Dies ist das letzte Mitglied eines unkontaktierten Stammes

    Ansichtssache19. August 2018, 17:11
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    screenshot: funai

    Der letzte seines Stammes

    Nach allem, was man bisher weiß, könnte dies das letzte überlebende Mitglied eines unkontaktierten Ureinwohnerstammes in einer abgelegenen Ecke des brasilianischen Regenwaldes sein. Niemand kennt seinen Namen, seine Sprache oder seine Kultur – tatsächlich ist auch unklar, ob er überhaupt noch am Leben ist. Die hier verlinkten Filmaufnahmen entstanden tief im Dschungel des Bundesstaates Rondônia in Westbrasilien. Die Bilder zeigen einen langhaarigen Mann, möglicherweise in seinen 50ern, der mit einer Art Axt einen Baum zu fällen versucht. Aufgenommen wurden sie 2011 von Angehörigen der Fundação Nacional do Índio (FUNAI), der brasilianischen Behörde zum Schutz der indigenen Bevölkerung des Landes. Veröffentlicht wurden sie aber erst kürzlich, um auf den anhaltenden Kampf zwischen den Ureinwohnern und dem wachsenden Landhunger der Agrarwirtschaft aufmerksamen zu machen.

    FUNAI hat bereits seit 1996 ein Auge auf den Mann, seinen früheren Stamm kennt man allerdings schon länger. Während der 1970er- und 80er-Jahre dezimierte eine von Farmern initiierte Serie von Massakern sein Dorf sowie zahlreiche weitere Ethnien in der Umgebung. Ab Mitte der 1990er-Jahre war er nach Beobachtungen von FUNAI der einzig verbliebene Indigene in der Region. Nachdem er jeglichen Kontakt zur Außenwelt vermieden hat, stützen sich die Kenntnisse über ihn fast ausschließlich auf aufgegebenen Unterkünften. Diese ergaben, dass er Mais, Maniok, Papayas und Bananen anbaut. Außerdem wurden metertiefe Tierfallen mit Spießen am Grund entdeckt. Manche vermuten auch, dass er selbst in solchen Gruben Zuflucht sucht, weshalb er den Spitznahmen "Man in the Hole", also "Mann im Loch", erhielt.

    Eine bald nach seiner Entdeckung eingerichtete Schutzzone für den Mann, die den Zutritt von Fremden und Holzfällern unter Strafe stellte, konnte ihn letztlich nicht vor Unheil bewahren: 2009 wurde er von einem Unbekannten angeschossen, dürfte aber überlebt haben. Die Behörden vermuten lokale Farmer hinter der Attacke. Mittlerweile ist die Schutzzone gänzlich von Rinderfarmen umgeben. Wie lange sie noch Bestand haben wird ist ungewiss, insbesondere in Hinblick auf die im Oktober stattfinden Präsidentenwahlen. Nachdem laut Umfragen der beliebteste Kandidat, Ex-Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva, im Gefängnis sitzt und daher wahrscheinlich nicht antreten wird, gilt der zweitplatzierte ultrarechte Ex-Militär Jair Bolsonaro als potenzieller Sieger. Bolsonaro hetzt gegen Minderheiten und verherrlicht die Militärdiktatur.

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