High-Tech-Orgasmus: Warum es künftig mehr smartes Sexspielzeug geben wird

    18. August 2018, 15:28
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    Sextech könnte bald aufgrund eines abgelaufenen Patents einen neuen Frühling erleben

    Die Entwicklung von smarten Produkten hatte bisher eine auffällige Ausnahme, die trotz ihres Hypes nicht so häufig produziert wurde, wie andere Produkte: Sexspielzeug. Das Konzept der Teledildonik, also der Kommunikation von Empfindungen über Daten, existiert bereits seit Jahrzehnten, noch bevor es das Internet gegeben hat. Die die wirkliche "Revolution" in dem Bereich, wie sie immer wieder von Medien angekündigt wurde, kam aber bisher nie zustande. Der Grund dafür war bisher ein US-Patent aus dem Jahr 1998, welches von drei Personen angemeldet wurde und nun, 20 Jahre später, abgelaufen ist.

    "Teledildonik-Patent" aus 1998

    Sie nannten das Patent damals zu Deutsch etwa "Methode und Gerät für interaktive, virtuelle Kontrolle von sexuellen Hilfsmitteln durch die Nutzung von digitalen Computernetzwerken"; von Branchenvertretern wird es aber mittlerweile als das "Teledildonik-Patent" bezeichnet, wie Motherboard berichtet. Das Konzept wurde darin sehr vage erklärt: Ein Objekt wird mit einem Eingabegerät (etwa ein Smartphone) verbunden, welches wiederum mit einem anderen Eingabegerät und dessen dazugehörigen Spielzeug kommuniziert.

    Patenttroll klagte Hersteller

    Dafür gründeten sie ein Unternehmen, genannt HasSex, welches primär existierte, um das Patent aufrecht zu erhalten. Später erkannte man, dass man es nicht schaffen würde, ein solches Produkt zu schaffen – und verkaufte das Patent 2015 an ein Unternehmen namens Tzu Technologies. Dieses erwies sich jedoch als sogenannter Patenttroll. Es hatte nicht die Intention, mithilfe der Anmeldung ein urheberrechtlich geschütztes Produkt zu kreieren, sondern lediglich, sich durch Klagen gegen andere Firmen finanziell zu bereichern.

    Mehrere Unternehmen in Insolvenz getrieben

    Seit 2015 klagte es zehn Unternehmen, in allen Fällen kam es zu außergerichtlichen Einigungen, bei denen die Firmen mehr als 50.000 US-Dollar zahlen mussten. Für einige von ihnen bedeuteten diese Zahlungen jedoch den finanziellen Ruin, darunter etwa ein Open-Source-Vibrator, der ursprünglich über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo finanziert wurde. Die Grundrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation etwa kritisierte dieses Vorgehen heftig und vergab den monatlichen, selbstvergebenen "Stupid Patent" an Tzu Technologies, da das Patent extrem breiten Interpretationsspielraum offen ließ.

    Mit dem Ablauf des Patents können US-Start-Ups nun den Bereich aufmischen, ohne Klagen zu fürchten. Jedoch müssen sich Hersteller noch mit anderen Aspekten befassen, die bisher außer Acht gelassen wurden – etwa die Privatsphäre der Nutzer, da hochsensible Daten vermittelt werden. (red, 18.8.2018)

    • Ein Beispiel für einen smarten Vibrator: Hum.
      foto: screenshot/hum

      Ein Beispiel für einen smarten Vibrator: Hum.

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