, nach einem individuellen Trainingskonzept, das die echte Trainerin auf die Karte programmiert hat.

    Man trainiert ein paar Minuten mit einem Timer, dann zeigt einem der Bildschirm die Resultate: He, ich war 74 Prozent präzise mit 90 Prozent Bewegungsradius und habe 82 Prozent der Wiederholungen geschafft! Sehr motivierend, dieses Instantlob. Weiter! Im Laufe der 30 Minuten bewegt man sich von Handy zu Handy, dazwischen Übungen auf dem Stepper. Fordernd, aber nicht überanstrengend. Nichts zu beweisen. Nett. Ich war bei Mrs. Sporty, und es tat gar nicht weh. (Doris Knecht, RONDO,28.11.2018)

    Weiterlesen:

    Faszientraining: Schmerzendes Schweinsnetz

    • 30 Minuten Training, das traut sich fast jede zu.
      foto: getty images/istockphoto/magmos

      30 Minuten Training, das traut sich fast jede zu.

    • Wie heißt das Fitnessäquivalent des Bachmannpreises? Crossfit. Das dachte Doris Knecht, bis sie sich zu Mrs. Sporty wagte und eines Besseren belehrt wurde.
      foto: irina gavrich

      Wie heißt das Fitnessäquivalent des Bachmannpreises? Crossfit. Das dachte Doris Knecht, bis sie sich zu Mrs. Sporty wagte und eines Besseren belehrt wurde.

    Share if you care.