Regierung macht den Weg für Rechtsabbiegen bei Rot frei

    Video21. August 2018, 09:41
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    Am Dienstag legte Verkehrsminister Norbert Hofer sein Konzept für eine Neuregelung des Rechtsabbiegens vor. Getestet wird ab 2019 in Linz

    Wien/Linz – In der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz sollen die ersten Tests für das Rechtsabbiegen trotz Rotlichts starten. Ab 2019 soll es Autofahrern und Radfahrern vorerst an drei ausgewählten Kreuzungen in Linz möglich sein, trotz roter Ampel rechts abzubiegen. Die juristischen Weichen werden mittels Novellierung der Straßenverkehrsordnung (StVO) im Herbst 2018 gestellt.

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    Video von der Pressekonferenz.

    Das Vorhaben war ein Lieblingsthema von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) – er hat schon bei Antritt der Regierung im vergangenen Dezember einen entsprechenden Versuch angekündigt. Und er hat dazu im Juni eine Studie der TU Wien in Auftrag gegeben. Das Verkehrsministerium lässt sich diese Studie 99.750 Euro netto kosten. Der Betrag ist so gewählt, dass es für den Auftrag keiner Ausschreibung bedurft hat.

    Gut einsehbare Kreuzungen

    Infrage kommen nur Kreuzungen, die gut einsehbar sind, weil ja nicht nur der Querverkehr, sondern auch die möglicherweise schwerer zu erkennenden Radfahrer und Fußgänger Grün haben – und diese in jedem Fall Priorität genießen müssen.

    "Jedes einzelne Fahrzeug muss an der Haltelinie anhalten und sich vergewissern, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert oder gefährdet werden. Zudem wird jede Kreuzung, bevor sie mit einem Grünpfeil ausgestattet wird, auf die entsprechende Tauglichkeit untersucht", sagte der Linzer Infrastrukturstadtrat Markus Hein (FPÖ).

    Autofahrerklubs skeptisch

    Die Autofahrerklubs sind skeptisch: Wo das Rechtsabbiegen gefahrlos möglich ist, sei ohnehin oft schon eine eigene Ampelphase eingerichtet. Die geplante Umstellung könnte vor allem in den Städten bei den Ampelschaltungen zu gröberen Problemen führen, befürchtet der ARBÖ. Diese Schaltungen seien nämlich aufeinander abgestimmt – wenn künftig mehrere Fahrzeuge während der Rotphase rechts abbiegen, könnten gewisse Straßenstücke schneller verstopfen als zuvor.

    Erfahrungen mit dem Rechtsabbiegen bei Rot gibt es unter anderem in Deutschland (in der ehemaligen DDR war das Rechtsabbiegen bei Rot Standard), in Rumänien (wo es meist durch grün blinkende Ampeln erlaubt wird) und in den USA (wo es überall erlaubt ist, wo es nicht verboten ist).

    "USA, Kanada, Australien, Frankreich,Thailand, Tschechien, Polen und Teile Deutschlands – all diese Länder haben dieses Modell seit Jahrzehnten in Anwendung und dadurch einen flüssigeren Verkehr an ihren Kreuzungen. Ich denke, dass das auch in Österreich funktionieren kann", sagte Hofer. (cs, 21.8.2018)

    • Verkehrsminister Hofer mit dem neuen Pfeil, der bei Rotlicht den Weg nach rechts weist.
      foto: apa/harald schneider

      Verkehrsminister Hofer mit dem neuen Pfeil, der bei Rotlicht den Weg nach rechts weist.

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