Alle Jahre wieder: Wie der Ikea-Katalog gemacht wird

    24. August 2018, 09:00
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    Ab Montag flattern 1,9 Millionen Kataloge in Österreichs Haushalte

    Es ist wieder einmal so weit: So sicher wie das Ende der Ferien kommt um diese Zeit des Jahres der neue Ikea-Katalog ins Haus geflattert. Insgesamt werden hierzulande ab Montag 1,9 Millionen Exemplare an Frau, Mann und Kind gebracht, eine Auflagezahl von der so mancher Autor nur träumen kann. Nicht, dass man sich das Titelbild von früher erschienenen Katalogen eingerahmt und aufgehängt hätte, aber das aktuelle, in weiß gehaltene Coverbild mit zwei Kindern in einer Art Actionpose kommt einigermaßen fad daher.

    foto: ikea
    Freilich ist auch oder gerade bei Ikea das Wohnen auf kleinem Raum ein großes Thema.

    Weltweit werden 190 Millionen Stück gedruckt, die es auf einen Umfang von rund 290 Seiten bringen. Betreffend der Auflagenzahl des Druckwerks, das in 38 Sprachen und 55 Ländern erscheint, zeigt sich die Tendenz fallend, da auch der Möbelriese immer mehr auf digitale Kanäle und Inhalte setzt. Sogar als E-Book gibt es die Publikation. Besonders ambitionierte Katalog-Vorfreuer müssen übrigens tapfer sein, denn in der Presseaussendung zum Katalog heißt es, "In den kommenden Jahren testet Ikea global unterschiedliche Möglichkeiten, mit dem Katalog zu arbeiten. Die Palette reicht von neuen Distributionswegen über ein häufigeres Erscheinen bis zu gar keinem Katalog."

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    Der Empfangsbereich bei "Icom" im schwedischen Älmhult, wo unter anderem der jährlich erscheinende Katalog entsteht.

    Aber noch ist fast alles beim Alten. Entstanden ist auch die 2019er-Ausgabe im schwedischen Älmhult, der Zentrale von Ikea, eineinhalb Zugstunden nördlich von Kopenhagen, im sogenannten "Icom", was für "Ikea Communication" steht. Hier arbeiten das ganze Jahr über 320 Leute aus 31 Ländern am Katalog, aber auch an Produktfotos, der Website, Broschüren etc. 40.000 mal wird hier zwischen unglaublich vielen Bildschirmen, Scheinwerfern und Schreibtischen auf den Auslöser von Kameras gedrückt, in einer 3D-Modell-Abteilung werden Möbel per High-Tech geschrumpft und in Szene gesetzt. Auch nach einer entwischten Katze wurde schon einmal gesucht.

    foto: ikea
    320 Menschen aus 31 Ländern arbeiten im Kommunikationszentrum von Ikea am Katalog, an Broschüren, der Website et cetera.

    Zwei Tage dauert im Schnitt der Aufbau eines Zimmers, einen Tag lang wird geshootet, einen Tag dauert der Abbau. In einer Halle des Komplexes sieht's aus wie in einem Ikea-Abhollager, mit dem Unterschied, dass hier schon alles zusammengebaut ist. Dazwischen steht man Fliesenlegern, Maler, Zimmermännern und anderen Handwerken im Weg, die versuchen, von einer Werkstatt in die andere zu gelangen.


    foto: ikea
    Neben Fotografen und Stylisten gibt es bei den Shootings auch jede Menge Handwerker zu sehen.

    Doch zurück zum Eingemachten, also dem neuen Katalog und in die Ikea-Stuben: Im Rahmen von sieben sehr unterschiedlich gestalteten Wohnungen kann der Adressat des Katalogs blätternd durch die einzelnen Räume der Behausungen wandeln. Das macht die heurige Ausgabe wohnlicher, weniger steril und auf gewisse Weise auch greifbarer als ältere Ausgaben. Kurz, es geht den Machern um mehr Atmosphäre zwischen Bettgestell "Gjöra" und Waschbecken "Gutviken". Grundlage für das Erscheinungsbild des Katalogs bilden Erkenntnisse, die Ikea im Rahmen des "Life at Home Report" erhoben hat.


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    Zwei Tage dauert im Schnitt der Aufbau einer Ikea-Räumlichkeit für den Katalog.

    Was da so rauskommt? Zum Beispiel, dass 17 Prozent aller Streitereien zu Hause entstehen, weil jemand in den Bereich eines anderen eindringt. Was noch? Dass 27 Prozent der Menschen weltweit glauben, dass die Gesellschaft von ihnen verlangt, minimalistischer zu leben, auch wenn man das nach einem Samstagnachmittag bei Ikea kaum nachvollziehen kann. Ein weiteres Motto des heurigen Druckwerks beschäftigt sich mit der Sehnsucht nach Rückzug und nach dem "man sich selbst sein" – cocooning reloaded, könnte man sagen. (maik, 24.8.2018)

    foto: petra eder
    So schaut er aus, der "Neue".
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