Psychologin schürt Rachegelüste bei Versuchsteilnehmern

26. August 2018, 18:00
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Forschungsfrage drehte sich darum, welche Hirnareale eine Rolle spielen, wenn wir den Wunsch auf Rache ausleben oder darauf verzichten

Genf – Welche Prozesse spielen sich in unserem Gehirn ab, wenn wir Unrecht erleiden und später dafür Rache nehmen – oder uns dafür entscheiden, auf Vergeltung zu verzichten? Diesen Fragen ist Olga Klimecki-Lenz von der Universität Genf mit einem Experiment nachgegangen, über ihre Ergebnisse berichtet sie im Fachmagazin "Scientific Reports".

Mensch ärgere dich

Für ihre 25 Probanden designte Klimecki-Lenz mit ihrem Team ein Ökonomie-Spiel, das darauf angelegt war, die Teilnehmer in Wut zu versetzen. Die Probanden hatten mit je zwei anonymen "Mitspielern" zu interagieren, während ihre Hirnaktivität gemessen wurde. Von den Mitspielern sahen sie dabei nur Fotos, erhielten Nachrichten und sahen die finanziellen Transaktionen, die die beiden im Laufe des Spiels tätigten.

Einer der Mitspieler verhielt sich fair und schickte nette Nachrichten, der andere war nur auf seinen eigenen Gewinn aus, agierte gegen die Interessen des Probanden und schickte unangenehme Botschaften. Ziel war, den Studienteilnehmer zornig auf den unfairen Mitspieler zu machen. Seine Wut sollte er selbst auf einer Skala von 0 bis 10 bewerten.

Aktive Gehirnregionen

"Während dieser Phase konnten wir Hirnareale identifizieren, die mit Zorn zusammenhängen", so Klimecki-Lenz. Je wütender die Probanden beim Anblick des unfairen Spielers waren, desto mehr Aktivität beobachteten die Forschenden in zwei Hirnarealen: dem oberen Teil des Temporallappens und im Mandelkern. Letzterer spielt auch bei Angstgefühlen eine Rolle und ist generell an der Bewertung von Emotionen beteiligt.

Aber auch ein Teil des Frontallappens der Großhirnrinde war aktiv, und dieser spielte für eine weitere Phase der Studie eine Rolle. In einem nächsten Schritt des Spiels konnten die Probanden nämlich Rache an dem unfairen Spieler. üben Rund die Hälfte der Teilnehmenden tat dies auch.

Aber elf der Probanden blieben auch dem unangenehmen Mitspieler gegenüber fair. Der Befund: Je aktiver der dorsolaterale Frontallappen im Laufe der Provokationen war, desto weniger Rache übten die Probanden hinterher, als sie die Gelegenheit dazu hatten.

Regulierbarer Regulator?

Der dorsolaterale Frontallappen spielt bei der Regulierung von Gefühlen eine Rolle. Im Zuge ihrer Studie konnten Klimecki-Lenz und Kollegen laut Uni Genf erstmals einen Zusammenhang zwischen der Aktivität dieses Hirnareals und Verhaltensentscheidungen bezüglich Rache feststellen. Der Forscherin schweben bereits potenzielle Anwendungsmöglichkeiten vor: "Man könnte sich fragen, ob eine Aktivierung des dorsolateralen Frontallappens durch Transmagnetische Stimulation Racheakte reduzieren oder ganz unterdrücken könnte." (red, APA, 26. 8. 2018)

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