Gratis spachteln leicht gemacht

17. August 2018, 14:17
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Wladimir am Büffet in der Südsteiermark

Zusätzlich zur Miete braucht man nicht mehr als 150 Euro im Monat zum Leben. Jeder sparsame Städter, der zu eitel ist, um in der Mülltonne nach Nahrhaftem zu wühlen, weiß, dass es auch elegante andere Methoden der Gratisverköstigung gibt.

Der Klassiker ist die Vernissagenfresstour. Zuerst informiert man sich aus der Zeitung, welcher Künstler in welcher Galerie ausstellt. Dann mischt man sich unter das Vernissagenpublikum, und, hopps, schon erhält man Erdnüsse, Salzbrezel oder Soletti umsonst (bei besseren Künstlern sogar Schaumwein). Mehr noch: Mit etwas Glück geht man unerkannt durch und muss nicht einmal Interesse für die grauenhaften Gemälde heucheln!

Momentan wird viel diskutiert, was Russlands Präsidenten anficht, zur Hochzeit unserer Außenministerin zu kommen. Manche sagen, Putin tue dies, um sich bei unserer Bundesregierung einzuschleimen, andere sehen die Erklärung darin, dass Frau Kneissl so sympathisch sei. Gewagte Hypothesen!

Wahrscheinlicher ist doch, dass es sich bei Putin um ein russisches Äquivalent zum Wiener Vernissagenschnabulierer handelt, dem der ewige Bortschtsch meterweise zum Hals heraushängt und der die Gelegenheit nutzt, um sich zum Nulltarif den Bauch vollzuschlagen. Zwar wird uns die Sicherheit für seine Präsenz etwas kosten, aber was soll's.

Auf Außenpolitik spezialisierte Poster, die sonst schon in Harnisch geraten, wenn der Staat drei Euro fünfzig für ein armes Flüchtlingskind ausgibt, versichern uns: Die Ausgaben lohnen sich. Und zwar wegen der Diplomatie! Da bleibt nur noch zu hoffen, dass Frau Kneissl genug zum Essen bestellt hat. Wenn Kanzler Kurz am kalten Buffet dem Russen die letzte Portion Käferbohnen vor der Nase wegspachteln würde, wäre das ein schlechter Ausweis für österreichische Gastfreundschaft.

Weil wir gerade beim Essen sind: Die Wiener Linien machen Ernst und verbieten es ihren Fahrgästen, den kleinen Hunger zwischendurch zu stillen. Da helfen nur Notwehrmaßnahmen. Als Mann könnte man zum Beispiel heimlich eine Wurst, eine Nudel, eine Banane oder ein Paar Eier im Wagon mitführen, als Frau eine Dattel, eine Feige, eine Muschel oder eine Pfefferdose. Damit auch bei mangelnder ambulanter Verköstigung in den Öffis sichergestellt ist, dass man nicht vom Fleisch fällt. (Christoph Winder, 17.8.2018)

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